Bayerischer Landtag

Ausschuss öffentlicher Dienst wirft Blick auf Fehlzeiten der Beschäftigten des Freistaats

Dienstag, 13. Oktober 2015
– Von David Lohmann –

Die Beamten und Arbeitnehmer des Freistaats waren 2014 im Schnitt 9,9 Tage krank – und damit nur halb so oft wie die Kolleginnen und Kollegen in der Bundesverwaltung. „In Berlin haben die Beschäftigten 36,8 Tage gefehlt – fast vier mal so viel wie in Bayern“, betonte der Ministerialdirigent des Finanzministeriums Dr. Alexander Voitl bei der Vorstellung des Berichts über die Fehlzeiten der Beschäftigten des Freistaats im Ausschuss öffentlicher Dienst.

Selbst den Vergleich mit der bayerischen Wirtschaft muss der Freistaat nicht scheuen: Dort lag die Krankheitsquote letztes Jahr um 0,5 Prozent höher bei 4,5 Prozent – obwohl in der Wirtschaft erst Krankschreibungen ab drei Tagen erfasst werden. Seit Beginn der Erhebung 1995 hat sich laut Voitl der Krankenstand sogar um fast zwei Tage reduziert. Der Ministerialdirigent führt das auf das damals eingeführte Gesundheitsmanagement zurück.

Allerdings lohnt sich ein Blick in die einzelnen Ressorts: Während in der Staatskanzlei, im Finanzministerium und im Wirtschaftsministerium die Fehlzeiten gesunken sind, haben sie sich in allen anderen Bereichen erhöht. Voitl begründete das mit den Unterschieden bei der Personalstruktur. So seien Beschäftigte im höheren Dienst mit 5,4 Tagen seltener krank als Mitarbeiter im mittleren und einfacheren Dienst mit 11,3 beziehungsweise 14,2 Tagen. „Die Spreizung gibt es aber auch in anderen Bundesländern und der freien Wirtschaft“, versicherte der Ministerialdirigent.

Voitl appellierte an die Ministerien mit überdurchschnittlich hohem Krankenstand, anhand der Daten Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Dazu gehören seiner Meinung nach vor allem Gesundheitsmanagement, Führungskräftefortbildungen und ein betriebliches Eingliederungsmanagement. Fehlzeiten müssten zur „Chefsache“ erklärt werden: „Es besteht zweifellos ein Zusammenhang zwischen Führungsstärke, Arbeitsklima und Fehlzeiten“, resümierte der Ministerialdirigent.

Die Ausschussvorsitzende Ingrid Heckner (CSU) sah den öffentlichen Dienst bereits auf einem guten Weg. Überall gebe es Gesundheitsbeauftragte. Und schon jetzt bedeute Gesundheitsmanagement für die jeweiligen Dienststellenleiter nicht „ein paar Euro in Rückenkurse zu investieren“, sondern sei tief in deren Bewusstsein eingedrungen. Nicht nur bei der Flüchtlingsthematik habe der öffentliche Dienst zuletzt zusammen mit den Ehrenamtlichen wieder gezeigt, wie leistungsfähig und leistungswillig er sei.

Die Opposition nannte es zwar erfreulich, dass der Krankenstand seit zehn Jahren auf einem niedrigen Niveau bleibe. „Aber wir dürfen nicht alles in den Himmel loben“, gab der stellvertretende Ausschussvorsitzende Günther Felbinger (FREIE WÄHLER) zu denken. Im Kultusministerium beispielsweise würden Krankheitstage von Lehrern in den Ferien nicht erfasst. Stefan Schuster (SPD) forderte, vor allem die Fehlzeiten der untere Entgeltgruppe und von Frauen im Auge zu behalten. Verena Osgyan (Bündnis 90/Die Grünen) pochte darauf, dem Thema Mobbing mehr Bedeutung zukommen zu lassen. Bisher erkenne das Finanzministerium den Ausdruck nicht als Rechtsbegriff an. „Mir fehlt der Hinweis“, kritisierte die Abgeordnete, „wie Mobbing im öffentlichen Dienst erkannt und entgegengewirkt wird.“

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