Bayerischer Landtag

Bildungsausschuss: Abgeordnete und Experten werfen Blick auf Erwachsenenbildung in Bayern

Fachgespräch am 1. Juni 2017 im Bildungsausschuss | Bildarchiv Bayerischer Landtag

Donnerstag, 1. Juni 2017
– Von Anna Schmid – 

Spanisch lernen, Yoga machen, einen Kräutergarten anlegen oder Buchhaltung bewältigen? Das Angebot an Erwachsenenbildung in Bayern ist riesig. Es gibt ein breites Angebot an Institutionen, die öffentlich gefördert werden. In Artikel 139 der Bayerischen Verfassung heißt es: „Die Erwachsenenbildung ist durch Volkshochschulen und sonstige mit öffentlichen Mitteln unterstützte Einrichtungen zu fördern.“ Das Thema „Erwachsenenbildung“ stand im Bildungsausschuss im Mittelpunkt eines Fachgesprächs.

„Die Verfassungsväter haben gut daran getan, der Erwachsenenbildung Verfassungsrang zu geben“, sagte Klaus Meisel, Vorsitzender des Landesbeirats für Erwachsenenbildung in Bayern. Die öffentliche Erwachsenenbildung sei die einzige Bildungsinstitution, die für jedermann zugänglich ist und greife auch Themen jenseits von Gewinnerwartung auf.

Man dürfe sich die Erwachsenenbildung nicht als Markt vorstellen, auf dem verschiedene Anbieter konkurrieren, sagte Josef Schrader, Wissenschaftlicher Direktor des Deutschen Instituts für Erwachsenenbildung (DIE) in Bonn. Ohne Volkshochschulen würde es zum Beispiel kaum Kurse zur Alphabetisierung geben. Der Sektor der Erwachsenenbildung sei, gemessen an Anbietern, Teilnehmern und Beschäftigten, der größte Bildungsbereich in Deutschland. Und er werde immer wichtiger. In der öffentlichen Förderung spiegle sich diese Bedeutung jedoch nicht.

50 Prozent der Menschen zwischen 18 und 65 nehmen Weiterbildungsangebote wahr, sagte Rudolf Tippelt, Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats des DIE. Viele Studien enden bei 65 Jahren – und lassen dabei ältere Teilnehmer außen vor, sagte er. Es gebe wachsenden Bedarf auch bei 70-, 80- oder 90-Jährigen.

„Wir brauchen einen breiten Bildungsbegriff“

Aber wen erreichen die Angebote? Auch darüber diskutierten die Abgeordneten und die Experten. Ein Thema sei die Konkurrenz zwischen Stadt und Land, so Josef Schrader. „In den kommenden Jahren wird es eine große Herausforderung für Bayern sein, für ein flächendeckendes Angebot zu sorgen“, sagte er. Um die Versorgung in ganz Bayern zu gewährleisten, brauche es eine andere Finanzierung, sagte Klaus Meisel. Wie hoch die Dichte an Angeboten zur Weiterbildung sei, liege aber stets auch am Engagement der einzelnen Regionen.

Ute Eiling-Hütig (CSU) wollte von den Experten auch wissen, wie man den Teilnehmerkreis erweitern könne und die Angebote der Erwachsenenbildung, die ja freiwillig seien, auch für eine bildungsferne Zielgruppe interessant machen könne.

Gerade bei niedrigschwelligen Angeboten, etwa bei Bewegungskursen, stünden die Träger unter Rechtfertigungsdruck, sagte Kathi Petersen (SPD). „Liegt es daran, dass unser Bildungsverständnis von schulischer Bildung geprägt ist?“, fragte sie.

Die Angebote müssten gut erreichbar sein, forderte die Abgeordnete Gisela Sengl (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN). Gerade auf dem Land, wo es wenig öffentliche Verkehrsmittel gebe, sei das oft nicht der Fall. Auch hohe Kosten seien eine Hemmschwelle.

Michale Piazolo (FREIE WÄHLER) fragte, wie die Angebote von der beruflichen Bildung abgegrenzt werden könnten: Nach dem Träger oder nach dem jeweiligen Angebot. Für viele Teilnehmer sei das berufliche Weiterkommen ein Anreiz, was sich in der Gestaltung der Angebote niederschlage.
Ob ein Angebot förderwürdig sei, sagte Schrader, werde am Anbieter und seinem Kerngeschäft festgemacht. Letztliche wisse niemand, ob ein Teilnehmer einen Sprachkurs macht, um im Beruf weiterzukommen oder um mit den Enkeln im Ausland zu chatten. Einen Schulabschluss nachzuholen, diene auch dem beruflichen Weiterkommen, sei aber trotzdem förderwürdig, sagte Rudolf Tippelt. Es sei ohnehin schwer, zwischen politischer, allgemeiner oder beruflicher Bildung zu differenzieren. Er forderte: „Wir brauchen einen breiten Bildungsbegriff.“

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