Bayerischer Landtag

Bildungsausschuss: Anhörung zum Thema Zukunft der Erwachsenenbildung in Bayern

Donnerstag, 18. April 2013
– Von Eva Spessa –

Zehn Experten beleuchteten am 18. April im Bildungsausschuss den aktuellen Stand und die Zukunft der Erwachsenenbildung in Bayern. Drei Themenbereiche standen dabei im Fokus: Veränderungsbedarfe angesichts des demografischen, ökonomischen und sozialen Wandels, eine Optimierung der Rahmenbedingungen sowie die Rolle der Erwachsenen- und Weiterbildung in den ‚Bildungsregionen’, einer Initiative des bayerischen Kultusministeriums zur Verbesserung der Bildungsangebote durch die Zusammenarbeit von Schulen und außerschulischen Organisationen.

Das Thema Erwachsenenbildung findet nicht die Beachtung, die seiner Bedeutung entspricht – dies kam in der Expertenanhörung immer wieder zum Ausdruck. Oft reduziert auf Schulergänzung oder berufliche Weiterbildung spielt sie jedoch angesichts einer sich verändernden Gesellschaft eine immer größere Rolle: „Wir werden weniger, älter und bunter“, formulierte die Nürnberger Stadträtin Prof. Dr. Julia Lehner. Wie kann die Erwachsenenbildung diese und andere Herausforderungen bewältigen?

Karl-Heinz Eisfeld vom Landesbeirat für Erwachsenenbildung in München wies auf die zahlreichen Aufgaben der Erwachsenenbildung hin – transitorische, kompensatorische, komplementäre und sogar präventive – und wollte sie nicht allein auf berufliche Weiterbildung reduziert wissen. Mit Erwachsenenbildung sei nicht immer eine Ergänzung zur Schule gemeint, bemerkte auch Monsignore Dr. Florian Schuller von der Arbeitsgemeinschaft der Träger der Erwachsenenbildung in Bayern und unterstrich den Wert zweckfreien Lernens.

Dafür müssten Grundlagen gelegt werden, so René Scholz von der Stiftung Private Wirtschaftsschulen Sabel: Bildungsnähe müsse viel früher hergestellt werden, dabei sei Chancengerechtigkeit von Anfang an entscheidend. Walter Brilmayer, erster Bürgermeister von Ebersberg, wies darüber hinaus auf die zunehmende Bedeutung von Weiterbildungsmöglichkeiten als Standortfaktor hin. Dr. Lehner lobte vor allem die Arbeit der Volkshochschulen – „VHS sind die Institutionen im Bereich Erwachsenenbildung“ –, die aktiv maßgeschneiderte Angebote erarbeiten.

Für Weiterbildung fehle zunehmend die Zeit, erklärte Prof. Dr. Ursula Münch von der Akademie für Politische Bildung in Tutzing bei der Bestandsaufnahme: „Wenn zum Beispiel ein Lehrer bei uns zur Weiterbildung ist, kann er in dieser Zeit keinen Unterricht halten.“ Die Weiterbildungsquote sei mit 49 Prozent so hoch wie nie, stellte dagegen Prof. Dr. Klaus Meisel, Geschäftsführer der Münchner Volkshochschule, fest. Demgegenüber stünden jedoch beispielsweise 7,5 Prozent funktionelle Analphabeten. Dr. Martin Noack von der Bertelsmann Stiftung Gütersloh verwies auf die großer Gruppe derer, die bisher nicht an Weiterbildungsmaßnahmen teilnehmen und nannte die sogenannten atypisch Beschäftigten, die von keiner Seite nennenswerte Unterstützung erfahren – etwa Leiharbeiter oder Minijobber – als Beispiel: „Die müssen wir erreichen.“

Das System fit machen

Auf die Frage nach Verbesserungsmöglichkeiten bei den Rahmenbedingungen verwiesen einige der Experten auf das Erwachsenenbildungsförderungsgesetz, dessen Novellierung, erst kürzlich im Landtag gescheitert, dringend notwendig sei. Bei der Förderung wurden verschiedene Möglichkeiten diskutiert: Die institutionelle Förderung biete am meisten Planungssicherheit, aber auch eine Förderung der Nachfrage, also der Lernenden, sei denkbar, ebenso wie eine wohlüberlegte Projektförderung. Wichtig sei es, da waren sich die Experten einig, keine unüberwindlichen bürokratischen Hürden vor den Förderungen aufzubauen.

Man müsse das System fit machen für die Lernenden, nicht umgekehrt, betonte Dr. Noack und nannte die Bildungslotsen in Aachen, speziell ausgebildete Streetworker, als Beispiel. Mehr Flexibilität forderte Prof. Dr. Otto K. Ferstl vom Campus Wissenschaftliche Weiterbildung in Bayern; außerdem halte er es für sinnvoll, die Nachfrage zu klären. Ministerialdirigent German Denneborg vom bayerischen Kultusministerium wies auf die häufig prekären Arbeitsverhältnisse bei den Lehrern hin und plädierte hier für mehr Professionalität. Der Vorschlag, Weiterbildungszentren einzurichten, wurde kontrovers diskutiert: Eine Zentralisierung sei wenn überhaupt nur teilweise sinnvoll und angesichts der extrem heterogenen Trägerlandschaft an vielen Stellen gar nicht möglich. Auch der Einsatz zum Beispiel von E-Learning wurde nicht rundweg begrüßt: Die Bedeutung echter Lernorte, an denen sich Menschen begegnen und austauschen, sei nicht zu unterschätzen.

In der Initiative ‚Bildungsregionen’, da waren sich die Experten einig, ist Erwachsenenbildung nicht oder zu wenig präsent. Die Idee der Vernetzung jedoch wurde grundsätzlich gutgeheißen. Hier sei allerdings Überzeugungsarbeit zu leisten – diese Art der Kooperation könne man nur anstoßen, nicht anordnen.

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