Bayerischer Landtag

Bildungsausschuss: Bericht zur Perspektive der bayerischen Berufsschulen

Donnerstag, 8. Dezember 2011
Am Ende fasste Eduard Nöth (CSU) prägnant zusammen, was wohl alle Mitglieder des Bildungs-Ausschusses dachten: „Das war ein schonungsloser Bericht, der uns erschauern lässt.“ Der Bericht kam von German Denneborg, Abteilungsleiter im Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus. Unter dem etwas sperrigen Titel „Berufsgruppenkonzept und die Auswirkungen des demographischen Wandels auf die beruflichen Schulen in Bayern“ hatte Denneborg einen Ausblick auf die Zukunft der Berufsschulen gegeben. Das Fazit war niederschmetternd. Um bis zu 30 Prozent werden in den nächsten Jahren mancherorts die Schülerzahlen an den 1350 bayerischen Berufsschulen sinken. Betroffen sind alle Regierungsbezirke.

Durch die zunehmende Spezialisierung bei der Berufsausbildung wird die flächendeckende Versorgung für manche Berufe nahezu unmöglich. „Das liegt nicht zuletzt an den zunehmend hirnrissigen Spezialberufen“, stellte Denneborg drastisch fest. Die Politik habe den Sonderwünschen der Wirtschaft zu oft leichtfertig nachgegeben. Nun habe man ein aufgeblähtes Angebot von 350, zum Teil sehr speziellen, Ausbildungsberufen. Das belaste das Ausbildungssystem und verenge die Perspektive der Schüler, die sich auf eng zugeschnittene Berufsprofile einließen. „Wir brauchen mehr vernetztes Denken in der Berufsausbildung. Das hilft den Auszubildenden und den Betrieben.“, sagte Denneborg. Auch die Sogwirkung der Metropolregionen auf den ländlichen Raum, die mehrere Ausschussmitglieder beklagten, sei eine Spätfolge falscher politischer Entscheidungen, wie Denneborg analysierte. „Man hat sich zuerst um die Universitäten gekümmert, dann um die Gymnasien, dann um die Realschulen, dann um die Volksschulen. Und dann ganz zum Schluss erst um die Berufsschulen. Das rächt sich jetzt.“ Ein Ausweg aus der Misere ist laut Denneborg die teilweise Zusammenlegung des Unterrichts für verwandte Berufszweige. „Wir streben ein Verhältnis von 60 Prozent an, verteilt über den gesamten Ausbildungs-Zeitraum“, sagte Denneborg.

Gleichzeitig sei in den Landkreisen und Kommunen Realitätssinn gefragt. „Es ist besser frühzeitig über Kooperationsmöglichkeiten nachzudenken, als aus Prestigegründen einfach nur Standorte verteidigen zu wollen.“, meinte Denneborg und mahnte: „Wer glaubt, eine Berufsschule wird schon nicht geschlossen werden, nur weil sie frisch renoviert wurde, hat die Dramatik der Situation nicht verstanden.“ / zg

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