Bayerischer Landtag

Bildungsausschuss: Expertenanhörung zum G8

Donnerstag, 29. März 2012
– Von Anna Schmid –

Im vergangenen Jahr haben die ersten Abiturienten in Bayern das achtjährige Gymnasium G8 verlassen. Zeit, eine Bilanz zu ziehen, fand der Bildungsausschuss im Bayerischen Landtag und lud zur Expertenanhörung in den Senatssaal. Diskutiert wurden die Konzeption des G8, die Belastung der Schüler und ein freiwilliges, zusätzliches Schuljahr – eine Idee von CSU und FDP.

Die Einführung eines zusätzlichen Jahres sieht Dr. Fritz Schäffer vom Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) kritisch. Wenn ein Arbeiter nicht nachkomme, könne man ein Fließband nicht für einen kurzen Moment anhalten, um es danach in der gleichen Geschwindigkeit weiterlaufen zu lassen, machte er an einem Beispiel klar.

Immer weniger Schüler gingen für ein Jahr ins Ausland oder nehmen an Wettbewerben teil, sagte Max Schmidt, der Erste Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbandes (bpv). Ein zusätzliches Jahr könne also vielleicht auch ein Jahr sein, das besonders gestaltet wird.

Nicht alle Schüler hätten die nötige Reife, um den Stoff im Lehrplan bewältigen zu können, so Regina Knape, stellvertretende Vorsitzende des Landesverbandes Bayerischer Schulpsychologen (LBSP). Diesen Schülern würde ein zusätzliches Jahr gut tun. Die Belastungen, unter denen viele Schüler litten, resultierten nicht aus dem G8. „Das Wesentliche für den Schulerfolg ist, dass die Schüler sich zu Hause wohlfühlen“, so die Psychologin.

Zu den Neuerungen im G8 gehören neben Intensivierungsstunden, in denen der Unterricht vertieft wird, W-Seminare, in denen Schüler wissenschaftliches Arbeiten lernen, und P-Seminare zur Studien- und Berufsvorbereitung. Sebastian Kühnel, Vertreter der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft, wertete diese Neuerungen positiv, sieht aber noch Handlungsbedarf bei der Fortbildung von Lehrern und bei Unternehmen.

Die Seminare hätten sich bewährt und der Kontakt zwischen Gymnasien und Hochschulen sei enger geworden, sagte Professor Peter J. Brenner, Akademischer Direktor an der TU München.

Die Qualität einer Schule hänge von der Schule ab, und weniger von den äußeren Gegebenheiten, betonte Albert Häusler, Schulleiter am Johann-Schöner-Gymnasium in Karlstadt am Main. In keinem anderen Bundesland hätten die Schulleiter so viele Freiheiten wie in Bayern.

„Noch ist der Königsweg nicht gefunden“, sagte Helmut Seidl, Schulleiter am städtischen Elsa-Brändstöm-Gymnasium in München. Man müsse sich entscheiden, ob man mehr Tiefe oder mehr Breite wolle. Für die Eltern sprach Susanne Arndt, die Vorsitzende der Landes-Eltern-Vereinigung (LEV). Das Ziel des Gymnasiums sei es, eine breite Allgemeinbildung zu vermitteln. Dabei gelte es zu bedenken, dass die Schülerschaft am Gymnasium in den vergangenen Jahren heterogener geworden sei.

Als Vertreter der Schüler sprach Ansgar Münichsdorfer, Bezirksschülersprecher der Gymnasien in Oberbayern-West. Die Schultage seien oft lang, Zeit für Sportverein und Musik sei erst am späten Nachmittag, erzählte er aus dem Alltag.

„Ein Abitur bekommt man nicht geschenkt“, stellte der stellvertretende Ausschussvorsitzende Georg Eisenreich (CSU) in der anschließenden Diskussion fest. Er mahnte, zwischen Belastung und Überbelastung zu trennen. Thomas Gehring (Bündnis 90/Grüne) warnte davor, Belastung mit Leistungsunlust gleichzusetzen: „Wir leisten alle vor allem dann etwas, wenn wir Leistung nicht als Belastung empfinden.“

Das freiwillige Intensivierungsjahr sei der richtige Weg, um Lernporzesse in der Mittelstufe zu entschleunigen, meinte Renate Will (FDP). Die Gesundheit der Mitarbeiter sei später auch in der Wirtschaft ein Thema, richtete der Ausschussvorsitzende Martin Güll (SPD) sich noch einmal an Wirtschaftvertreter Sebastian Kühnel. Günther Felbinger (FREIE WÄHLER) wollte von den Experten wissen, wo es Bedarf bei der Fortbildung der Lehrer gebe. Vor allem sei es wichtig, junge Leute auszubilden, die mit dem Beruf des Lehrers auch glücklich werden, so Schulleiter Seidl. „Alle wollen den Blick auf die Kinder richten. Der Schlüssel liegt in der Individualisierung des Lernens“, schloss Martin Güll die Sitzung.

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