Bayerischer Landtag

Bildungsausschuss: Kultusministerium will Schulen mehr Verantwortung übertragen

Donnerstag, 26. Januar 2012
Von der Freiwilligkeit zur Selbstverständlichkeit – nach dieser Devise hat das Kultusministerium in den beiden Modellprojekten „MODUS F“ und „Profil 21“ den Aufbau einer neuen Führungsstruktur und -kultur an ausgewählten Modellschulen in Bayern erprobt. Schulen sollen in Zukunft durch die Etablierung einer mittleren Führungsebene bzw. erweiterten Schulleitung mehr Eigenverantwortung und mehr Mitgestaltungsmöglichkeiten erhalten. Über den überwiegend positiven Verlauf der bisherigen Schulversuche informierte Ministerialrat Ralf Kaulfuß vom Kultusministerium am 24. Januar 2012 im Bildungsausschuss.

53 Volks-, Real- und Förderschulen sowie Gymnasien hatten sich von 2006 bis 2011 an dem Projekt „MODUS F“ beteiligt. 18 berufliche Schulen (Berufs-, Wirtschafts- und Berufsfachschulen, Fachakademie, Fach- und Berufsoberschulen) sammelten beim Projekt „Profil 21“ ebenfalls erste Erfahrungen mit einer mittleren Führungsebene in der Schulorganisation. Dabei konnten die einzelnen Schulen – je nach Schulart bzw. den Gegebenheiten und Erfordernissen vor Ort – individuell über den Einsatz der jeweiligen Instrumente einer modernen Führungskultur entscheiden, darunter die Bildung von jahrgangsstufenorientierten oder fach- bzw. aufgabenorientierten Teams, kollegiale Unterrichtshospitationen, Coachings, Mitarbeitergespräche und Zielvereinbarungen.

„In Einheiten mit kleinen Führungsspannen wurde eine Feedbackkultur aufgebaut und das Zusammenwirken im Kollegium verbessert“, berichtete Ralf Kaulfuß den Mitgliedern des Bildungsausschusses. Er verwies auch auf eine deutlich intensivere Kommunikation und Zusammenarbeit in den Teams, etwa indem Unterrichtskonzepte gemeinsam erarbeitet wurden: „Insgesamt ergibt sich durch das Verteilen von Verantwortung auf mehrere Schultern eine spürbar effizientere und effektivere schulische Arbeit.“

Die Resonanz der beteiligten Lehrkräfte zu „MODUS F“ und „Profil 21“ sei, so der Vertreter des Kultusministeriums, bei einer anonymen Abschlussbefragung ebenfalls überwiegend positiv ausgefallen. Zurückhaltung und Skepsis habe es zum Teil lediglich in Schularten gegeben, in denen neue Strukturen neben bereits bestehenden aufgebaut worden waren – etwa an Gymnasien und auch an Beruflichen Schulen. Das Kultusministerium arbeite nun an den Grundlagen, um eine erweitere Schulleitung gesetzlich zu verankern. „Die Erfahrungen aus den Schulversuchen MODUS F und Profil 21 sind dabei zentraler Ausgangspunkt“, unterstrich Ralf Kaulfuß. Generell sei der Aufbau einer neuen Führungsstruktur und -kultur ein Beitrag zur Qualitätssteigerung im Bildungssystem: „Es handelt sich dabei um einen langfristig angelegten Prozess, der den einzelnen Schulen die Freiheit gibt, über Art, Tempo und Schwerpunktsetzung selbst zu entscheiden.

In der anschließenden Aussprache begrüßten die Ausschussmitglieder überwiegend die Projekte zur Etablierung einer mittleren Führungsebenen an den Schulen: „Wir sind über das Ob hinaus. Jetzt geht es nur noch um das Wie“, stellte Ausschussvorsitzender Martin Güll (SPD) fest. Mit Blick auf die Umsetzung in der Fläche bat er, das Augenmerk verstärkt auf die Ressourcenfrage zu richten. Auch aus Sicht von Simone Tolle (Bündnis 90/ Die Grünen) ist die Art der Umsetzung nun entscheidend, um mehr Autonomie zu ermöglichen. Von einer positiven Qualitätsentwicklung sprach Eduard Nöth (CSU). Günther Felbinger (FREI WÄHLER) begrüßte ebenfalls den Veränderungsprozess: „Es tut sich was an den Schulen und das ist richtig so.“ Mehr Eigenverantwortung für die Schulen sei auch das Ziel der FDP, sagte Renate Will. „Das ist der richtige Weg. Das Tempo könnte aber noch erhöht werden.“/kh

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