Bayerischer Landtag

Bildungsausschuss: Mitglieder beleuchten Präventionsarbeit der bayerischen Fanprojekte

Donnerstag, 7. März 2013
– Von Jürgen Umlauft –

Gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen Fußballfans, Pöbeleien und rassistische Schmähungen auf den Tribünen sorgen bei Fußballspielen sowohl im Profibereich als auch in den Amateur- und Jugend-Ligen immer wieder für Schlagzeilen. Politik und Fußballverbände versuchen, mit Fan-Projekten und Präventivkonzepten gegenzusteuern. Auf Antrag von Bündnis 90/Die Grünen informierte das für Sportfragen zuständige Kultusministerium im Bildungsausschuss über die in Bayern eingeleiteten Maßnahmen. Einigkeit herrschte darüber, dass die erfolgreichen Projekte einer besseren Finanzausstattung bedürften. Allerdings gingen die Meinungen darüber auseinander, wer für diese sorgen soll.

Im Profi-Bereich gibt es gegenwärtig in den Bundesliga-Städten München, Nürnberg und Augsburg Fan-Projekte, deren Ziel es ist, Gewaltbereitschaft und Rassismus einzudämmen. Deren geplante Ausweitung auf Standorte des Zwei- und Dritt-Liga-Fußballs in Bayern werde von der Staatsregierung begrüßt. Weitere Fan-Projekte würden dann in Fürth, Ingolstadt, Regensburg, Burghausen und Unterhaching eingerichtet. Pro Fan-Projekt sollen jährlich 200.000 Euro eingesetzt werden, paritätisch aufgebracht von Land, Kommunen und Fußball-Verbänden. Die Staatsregierung unterstützt dabei einen Vorschlag der Innenministerkonferenz, wonach sich die Fußball-Verbände DFB und DFL mit bundesweit zusätzlich zehn Millionen Euro an der Finanzierung der Fan-Projekte beteiligen sollen.

Unterstützung dafür kommt von dem Koalitionsfraktionen. So erklärte der CSU-Abgeordnete Berthold Rüth, die DFL als Veranstalter der Spiele in der 1. und 2. Bundes-Liga habe einen Umsatz von jährlich 1,8 Milliarden Euro, da seien die von den Innenministern geforderten zusätzlich zehn Millionen Euro für die Fan-Projekte ein „Klacks“. Jörg Rohde (FDP) sprach sich für den Kompromiss aus, wonach sich der Staat mit seinen Polizeikräften um die Sicherheit im Umfeld der Stadien kümmere, während Vereine und Verbände verstärkt die Fanprojekte unterstützten.

Die Opposition forderte dagegen eine stärkere Beteiligung des Freistaats. Die derzeit gewährten insgesamt 150.000 Euro seien „nicht gerade der große Wurf“, erklärte Simone Tolle (Bündnis 90/Die Grünen). Dies werde der Bedeutung der Fan-Projekte nicht gerecht. Diana Stachowitz (SPD) warf der Staatsregierung vor, sich bei der Finanzierung der Fan-Projekte „aus der Verantwortung zu stehlen“. Wegen deren Präventionswirkung sei jeder Euro sinnvoll investiert. Zusätzliche Belastungen für die Kommunen müssten nach Ansicht von Günther Felbinger (FREIE WÄHLER) vermieden werden. Diese seien über die Jugendarbeit ohnehin schon stark in der Gewaltprävention engagiert.

Allgemein begrüßt wurden die Maßnahmen zur Gewaltprävention im Amateurfußball. Hier leiste der Bayerische Fußball-Verband (BFV) mit vorwiegend eigenen Mitteln vorbildliche Arbeit. Zwar gebe es auch hier immer wieder Vorfälle, schwerwiegende seien aber die absolute Ausnahme, hieß es aus dem Kultusministerium. Nach einer Auflistung von 375.000 Verbandsspielen zwischen 2010 und 2012 hat es in nur gut 1250 Fällen dokumentierte Ausschreitungen gegen Spieler oder Schiedsrichter gegeben. In 170 Fällen habe die Partie deswegen abgebrochen werden müssen. Zur Prävention seien 22 BFV-Konfliktmanager im Einsatz, es gebe eine ständige Aktualisierung der Sicherheitsrichtlinien und für Spiele im Kinder- und Jugendbereich einen Handlungsleitfaden für die Elternarbeit von Vereinen, da Konflikte dort oft von übermotivierten Eltern am Spielfeldrand ausgingen.

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