Bayerischer Landtag

Bildungsausschuss: Mitglieder bewerten Modellversuch „Flexible Grundschule“ positiv

Donnerstag, 16. Februar 2012
Seit Beginn des Schuljahrs 2010/2011 läuft der Modellversuch „Flexible Grundschule“ an 20 bayerischen Schulen. In einem nächsten Schritt soll der Versuch, der auf ein bedarfsgerechteres Lernen in den ersten beiden Grundschulklassen zielt, im kommenden Schuljahr auf insgesamt 80 Schulen ausgeweitet werden. Über den aktuellen Stand des Modellversuchs berichtete am 16. Februar 2012 die Projektleiterin beim Staatsministerium für Unterricht und Kultus Maria Wilhelm im Ausschuss für Bildung, Jugend und Sport.

Der Modellversuch „Flexible Grundschule“ ist ein Gemeinschaftsprojekt des Staatsministeriums für Unterricht und Kultus und der Stiftung Bildungspaket Bayern. Er beinhaltet unter anderem jahrgangsgemischte Klassen mit jeweils maximal 25 Kindern für die ersten beiden Jahrgangsstufen, die Erhebung der individuellen Lernausgangslage der Kinder und die Anknüpfung daran im Unterricht, individualisierende Lernangebote, neue Formen der Leistungserhebung und im Einzelfall die mögliche Verkürzung oder Verlängerung dieser Phase um jeweils ein Jahr. Man sei zurzeit etwa bei der Halbzeit der Erprobungsphase, erklärte Projektleiterin Maria Wilhelm. Um die Einführung des Modells ins Regelschulsystem bestmöglich vorzubereiten, sei jedoch noch eine tragfähige, wissenschaftlich begleitete Auswertung der Erkenntnisse notwendig, und nicht zuletzt müssten im Haushalt die notwendigen Voraussetzungen geschaffen werden. Grundsätzlich sei das Konzept heterogener Lerngruppen übertragbar, das im Rahmen des Modellversuchs entwickelte Methodenkurrikulum könne auch in den höheren Grundschulklassen eingesetzt werden, erklärte sie auf eine konkrete Frage des Berichtsantrags. Ein Ganztagsangebot sei für eine flexible Grundschule nicht notwendig, im Modellversuch realisierten das nur zwei von insgesamt 57 Klassen. Das Thema Inklusion sei nicht erst seit der neuen Gesetzeslage auf der Agenda, man würde bereits in den ersten 20 Modellschulen alle sieben Förderbereiche bedienen und habe fünf Kooperationsklassen. Auch in der Lehrerausbildung seien heterogene Lerngruppen bereits jetzt Inhalt. Für ein weitergehendes Konzept, das im Laufe des Schuljahrs 2012/2013 fertiggestellt werden solle, benötige man jedoch noch weitere konkrete Erkenntnisse.

Über den Wert des Modells „Flexible Grundschule“ waren sich die Fraktionen grundsätzlich einig; Einigkeit herrschte mehr oder weniger auch über noch offene Fragen: Wie lange man den Versuch noch ausweiten wolle, fragte beispielsweise Thomas Gehring (Bündnis 90/Die Grünen), wie schnell eine Umsetzung geplant sei, und wie die grundsätzlich zu begrüßenden individuellen Leistungserhebungen im Hinblick auf den Übertritt in die Sekundarstufe aussehen könnten. Karin Pranghofer (SPD) wies darauf hin, dass das Modell in anderen Bundesländern bereits erprobt sei, betonte das Interesse ihrer Fraktion an einer raschen Umsetzung und fragte nach einem Anhaltspunkt bezüglich der entstehenden Kosten. Ihr Fraktionskollege Martin Güll verwies darauf, dass man mit jahrgangskombinierten Klassen und heterogenen Lerngruppen aufgrund entsprechender Notwendigkeiten in sehr kleinen Schulen ja bereits viel Erfahrung hätte und warnte vor Missverständnissen in der Außenwahrnehmung.

„Die flexible Grundschule ist eine wichtige Möglichkeit, jedem Kind bei seinem Lerntempo gerecht zu werden“, unterstrich Renate Will (FDP) und fragte, wie es dann in den Klassen drei, vier und fünf weitergehen solle. Die wissenschaftliche Begleitung des Versuch befürwortete sie ausdrücklich: Erkenntnis sei immer ein Mehrwert. Günther Felbinger (FREIE WÄHLER) begrüßte zwar die Ausweitung des Versuchs, forderte aber auch eine schnelle Umsetzung. Kerstin Schreyer-Stäblein (CSU) bat um Informationen zu den Rückmeldungen der Schulen und schlug eine Einführung der flexiblen Grundschule auf freiwilliger Basis vor. Der stellvertretende Ausschussvorsitzende Georg Eisenreich verwies noch einmal auf die Akzeptanz der neuen Form bei Eltern wie auch Schulen als Grundvoraussetzung für ihren Erfolg: Die Erfahrungen außerhalb Bayerns hätten gezeigt, dass es dann gut funktioniert habe, wenn genug Zeit zur Verfügung stand – deshalb befürwortete er eine schrittweise Einführung./esp

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