Bayerischer Landtag

Neues Bildungspaket bringt zusätzliche Planstellen und die Rückkehr zum G9

Bericht von Staatsminister Dr. Ludwig Spaenle im Bildungsausschuss | © Bildarchiv Bayerischer Landtag

Donnerstag, 27. April 2017
– Von Ina Friedl –

Für Bayern ist ein neues Bildungspaket geschnürt worden. In diesem gibt es Neuerungen und Verbesserungen für alle Schularten. Damit soll das bewährte und leistungsstarke bayerische Bildungswesen für die Zukunft gestärkt werden, so das Ansinnen des Bayerischen Kultusministeriums. Der Ministerrat hat das neue Bildungspaket erst diese Woche beschlossen. Heute ist Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle zu Gast im Bildungsausschuss des Landtags, um über die Neuerungen zu berichten. Dabei natürlich von besonders großem Interesse: Wie wird das neue neunjährige Gymnasium aussehen?  

Wer dieses Jahr im September in ein Gymnasium eingeschult wird, wird dort wieder neun anstatt acht Jahre verbringen. So sieht es das Bildungspaket des Bayerischen Kultusministeriums vor, und so hat es der Ministerrat beschlossen. Noch vor der Sommerpause dieses Jahres soll der Gesetzentwurf dem Landtag zugeleitet werden. Die Annahme des Entwurfes gilt als sicher.

Die Oppositionsparteien fordern schon lange eine Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium, dem so genannten G9. Sie begrüßen demnach den nun angestoßenen Prozess. „Die Leitentscheidung ist gefallen, jetzt interessiert uns die Ausgestaltung“, sagt der Ausschussvorsitzende Martin Güll (SPD). Das neue neunjährige Gymnasium dürfe dabei aber keine Neuauflage des alten G9 oder eine Verlängerung des G8 werden, fordert er.

Der Staatsminister stellte das neue Konzept für das Gymnasium vor. Rechts: Ausschussvorsitzender Martin Güll, links: Ausschuss-Vize Prof. Dr. Gerhard Waschler | © Bildarchiv Bayerischer Landtag

Das sei auch so nicht vorgesehen, versichert Staatsminister Spaenle. Man habe für das Gymnasium ein ganz neues Konzept entwickelt mit einer grundständig neunjährigen Lernzeit und der institutionell verankerten Möglichkeit, um ein Jahr verkürzen zu können. Wer diese „Überholspur“ nutzen möchte, überspringt die 11. Klasse, muss aber dafür in Jahrgangsstufe 9 und 10 nachmittags Zusatzmodule in den Kernfächern Deutsch, Mathematik und der Fremdsprache belegen. Alle anderen Schüler kommen in den Genuss einer „neuen“ 11. Klasse: Hier sollen Lehrinhalte wie politische Bildung und die Digitalisierung ihren Platz finden, vorwissenschaftliche Kenntnisse erlangt werden und das P-Seminar durchgeführt werden. Eine sehr interessante Möglichkeit bestünde nach Spaenle auch darin, während der 11. Klasse einen Auslandsschulaufenthalt zu machen.

Martin Güll fordert noch eine genauere Überarbeitung des Gymnasialkonzepts. Es könne beispielsweise nicht sein, dass ein Überholungs-Schüler in Folge seines Überspringens der 11. Klasse nie politische Bildung erfahre. Ebenso kritisiert er, dass das neue Gymnasium neuartige pädagogische Konzepte, wie selbstständige und offene Lernformen, zu wenig einbeziehe.

Auch von ihm könne das neue Gymnasium kein Lob erwarten, sagt Prof. Dr. Michael Piazolo (FREIE WÄHLER). Einige Inhalte könne er durchaus befürworten – die verstärkte Aufnahme der politischen Bildung in den Lehrplan beispielsweise fordere seine Fraktion schon lange. Die Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium habe aber viel zu lange gedauert. Nun hoffe er, dass wenigstens der Übergang zwischen G8 zu G9 gut abgefedert werde. Ähnlich äußert sich auch sein Ausschusskollege Thomas Gehring (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Das neue Konzept berge durchaus Positives. Auch er nennt die Verstärkung der politischen Bildung. Den Weg dahin bezeichnet er aber als politisches Gewürge der CSU-Fraktion und warnt: „Mit der Rückkehr zum G9 ist das Thema Gymnasium nicht vom Tisch. Jetzt stehen die wichtigen Entscheidungen erst an.“ Wenn es nach Gehring geht, dann müssten diese Entscheidungen sich vor allem auf die Neustrukturierung der Oberstufe beziehen. Hier müsste mehr berufliche Orientierung möglich sein und die Schüler müssten bei der Fächerwahl Schwerpunkte setzen können.

Weiterentwicklung für alle Schularten

Den Kostenmehrdarf für die Umstellung von G8 auf G9 bilanziert Ludwig Spaenle mit geschätzten 1.000 Planstellen. Damit erhalten die bayerischen Gymnasien zwar mit Abstand die meisten, aber bei weitem nicht die einzigen zusätzlichen Planstellen: Das Bildungspaket sieht eine Weiterentwicklung für alle Schularten vor und zwar ausdrücklich unter der Prämisse, dass neue Ressourcen bereitgestellt würden, sagt Spaenle. Martin Güll und Thomas Gehring haben ihre Zweifel an der Intention. Gehring fragt: „Hat etwa jede Schulart etwas abbekommen müssen, da so viel Aufwand für das Gymnasium betrieben wird?“ Die 50 neuen Stellen für die Kompensation von Unterrichtsausfall an beruflichen Schulen und die 150 Stellen für die Schulleitungsaufgaben seien zwar gut, aber viel zu wenig. Güll möchte wissen, ob hinter den neuen Planstellen bereits Konzepte stehen, oder ob diese nur den „Schulfrieden“ herstellen sollen.

Prof. Dr. Gerhard Waschler (CSU) versichert, dass jede einzelne Entscheidung des Bildungspaketes in einem Dialog mit Verbänden und Experten getroffen wurde. Der Dialog sei sehr umfassend gewesen und in die Tiefe geführt worden. Besonders die berufliche Bildung sein nun herausragend berücksichtigt. Da diese ein Qualitätsmerkmal für das bayerische Bildungswesen sei, sei hier auch jede Investition gut angelegt.

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