Bayerischer Landtag

Bildungsausschuss: Staatsminister Spaenle stellt neues G9 vor

Donnerstag, 26. Oktober 2017
– Von Jürgen Umlauft –

Der Gesetzentwurf der Staatsregierung zur Wiedereinführung des neunjährigen Gymnasiums (G9) in Bayern hat den Bildungsausschuss ohne Gegenstimme passiert. Er sieht den Start des G9 zum kommenden Schuljahr für die Jahrgangsstufen 5 und 6 vor. Damit wird das G8 15 Jahre nach seiner Einführung wieder abgeschafft. Staatsregierung und CSU-Fraktion hatten sich dazu im Frühjahr nach jahrelangen Protesten von Lehrer-, Eltern- und Schülerverbänden sowie der Opposition im Rahmen eines Bildungspakets entschieden. „Ich bin froh, dass der eingeschlagene Weg nun im Grundkonsens gemeinsam gegangen wird“, sagte Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) im Ausschuss. Die Opposition forderte weitere inhaltliche Änderungen an Spaenles Konzept.

Der Minister hatte vor der Abstimmung erklärt, mit den Plänen für das G9 entwickle der Freistaat das bayerische Gymnasium „konsequent auf der Höhe der Zeit weiter“. Es werde deshalb keine rein organisatorische Umstrukturierung geben, sondern auch Neuerungen in der gymnasialen Pädagogik. Er nannte die „individuelle Lernzeitverkürzung“, die entsprechend geeignete Schüler auf einer „Überholspur“ das Abitur bereits nach acht Jahren erreichen lässt, sowie neue Schwerpunkte in der digitalen und politischen Bildung. Außerdem sollen berufsorientierende Elemente gestärkt und schon ab der Mittelstufe verfügbar sein.

Über die Jahrgangsstufen verteilt erhalten die Schüler nach der von Spaenle mit den Vertretern der gymnasialen Schulfamilie erarbeiteten Stundentafel im Vergleich zum bisherigen G8 19,5 Pflichtsstunden mehr Unterricht, die der Stärkung einzelner Fächer, der Vertiefung von Inhalten und dem Einsatz neuer Unterrichtsformen dienen sollen. Dafür stelle der Freistaat einen „pädagogischen Werkzeugkasten“ und 1000 zusätzliche Lehrerstellen zur Verfügung, sagte Spaenle. „Ziel ist es, das hohe Qualitätsniveau des bayerischen Gymnasiums zu sichern und die Absolventen in der Berufsorientierung und Studierfähigkeit zu stärken.“

Die Opposition begrüßte die Entscheidung der Staatsregierung, nach jahrelanger Blockade zum G9 zurückzukehren. Die SPD forderte aber eine grundlegende pädagogische Neuausrichtung des Gymnasiums. Über die von Spaenle bereits gemachten Zusagen hinaus plädierte SPD-Bildungssprecher Martin Güll für die fächerübergreifende Vernetzung von Lerninhalten und mehr selbstgesteuertes Lernen der Schüler. Dies sei aufgrund neuer Erkenntnisse der Pädagogik- und Hirnforschung erforderlich. Lehrpläne und Gestaltung des Schulalltags müssten darauf abgestimmt werden. In der vom Kultusministerium vorgelegten Stundentafel für das G9 sah Güll zudem die Fächer Biologie, Chemie und Geographie nicht ausreichend verankert.

Auch Thomas Gehring (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) sprach sich für inhaltliche Änderungen am G9-Konzept aus. Es brauche vor allem mehr fächerübergreifendes Lernen und Projektarbeit. „Wir müssen aus dem alten Kästchendenken herauskommen“, verlangte Gehring. Zudem brauche es Modelle für ein pädagogisch ausgerichtetes Ganztagesgymnasium und die Rückkehr zum Kurssystem in der Oberstufe, das den Schülern eine individuelle Schwerpunktsetzung ermögliche. Das forderten auch die FREIEN WÄHLER, die die Wiedereinführung der Leistungskurse in der Oberstufe ins Gespräch brachten. Zudem müssten die mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächer deutlich gestärkt werden, betonte der FW-Abgeordnete Leopold Herz. Insgesamt sei die Rückkehr zum G9 die Chance, wieder "Ruhe und Kontinuität" an die Gymnasien zu bringen. Nach Einschätzung von Gerhard Waschler (CSU) schreibe man mit dem neu konzipierten G9 „Gymnasialgeschichte“. Man sei damit „in jeder Hinsicht auf der Höhe der Zeit“. Für die weitere Ausgestaltung bot Spaenle den Landtagsfraktionen eine enge Einbeziehung und regelmäßige Gesprächsrunden an.


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