Bayerischer Landtag

Bildungsausschuss: Staatsregierung stellt Ergebnisse der diesjährigen Abiturprüfung vor

Donnerstag, 5. Juli 2012
– Von Eva Spessa –

Walter Gremm, Leiter der Gymnasialabteilung im Kultusministerium, stellte am 5. Juli den Mitgliedern des Bildungsausschusses die endgültigen Ergebnisse der diesjährigen Abiturprüfung in Bayern vor. Im Vergleich zum vergangenen Jahr haben sich die Zahlen leicht verschlechtert: In diesem Jahr haben 3,7 Prozent der Prüflinge nicht bestanden, im vergangenen Jahr waren es 2,8 Prozent.

Der landesweite Notendurchschnitt ist von 2,27 auf 2,33 gesunken und auch der insgesamt hohe Anteil an sehr guten und guten Abiturnoten (1,0 bis 2,0) ist von 35,6 Prozent im vergangenen Jahr auf 31,5 Prozent gesunken. Rund 16,5 Prozent aller Abiturientinnen und Abiturienten haben eine mündliche Zusatzprüfung abgelegt, knapp die Hälfte davon freiwillig zur Verbesserung der Abiturnote. Im Vergleich zu den Ergebnissen beim neunjährigen Gymnasium habe sich die Durchschnittsnote verbessert, erklärte Gremm. Die besondere Stärke des ersten G8-Jahrgangs im vergangenen Jahr begründete er damit, dass es aufgrund der Schnittstelle von G9 zu G8 keine Jahrgangswiederholungen weniger leistungsstarker Schüler gab. Trotz des höheren Anteils nicht bestandener Abiturprüfungen im Vergleich zum G9, die sich aus veränderten Prüfungsanforderungen erklärten, zeige sich der Erfolg des achtjährigen Gymnasiums unter anderem in den deutlich niedrigeren Quoten bei Pflichtwiederholern und Abgängern.

Gut, aber nicht gut genug
Den mit rund einem Drittel hohen Anteil an Abiturienten mit guten und sehr guten Noten wertete der Ausschuss fraktionsübergreifend als positiv. Dass jedoch trotz schülerfreundlicher Regularien rund 1400 Schüler und Schülerinnen durchgefallen seien und rund 6000 bis 7000 die Nachprüfung absolvieren mussten, damit könne man nicht zufrieden sein, so der Ausschussvorsitzende Martin Güll (SPD). Das G8 sei offenbar erfolgreich, aber man müsse nachjustieren, forderte Renate Will (FDP) und schlug ein Früherkennungssystem in der Mittelstufe vor. Das G8 laufe noch nicht rund, betonte Thomas Gehring (Bündnis 90/Die Grünen) und wies auf die äußerst unterschiedlichen Durchfallquoten an den einzelnen Schulen hin. Angesichts einer um ein Drittel höheren Durchfallquote als im Vorjahr, obwohl bereits nachjustiert wurde, sah Günther Felbinger (FREIE WÄHLER) Nachsteuerungsbedarf: Man müsse bei der Mittelstufe ansetzen und unter anderem die Lehrpläne besser abstimmen. Das Ergebnis bewege sich im erwarteten Bereich, erklärte der stellvertretende Ausschussvorsitzende Georg Eisenreich (CSU), nun müsse man genau hinsehen, wo es noch Verbesserungsmöglichkeiten gibt.

Vorschläge für bayerische Gymnasien
Im Anschluss an die Aussprache diskutierte der Ausschuss ein Paket von sechs Anträgen, das die SPD-Fraktion unter der Überschrift „Das bayerische Gymnasium stärken – Verbesserungen für Schülerinnen und Schüler erreichen“ eingereicht hatte. Gefordert wurde darin eine Neuverteilung der Gesamtstundenzahl, passgenaue pädagogische Konzepte in allen Gymnasien, eine flexible Oberstufe, mindestens ein Ganztagszug an jedem Gymnasium, der Ausbau der Schulsozialarbeit am Gymnasium und die Einführung einer integrierten Lehrerreserve.

Die Anträge unterstrichen den generellen Handlungsbedarf und wiesen in die richtige Richtung, erklärte Thomas Gehring (Bündnis 90/Die Grünen). Er befürwortete klar Ganztagsschulen und ein Budget für Schulsozialarbeit, aber in einigen Punkten auch eine größere Gestaltungsfreiheit der Schulen. Eva Gottstein (FREIE WÄHLER) unterstützte die Anträge zu den Ganztagsschulen, der Schulsozialarbeit und der integrierten Lehrerreserve, lehnte die übrigen jedoch ab: Eine Änderung der Stundenzahl würde zuviel Unruhe verursachen und passgenaue Konzepte sollten von der Schulfamilie gestaltet und nicht bürokratisch verordnet werden. Die geforderte Neuverteilung der Stunden widerspräche den Vorgaben der Kultusministerkonferenz, und rund 80 Prozent der Schulen hätten bereits Ganztagsangebote, so Berthold Rüth (CSU). Darüber hinaus sei bereits ein Teil der Schulbudgets für Sozialarbeit vorgesehen, eine integrierte anders als die mobile Lehrerreserve nicht leistbar und bei den pädagogischen Konzepten sei die Eigenverantwortung der Schulen gefragt. Die Eigenverantwortung der Schulen stellte auch Julika Sandt (FDP) in den Vordergrund: Die Ansätze der Anträge seien teilweise durchaus sinnvoll, aber nicht als Dekrete von oben. Die Schulen sollten Freiheiten haben, um sich weiterentwickeln zu können.

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