Bayerischer Landtag

Energiekommission: Bericht der Staatsregierung zur Energiewende

Donnerstag, 10. Mai 2012
„Gut unterwegs“, sei man nach einem Jahr Energiewende in Bayern sagte Umweltminister Marcel Huber (CSU) vor der Energiekommission im Bayerischen Landtag. Gemessen an den Vorgaben habe man mehr erreicht, als ursprünglich gedacht. Allerdings gäbe es in vielen Bereichen noch große Kapazitäten, die auszuschöpfen seien. Etwa bei weiter gehenden Stromsparmaßnahmen, der intensiveren Nutzung erneuerbarer Energien und vor allem dem Ausbau des Stromnetzes sowie effizienterer Speichermöglichkeiten. Erfreulich sei die Entwicklung bei der Windkraft, die mittlerweile bereits ein Prozent des Strombedarfs in Bayern deckt. Innerhalb der nächsten Dekade sollen es zehn Prozent werden. Vorreiter beim Zuwachs an erneuerbaren Energien bleibt der Solarsektor. „Gigantisch“ seien dort die eingespeisten Strommengen, berichtete Huber. 1,7 Gigawatt würden alleine in Bayern durch Sonnenenergie erzeugt. Deswegen erscheine das Ziel, den Anteil der Sonnenenergie auf 16 Prozent zu erhöhen „durchaus machbar“.
Schwieriger sei es bei der Wasserenergie, die den Vorteil habe witterungsunabhängig Strom zu produzieren, aber ökologisch umstritten ist. Deswegen sollen ökologisch wertvolle Gewässer mit schützenswertem Fischbestand vom Bau neuer Wasserkraftwerke ausgenommen werden. Bei bereits bestehenden Kraftwerken sollen die Möglichkeiten geprüft werden, neue Turbinen nachzurüsten, die Fische nicht gefährden. Das Ziel sei, 15 Prozent des bayerischen Energiebedarfs durch Wasserkraft zu decken.
Großes Potential sieht Huber bei der Biomasse, aber auch ein Problem. Biogas eigne sich hervorragend, um bei Spitzenbelastungen gezielt Strom zu liefern, die Betreiber von Biogasanlagen hingegen möchten ständig einspeisen. Dies führe zu einem Überangebot, dass die derzeitigen Strom-Netze kaum bewältigen können. Der Ausbau des Stromnetzes sei ohnehin ein Thema, dem man sich verstärkt widmen müsse. Ludwig Wörner (SPD) regte an, sich besser mit den südlichen Nachbarn Österreich, Schweiz und Italien zu vernetzen, um dort überschüssige Stromkapazitäten abzurufen. „Das liegt nahe und ist einfacher zu bewerkstelligen als den Strom aus Norddeutschland zu bezehen“, sagte Wörner. Ludwig Hartmann (Bündnis 90 / Die Grünen) schlug vor, Biogasanlagen-Betreibern finanzielle Anreize für die punktuelle Einspeisung zu bieten. „Das muss sich für die Betreiber ja auch rechnen“, erklärte Hartmann. Staatsminister Huber versicherte beide Vorschläge in seine Überlegungen einzubeziehen und bedankte sich für die sachbezogene Arbeit der Energiekommission. „Ich finde es sehr gut, dass wir hier frei von Ideologie wichtige Dinge besprechen“, erklärte Huber. / zg

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