Bayerischer Landtag

Europaausschuss: Bericht über Potenziale der Kultur- und Kreativwirtschaft in Bayern

Mittwoch, 10. April 2013
- Von Zoran Gojic -

Kunst und Kultur ist politisch gewollt, gesellschaftlich wichtig und das Merkmal von Zivilisation generell – aber zahlen will die Künstler, ohne die es keine Kultur gibt, keiner so recht. Dabei setzte die Kreativwirtschaft 2009 alleine in Bayern 23, 6 Milliarden Euro um und beschäftigte 179 000 Menschen. Das jedenfalls war das Resultat des Berichts den die Staatsregierung auf Anregung des Bundes- und Europaausschusses am 9. April 2013 im Ausschuss vorstellte und der das auf europäischer Ebene behandelte Thema „Kultur- und Kreativwirtschaft als Motor für Wachstum und Beschäftigung in der EU“ auf die Landesebene herunter brechen sollte. Dr. Christoph Stoeckle vom Wirtschaftsministerium zog in seiner Vorstellung des Berichts ein insgesamt positives Fazit: Die Kultur- und Kreativwirtschaft sei ein wichtiger wirtschaftlicher Standortfaktor mit großen Zukunftspotenzial gerade für den Arbeitsmarkt. Auffällig sei die regionale Orientierung dieser Branche, die sie auch in Krisenzeiten stabil wachsen lasse – 97 Prozent der erfassten Kreativunternehmen sind Klein- und Kleinstunternehmen.

"Künstler brauchen Aufträge, keine Almosen"

Die von der Ausschussvorsitzenden Prof. Ursula Männle ebenfalls zu der Sitzung eingeladenen Experten relativierten den Bericht in Ihren Stellungnahmen allerdings ein wenig. Grundsätzlich sei es zu begrüßen, dass Kreativwirtschaft als wichtig und förderungswürdig eingestuft werde, sagte etwa Sabine Gollner, Vorsitzende des Vereins Künstlerkolonie Fichtelgebirge e.V. Zu bedenken sei jedoch, dass viele Künstler und Kreative in dieser Studie gar nicht erfasst worden seien, weil sie so wenig verdienen, dass sie weder Umsatz- noch Einkommenssteuer zahlen. „Es gibt eine hohe Dunkelziffer bei der Zahl der Beschäftigten im Kreativsektor – das wird in diesem Bericht nicht erwähnt“, erklärte Gollner. Das Vorhaben der Staatsregierung Netzwerke für die Kreativwirtschaft zu bilden, nannte Gollner gut gemeint, aber sinnlos. „Die Netzwerke müssen die Menschen selbst bilden, der Staat muss in anderen Bereichen helfen“, merkte Gollner kritisch an. Sie regte an, Kunst und Kreativität in verschiedenste Bereiche, etwa Erziehung oder Architektur einzubeziehen. Dies sei eine Hilfe. Denn, so Gollner: „Künstler brauchen Aufträge, keine Almosen“.

Kreativwirtschaft ist regional verankert


Bernd Schweinar, Künstlerisch-fachlicher Leiter der Musikakademie Schloss Alteglofsheim, schloss sich dieser Meinung an und verwies darauf, dass die Leistung künstlerischer Projekte oft unterschätzt werde. In einem Jugendprojekt für Jugendliche, die Schule oder Ausbildung abgebrochen hatten, konnten durch Vermittlung von künstlerischen Praktika und intensiven gemeinsamen kreativen Projekten 87 Prozent wieder in den Arbeitsmarkt integriert werden. „Kunst ist ein wichtiger gesellschaftlicher Faktor, aber niemand gibt uns dafür Geld“, betonte Schweinar. Auf EU-Fördermittel müsse man mitunter Jahre warten, die Bürokratie sei zudem kaum zu bewältigen. Um kreative Projekte anzuschieben, müsse man jedoch in finanzielle Vorleistung gehen – oft zum Preis der Selbstausbeutung und Verschuldung. „Wir dürfen doch engagierte junge Menschen nicht ins Verderben schicken“, warnte Schweinar. Die Kultur- und Kreativwirtschaft setzt sich aus 11 Teilbranchen zusammen, beschrieb Jürgen Enninger vom Regionalbüro Bayern des Kompetenzzentrum Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes die Branche. Dabei gehe es bei der Arbeit des Regionalbüros um privatwirtschaftliche Aktivitäten in der Kultur- und Kreativwirtschaft. An 10 Sprechtagorten in Bayern können Kultur- und Kreativunternehmer sich wirtschaftlich beraten lassen. Dieses Angebot wird sehr stark nachgefragt. „Nach einer Auftaktveranstaltung in Bamberg war der Sprechtag vor Ort ein Jahr lang ausgebucht“, beschrieb Enninger die hohe Nachfrage nach seinen kostenlosen Orientierungsberatungen. Einig waren sich sowohl Experten als auch Ausschussmitglieder, dass gerade die Kreativwirtschaft für die Förderung des ländlichen Raumes unerlässlich sei. In allen Gegenden Bayerns gebe es engagierte und kreative Menschen, die ihre Regionen mit Leben erfüllen. Dies gelte es anzuerkennen und gezielt zu unterstützen.

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