Bayerischer Landtag

Gesundheitsausschuss: Experten von JuvenTUM plädieren für mehr Sport an Schulen

Dienstag, 24. März 2015
– Von Jan Dermietzel –

„Bewegung tut Menschen aller Altersstufen gut. Dieses Thema sollte uns mehr bewegen als es das tut, und auch wir sollten uns wohl alle mehr bewegen.“ Diesen einführenden Worten der Ausschussvorsitzenden Kathrin Sonnenholzner (SPD) stimmte Professor Martin Halle ausdrücklich zu.  Der Lehrstuhlinhaber für Präventive und Rehabilitative Sportmedizin an der Technischen Universität München hat jetzt im Ausschuss für Gesundheit und Pflege das Präventionsprojekt „JuvenTUM“ vorgestellt.

Was man für die Gesundheit eines Menschen durch Vorbeugung alles erreichen könne, sei „ein Riesenthema“, so Halle, das noch lange nicht erschöpfend erforscht ist. Die TU München entwickle derzeit ein Konzept für Präventionsforschung mit einem Schwerpunkt auf individualisierte Prävention. Halle verwies auf die wachsenden technischen Möglichkeiten, etwa mit Hilfe einer Kontaktlinse den Blutzucker in der Augenflüssigkeit zu messen. „Wir wollen in München bei der Prävention international führend werden – nicht nur nicht der Theorie, sondern auch in der Umsetzung.“

Halles Mitarbeiterin Dr. Monika Siegrist erläuterte den Abgeordneten, dass sich immer weniger bayerische Schüler ausreichend körperlich bewegen. „Als ich Kind war, haben wir nachmittags draußen gespielt. Und das lag auch daran, dass es drinnen in der Wohnung nichts zu versäumen gab“, sagte Siegrist. Doch das hat sich geändert. In den 90er Jahren hat sich zunächst durch das Privatfernsehen das mediale Angebot im Wohnzimmer vervielfacht. Mittlerweile hat fast jedes Kind ein Smartphone und ist so gut wie permanent online.

Die Zahl übergewichtiger und stark übergewichtiger Kinder hat in den vergangenen 20 Jahren um 50 Prozent zugenommen. Dass sich all dies negativ auf die Gesundheit, die Leistungsfähigkeit und auch die Berufsaussichten auswirken kann, ist bekannt. Doch gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, orthopädische Probleme und Hormonstörungen gibt es ein einfaches, vorbeugendes Gegenmittel: „Körperliche Bewegung trägt nicht nur zur körperlichen Gesundheit bei“, so Siegrist, „sondern verbessert auch die Konzentrationsfähigkeit des Gehirns“.

Bislang lief das Projekt an 15 Schulen

Das Präventionsprojekt JuvenTUM informiert an Schulen über Bewegung, Essverhalten und allgemeines Wohlbefinden im Rahmen sogenannter „Lifestyle-Stunden“. Zielgruppe sind Kinder, Eltern und Lehrer. JuvenTUM-Schüler sind nachweislich fitter, leichter und haben bessere Blutwerte. Bislang lief das Projekt an 15 Schulen in und rund um München. Derzeit beteiligen sich zwei Schulen in Dingolfing an JuvenTUM.

Das sei noch zu wenig, befand Klaus Holetschek (CSU): „Es zeigt sich, dass JuvenTUM erfolgreich ist. Wir brauchen mehr davon.“ Holetschek forderte, das Projekt künftig an mehr Schulen in Bayern anzubieten. Doris Rauscher (SPD) erklärte, die Schule präge über eine lange Zeit die Lebenswelt von Kindern. Es sei auch aus volkswirtschaftlichen Gründen sinnvoll, an der Schule den Grundstein für ein gesundes Leben zu legen und für mehr Bewegung zu werben. Reformiert werden müsse allerdings auch der Schulsport, den gerade unsportliche Kinder immer noch zu häufig mit negativen Erfahrungen verknüpfen. „Je früher man mit der Prävention gegen Übergewicht beginnt, desto besser“, sagte Prof. Peter Bauer (FREIE WÄHLER). Auch für Kerstin Celina (Bündnis 90/Die Grünen) muss die Politik früher anfangen, bei unsportlichen Kindern gegenzusteuern: „Sie leiden nicht nur als Kinder, sondern erst recht als Erwachsene.“ Um Jugendliche zur Bewegung zu motivieren, benötige man mehr Vorbilder aus dem Spitzensport: „Im Norden Bayerns haben wir zum Beispiel immer noch kein Sportgymnasium.“ Dr. Thomas Goppel (CSU) forderte Halle und Siegrist auf, ihre im Rahmen von JuvenTUM erarbeitenen Vorschläge schnellstmöglich in ein Gesamtkonzept für die neue Ganztagsschule einzubringen. Dabei dürften allerdings neben dem Sport auch Musik und Kunst nicht zu kurz kommen.

Professor Halle entgegnete, JuvenTUM ziele weniger auf zusätzliche Unterrichtseinheiten, sondern auf eine neue Kultur an den Schulen und in der Freizeit, die Bewegung als eine Chance auf Wohlbefinden begreife. Als Mediziner räumte er ein, dass auch viele Ärzte hier Nachholbedarf hätten und häufiger Bewegung anstelle von Medikamenten verschreiben sollten. JuvenTUM könne an allen Schularten ein erster guter Schritt in die richtige Richtung sein. „Und das Projekt ist auch gar nicht teuer“, gab Halle den Abgeordneten mit auf den Weg.
   

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