Bayerischer Landtag

Gesundheitsausschuss: Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) stellt gesundheitsbezogene Themen aus dem Jahresbericht 2018 vor

Dienstag, 9.Juli 2019
– Von Miriam Zerbel –

Gesundheitsförderung, die Bekämpfung von Resistenzen und Prävention waren einige der Themen, die das zuständige Landesamt im vergangenen Jahr beschäftigten. Die Spanne erstreckte sich von neuen Aufgaben wie der Organisation des Bayerischen Krebsregisters bis hin zu einzelnen Projekten wie dem Elektronischen Polleninformationsnetzwerk ePIN.

Antibiotikaresistenzen und Impfschutz, Gesundheitsregionen, Krebsregister und Infektionsschutz: Die Themen, mit denen sich das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, LGL, beschäftigt, sind vielfältig und zahlreich. Wegen dieser Themenfülle wurde die Vorstellung des diesjährigen, 240 Seiten starken Berichts in die Bereiche Gesundheit und Verbraucherschutz aufgeteilt. Vor knapp drei Wochen ging es im Ausschuss für Umwelt und Verbraucherschutz um Themen wie Lebensmittelsicherheit, in der heutigen Sitzung des Ausschusses für Gesundheit und Pflege standen gesundheitsbezogene Themen im Vordergrund.

„Gesundheit hängt von verschiedenen Faktoren ab“


Dabei liegt dem Präsidenten des LGL der interdisziplinäre One-Health-Gedanke am Herzen. „Ich hänge sehr an dieser Themenvielfalt“, sagte Dr. Andreas Zapf. „Die Gesundheit hängt von verschiedensten Faktoren ab. Erkenntnisse aus Human- und Veterinärmedizin sowie aus dem Umweltbereich gehören zusammen.“ Das zeigt sich laut dem LGL-Bericht 2018 mit Blick auf Antibiotikaresistenzen genauso wie beim integrativen Gesundheitsschutz am Beispiel der Perfluoroctansäure PFOA im Landkreis Altötting.

Rund 313.000 humanmedizinische Proben hat das Bayerische Landesamt im vergangenen Jahr untersucht. Schwerpunkte des LGL im Gesundheitsbereich waren der Start der Bayerischen Antibiotikaresistenz-Datenbank, BARDa, die Gesundheitsförderung bei Senioren und Kindern, Präventionsarbeit sowie die Gesundheitsberichterstattung.

Um einen Überblick über die gesundheitliche Situation im Freistaat zu geben, werten die Experten des LGL viele Daten aus, wie beispielsweise zur Lebenserwartung. Mit einer Lebenserwartung von 83,6 Jahren bei Frauen und 79,1 Jahren bei Männern stehen die Bayern nach Baden-Württemberg an zweiter Stelle im Vergleich der Bundesländer. Allein in den vergangenen 100 Jahren, so Zapf, habe sich die Lebenserwartung verdoppelt und sie steige weiter. Weitere gute Nachrichten meldete der LGL-Präsident auch von der Raucherfront. Deren Quote ist rückläufig, die Zahl der jugendlichen Raucher deutschlandweit auf einem historischen Tiefstand.

Antibiotikaresistenz-Datenbank: „schwierig in den Griff zu kriegen“

Um das Management übertragbarer Krankheiten zu verbessern, gibt es mit der Task Force Flughafen einen neuen Arbeitsbereich. Epidemiologen, Fachärzte und Spezialisten für biologisches Einsatzkrisenmanagement arbeiten mit spezialisierten Verwaltungskräften zusammen, um beispielsweise schnell und adäquat auf Erkrankungen wie Masern oder das West-Nil-Virus reagieren zu können.

Vergangenes Jahr startete zudem die Bayerische Antibiotikaresistenz-Datenbank. Sie sammelt flächendeckend repräsentative Daten zu diesen Resistenzen, um Ärzte und Kliniken bei Antibiotikatherapien beraten zu können. Entstanden ist auch eine Therapie-Fibel für Hausärzte. Ein komplexes Projekt, so Zapf, das im 3. Quartal auf der Website des LGL sichtbar sein soll. „Es ist schwierig, das in den Griff zu kriegen, weil es eine Vielzahl von Beteiligten gibt.“

Seit sechs Wochen online ist ePIN, ein Pollen-Informationsnetzwerk, das in Echtzeit, nämlich in einem Zeitraum, der die vergangenen drei Stunden abdeckt, über die Pollenkonzentration informiert. Ein Angebot, das im Gesundheits-Ausschuss durchaus Beachtung fand. Auf die Nachfrage von Barbara Becker, CSU, konnte Zapf allerdings noch keine Nutzerdaten präsentieren. Auf die Frage der Grünen-Abgeordneten Christina Haubrich nach der Verteilung der Pollenmonitore in Bayern verwies der LGL-Präsident auf eine Studie der TUM, wonach die acht ausgewählten Standorte einen repräsentativen Überblick über Bayern bieten.

2018 war Rekordjahr bei zeckenübertragenen Erkrankungen

Die stellvertretende Ausschussvorsitzende Ruth Waldmann (SPD) fragte nach den Erfahrungen mit dem Bayerischen Krebsregister. Dessen Aufbau sei „keine Banalität“ antwortete Zapf. Der Landtag hatte vor zwei Jahren mit dem Krebsregistergesetz beschlossen, die bisherigen regionalen Krebsregister in ein landesweites Register zu integrieren. Probleme liegen nach den Worten des LGL-Präsidenten unter anderem bei der Erfassung der Meldungen.

Andreas Winhart von der AfD wollte wissen, warum zeckenübertragene Erkrankungen nicht nur in den Sommermonaten gehäuft auftreten, sondern auch ein Anstieg im Oktober zu verzeichnen ist. Laut LGL war auch 2018 wieder ein Rekordjahr bei zeckenübertragenen Erkrankungen, wozu auch die langanhaltende Schönwetterperiode beigetragen habe. Den Herbstanstieg führte Zapf ebenfalls auf das warme Wetter zurück. Die Versorgungssicherheit mit Medikamenten und die Medikamentenstrategie interessierten neben Dr. Dominik Spitzer (FDP) auch Professor Peter Bauer von den FREIEN WÄHLERN. Zapf verwies auf Bund und EU, die für solche Sicherungsmaßnahmen zuständig seien, erklärte aber auch mit Blick auf die Liste der derzeit nicht verfügbaren Impfstoffe: „Das Problem ist relevant.“



Seitenanfang