Bayerischer Landtag

Gesundheitsausschuss: Personalmangel im Bereich Krankenhaushygiene

Donnerstag, 6. Juni 2013
– Von Eva Spessa –

Multiresistente Keime in Krankenhäusern und Infektionen von Patienten im Rahmen medizinischer Behandlungen sind ein ernstes Problem: Diese Einschätzung teilt das Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit mit den bayerischen Landtagsabgeordneten, die im Plenum einstimmig einen Bericht des Ministeriums zu diesem Thema vor dem Umwelt- und Gesundheitsausschuss gefordert hatten. In der Ausschusssitzung vom 6. Juni nahmen anschließend an den Bericht sieben Experten Stellung zur aktuellen Situation bei der Krankenhaushygiene.

Mit der Hygieneverordnung vom 1. Januar 2011, novelliert zum September 2012, habe Bayern als erstes Bundesland verbindliche Vorgaben für Hygiene im Gesundheitswesen gemacht und damit erstmals eine Rechtsgrundlage geschaffen, erklärte Dr. Andreas Zapf, Landesarzt und Präsident des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, als Vertreter des Ministeriums. Eine Verbesserung in diesem Bereich sei insgesamt ein zeitaufwendiger Prozess, doch man befinde sich auf einem guten Weg. Lücken räumte er bei der Personalsituation in den Krankenhäusern ein: Man befinde sich noch in einer Übergangsphase, doch bis zum Zieltermin 2016 seien die in der Verordnung angestrebten Zahlen erreichbar.

Die Personalsituation im Bereich Krankenhaushygiene bezeichneten auch die Experten übereinstimmend als problematisch. Abgesehen von den vorhandenen Lücken sei der Personalbedarf insgesamt zu niedrig angesetzt, meinte Prof. Dr. Ines Kappstein vom Klinikum Traunstein. Ronald Reichenberg vom Landesvorstand Bayern der Vereinigung der Hygienefachkräfte der Bundesrepublik Deutschland e.V. sprach zwei Missstände an: Das Berufsbild der Hygienefachkraft ist in Bayern nicht staatlich anerkannt, und die Hygienefachkräfte verdienen nach ihrer Weiterbildung meist weniger als zuvor. Die Folge: Gut ausgebildete Leute würden von der Privatwirtschaft oder aus anderen Bundesländern abgeworben. Eine problematische Personalsituation sahen die Experten auch in anderen Bereichen: Die für die Kontrollen zuständigen Gesundheitsämter stießen an personelle Grenzen, und der Bedarf an Fachärzten für Hygiene übersteige das Angebot bei weitem – auch weil es eklatant an Weiterbildungsmöglichkeiten mangele. Als eine Ursache dafür wurde die geringe Wertschätzung genannt, die dem Thema Hygiene im Gesundheitswesen entgegengebracht werde: Es bedürfe dringend der Aufwertung.

Zu wenige Leute, zu wenig Anerkennung, zu geringe finanzielle Mittel

Zu wenige Leute, zu wenig Anerkennung, zu geringe finanzielle Mittel – die Abgeordneten zeigten sich teilweise überrascht über diese Mängel und stellten übereinstimmend Handlungsbedarf vor allem in Sachen Personal fest. Auch der Begriff der „Hygienekultur“, den der Ausschuss in Holland kennengelernt hatte, wurde in den Raum gestellt: Hygiene sei ein übergreifendes, interdisziplinäres Thema, das in allen Einrichtungen des Gesundheitswesens im Alltag verankert sein muss. Entscheidend für die Krankenhaushygiene sei es auch, die Patienten ins Boot zu holen, betonte Prof. Dr. Heike von Baum vom Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene des Universitätsklinikums Ulm: Sie könnten selbst schon sehr viel für die Hygiene in ihrer direkten Umgebung tun.

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