Bayerischer Landtag

Gesundheitsausschuss: Reform des Bereitschaftsdiensts

6. Februar 2018
– Von David Lohmann –

Der Bereitschaftsdienst in Bayern beschäftigt den Gesundheitsausschuss schon lange. Viele Patienten, Ärzte und Verbände sind mit dem bisherigen System unzufrieden. „Die Belastungen im Bereitschaftsdienst sind auch ein Niederlassungshemmnis“, erklärte die Ausschussvorsitzende Kathrin Sonnenholzner (SPD) zu Beginn der Sitzung. Das gelte gerade für junge Ärztinnen im ländlichen Raum. Jetzt hat die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) den Abgeordneten ihre Reform vorgestellt.

Wenn Patienten bei leichten Notfällen außerhalb der Sprechstunden ihren Bereitschaftsarzt anrufen, muss dieser bisher je nach medizinischer Notwendigkeit entscheiden, ob der Patient in die Praxis kommen soll oder ob er ihm einen Hausbesuch abstattet. Nachteil: Bei Zweiterem müssen entweder die Patienten in der Praxis oder der Anrufer warten. Außerdem haben die Bereitschaftspraxen oft unterschiedliche Öffnungszeiten. Viele Menschen gehen daher gleich in die Notaufnahme, die eigentlich nur für lebensbedrohliche Notfälle zuständig ist.

Die Neuregelung sieht jetzt eine Trennung des sogenannten Sitz- und Fahrdiensts vor. „Das heißt, ein Arzt kümmert sich um die Patientenbehandlung, ein zweiter steht für Hausbesuche zur Verfügung“, erklärt Gökhan Katipoglu, KVB-Leiter Notdienste und Bereitschaftsdienst. Dies werde durch die Zusammenlegung kleinerer Bereitschaftsdienstbereiche ermöglicht. Die nächstgelegene Praxis lässt sich 24 Stunden täglich unter der kostenfreien Hotline 116117 erfragen. Die bayerischen Vermittlungszentralen sind in München und Bayreuth angesiedelt.

„Das neue Netz ist so aufgebaut, dass 99,9 Prozent der Patienten eine der 110 Bereitschaftspraxen in 30 Minuten erreichen können“, versicherte Katipoglu. Noch 2011 habe es in Niederbayern keine einzige solcher Praxen gegeben. Zusätzlich hätten jetzt bayernweit alle einheitliche Öffnungszeiten bis 21 Uhr. Nachts könnten Patienten Kliniken mit Bereitschaftsdienst nutzen. Der Fahrdienst wird in dieser Zeit weiterhin von den niedergelassenen Ärzten angeboten. Zu ihrer Sicherheit erhalten diese zukünftig medizinisch ausgebildeten Fahrer zur Seite, die den Arzt auch in die Patientenwohnung begleiten.

Erfahrungen mit dem neuen System hat die KVB bereits seit 2015 in zehn Pilotregionen gesammelt. Nachdem Patienten, Ärzte und Notfallambulanzen laut Katipoglu bei der Evaluation überwiegend zufrieden waren, erfolgte die Umstellung heuer in sechs weiteren Regionen. Zukünftig wird man die rot-blauen Bereitschaftsdienstautos auch in Großstädten sehen – im Mai ist München, im Juli Nürnberg und im Oktober Augsburg an der Reihe. Ende November sollen alle neuen Bereitschaftsdienstregionen eingerichtet sein.

Für Sandro Kirchner (CSU) wird durch die Reform der Ärzteberuf auf dem Land wieder attraktiver. Er sorgte sich aber, dass künftig trotzdem nicht genug Ärzte zur Verfügung stehen. „Das müssen wir ändern, damit wir morgen nicht über neue Strukturen reden müssen.“ SPD-Vorsitzende Sonnenholzner empfahl, nachzuforschen, ob die meisten Hausbesuche medizinisch begründet sind oder ob Ärzte aufgrund der mangelnden Mobilität von älteren Menschen zu den Patienten fahren müssen. Dr. Karl Vetter (FREIE WÄHLER) bezeichnete die Reform als „richtig“. Der Abgeordnete forderte aber mehr Werbung für die neue Hotline. Ulrich Leiner (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) war mit der Umstellung schon jetzt sehr zufrieden. Er sitze selber im Aufsichtsrat des Klinikums Kempten, berichtete er. „Bei uns hat sich die Reform in vielen Bereichen schon bewährt.“

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