Bayerischer Landtag

An der Kinderpalliativversorgung soll nicht gespart werden

Dienstag, 07. Februar 2017
– Von Ina Friedl –

Nichts ist schlimmer für Eltern, als ihr Kind zu verlieren. Mit der Diagnose „unheilbar krank“ beginnt die Palliativbetreuung der Kinder und ihrer Angehörigen – eine Zeit voll unerträglichem Bangen, Hoffen und großer emotionaler Belastung. Kinderkliniken, Kinderärzte und das Kinderpalliativzentrum am Uni-Klinikum Großhadern kümmern sich um die physischen und psychischen Belange ihrer Patienten – eine Arbeit, die auch ihnen einiges abverlangt. Und weil schon die Sorgen und das Leid der Betroffenen groß genug sind, soll wenigsten an der finanziellen Ausstattung nicht gespart werden. Der Gesundheitsausschuss erkundigt sich deshalb über Möglichkeiten der besseren finanziellen Unterstützung der Kinderpalliativversorgung bei Frau Dr. Prof. Monika Führer. Die Leiterin des Kinderpalliativzentrums am Klinikum der Universität München in Großhadern ist zu Gast im Gesundheitsausschuss und artikuliert es so: „Ein sterbendes Kind ist keine Fallpauschale“!  

Etwa 3.000 Kinder und Jugendliche in Bayern sind auf eine Palliativversorgung angewiesen. Sie werden nach ihrer Erkrankung in vier Gruppen aufgeteilt. Gruppe 1 sind die unheilbaren Tumorerkrankungen, bei denen das Versagen der Therapie zum Tod führt. Die Gruppe macht 26 Prozent aus. Die kleinste Gruppe mit 4 Prozent sind Kinder mit unheilbaren Krankheiten wie der Mukoviszidose, die aber lange Zeit ein normales Leben führen können. Jeweils 35 Prozent entfallen auf Kinder mit fortschreitend unheilbaren Krankheiten ohne Möglichkeit der Verlaufsbeeinflussung (z. B. kindliche Demenz) und auf Kinder mit perinatalen Schädigungen, wie zum Beispiel eine Sauerstoffunterversorgung während der Geburt.

Die allermeisten Patienten werden zuhause im Kreise der Familie und in der gewohnten Umgebung versorgt. Sechs Teams aus Spezialisten – Kinderärzte und Psychologen – decken dabei im Auftrag des Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege ganz Bayern ab und legen bei ihren Besuchen nicht selten 200 km an einfacher Wegstrecke zurück. Die Patienten sind dabei im Schnitt 6 Jahre alt und werden durchschnittlich 3 Monate betreut. Die Palliativversorgung sei keine Einbahnstraße, sagt Prof. Dr. Monika Führer. Oftmals verbessert sich der Zustand der Patienten soweit, dass sie erst einmal ohne Versorgung auskommen. Wenn die Symptome wieder zunehmen und sich der Zustand der Patienten abermals verschlechtert, ist eine erneute Betreuung nötig und notfalls auch eine stationäre Unterbringung im Kinderpalliativzentrum am Uni-Klinikum Großhadern. Dieses Zentrum ist das einzige seiner Art in Bayern und existiert seit etwa einem Jahr. Es bietet eine intensivmedizinische Betreuung bei gleichzeitig günstigen Rahmenbedingungen für die Patienten und ihre Familien– beispielsweise können beide Elternteile mit ihrem Kind in der Station übernachten.

Im Gegensatz zu den ambulant agierenden Versorgungs-Teams, die laut Monika Führer ganz vernünftig finanziert seien, plagt das Kinderpalliativzentrum finanzielle Not. Die Abrechnung mit den Krankenkassen erfolgt im Moment über eine Fallpauschale. Eine Pauschale werde aber den sehr individuellen Therapieansprüchen der Betroffenen nicht gerecht, sagt Monika Führer. Das sehen die Mitglieder des Ausschusses genauso und, weil darüber über alle Fraktionen hinweg Einigkeit besteht, wird ein Beschluss gefasst: Die Vertragspartner sollen in Verhandlungen einsteigen und entsprechend einer Resolution des Landesgesundheitsrates anstatt der Fallpauschale eine kostendeckende Tagespauschale erwirken. Die Vorsitzende des Gesundheitsausschusses Kathrin Sonnenholzner (SPD) sagt: „ Wir haben genug Geld im System, um es ausreichend zur Verfügung zu stellen“ und Helmut Radlmeier (CSU) findet: „Der Aufwand für die Versorgung unheilbar Kranker ist jeden Euro wert, hier darf nicht gespart werden“. Genauso äußern sich auch Ulrich Leiner (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) und Dr. Karl Vetter (FREIE WÄHLER) im Ausschuss: Die wertvolle Arbeit des Kinderpalliativzentrums gehört finanziell besser unterstützt.

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