Bayerischer Landtag

Haushalts- und Hochschulausschuss informieren sich über Aufbau eines Universitätsklinikums in Augsburg

Mittwoch, 6. Juli 2016
– Von David Lohmann –

Wenn alles nach Plan läuft, kann es bereits im Wintersemester 2018 losgehen: Insgesamt 1500 Studierende sollen nach dem Willen der Staatsregierung einmal im neuen Universitätsklinikum Augsburg Umweltmedizin oder Medizininformatik studieren. Doch bis dahin gilt es noch viele Hürden zu überwinden. „Wir sind aber auf einem sehr guten Weg“, versicherte Wissenschaftsminister Ludwig Spaenle (CSU) in der gemeinsamen Sitzung des Haushalts- und Hochschulausschusses.

Die wichtigste Entscheidung fällt bereits an diesem Freitag (8. Juli): Dann entscheidet der Wissenschaftsrat, der Bund und Länder zur Hochschulpolitik berät, über die Anerkennung des sechsten Uniklinikums in Bayern. Das Konzept sieht den ersten Modellstudiengang im Freistaat vor, der neben einem frühen Patientenkontakt eine enge Verzahnung der klinischen und vorklinischen Fächer zum Ziel hat. Die Kosten für Forschung und Lehre inklusive der 100 Professoren für die Medizinische Fakultät würden sich laut Spaenle auf 70 bis 100 Millionen Euro pro Jahr belaufen. Hinzu käme ein einmaliger Investitionsbedarf von rund 270 Millionen Euro.

Doch selbst wenn diese Hürde genommen ist, müssen noch die strukturellen und finanziellen Voraussetzungen für die Überführung des aktuell noch kommunalen Klinikums in ein staatliches Uniklinikum geklärt werden. Dazu gehört zum einen ein wirtschaftliches Sanierungskonzept für ein ausgeglichenes Betriebsergebnis innerhalb der nächsten zehn Jahre. „Derzeit ist das Klinikum Augsburg im Millionenbereich negativ“, erklärte Spaenle. Zum anderen muss die Finanzierung der aktuell laufenden Sanierungsmaßnahmen in Höhe von 260 Millionen Euro gesichert sein. Und auch die Suche nach Erweiterungsflächen ist laut Wissenschaftsminister „nicht ganz einfach“. Es seien aber bereits große Fortschritte erzielt worden.

Nicht zuletzt müssen an der Universität Augsburg die Weichen für die Errichtung einer medizinischen Fakultät gestellt werden. Dazu müssen die rechtlichen Grundlagen geändert, ein Gründungsdekan eingesetzt, erneut Grundstücksflächen in der Nachbarschaft des Klinikums gesucht, Baumaßnahmen eingeleitet und ausreichend Lehrpersonal gefunden werden.

Oliver Jörg (CSU), stellvertretender Vorsitzender des Wissenschaftsausschusses, forderte in der Aussprache, auf „sauberem Fundament“ zu bauen: „Dazu muss das Uniklinikum wirtschaftlich auf stabile Beine gestellt werden“, mahnte er. Harald Güller (SPD), stellvertretender Vorsitzender des Haushaltsausschusses, sorgte sich um die Beschäftigten des Klinikums. „Im Eckpunktepapier steht, dass es in den nächsten Jahren vor allem im technisch-medizinischen Bereich Einsparungen geben muss“, kritisierte er. Bernhard Pohl (FREIE WÄHLER) freute sich, dass das Uniklinikum mit 54 Jahren Verspätung wohl doch noch komme und so endlich für gleichwertige Lebensverhältnisse in Bayern gesorgt werde. Thomas Mütze (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) befürchtete, dass die Finanzierung des Uniklinikums zulasten der anderen Uniklinika im Freistaat gehe. Bei einem positiven Signal des Wissenschaftsrats will der Ministerrat im Herbst weitere Entscheidungen treffen.

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