Bayerischer Landtag

Haushaltsausschuss bringt Sudetendeutsches Landesmuseum auf den Weg

24. Juni 2014
– Von Katja Helmö  –

Bis 2018 soll in der Landeshauptstadt ein Sudetendeutsches Museum entstehen – „ein Ort, der Geschichte, Kultur und Schicksal der Sudetendeutschen präsentiert, gleichermaßen aber auch den Dialog mit den tschechischen Nachbarn stärkt und fördert“, wie Dr. Michael Höhenberger, Amtschef im Sozialministerium, am 24. Juni 2014 im Haushaltsausschuss ausführte. Abgeordnete von CSU, SPD und FREIE WÄHLER erteilten dem Projekt grünes Licht, wodurch die Ausschreibung nun gestartet werden kann. Das Projekt ist mit Baukosten in Höhe von 24 Millionen Euro veranschlagt. Mit Blick darauf enthielten sich Mitglieder der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen bei der Abstimmung.

Das Museum soll als staatliche Baumaßnahme in der Hochstraße, also am Münchner Isarhochufer in der Nähe des Gasteigs und des Deutschen Museums, realisiert werden. Dort grenzt es unmittelbar an das Sudetendeutsche Haus und das Haus des Deutschen Ostens an, wodurch sich ein enger Austausch sowie Synergien ergeben könnten: „Es entsteht ein bundesweit einzigartiges Areal für die Kulturpflege der Heimatvertriebenen und Spätaussiedler“, zeigte sich der Amtschef überzeugt. Der Bund wird das Projekt mit 10 Millionen Euro bezuschussen, der Freistaat Bayern hat dafür bereits 20 Millionen Euro in den Landeshaushalt eingestellt.

Geplant ist ein Neubau, angrenzend an das Sudetendeutsche Haus. Räumlich einbezogen werden dabei aber auch die Gaststätte „Wallensteinstuben“ im Sudetendeutschen Haus und der dort bereits vorhandene Wechselausstellungsraum. Auf diese Weise entsteht eine Ausstellungsfläche von insgesamt 1500 Quadratmetern. Laut Dr. Höhenberger rechnet die Oberste Baubehörde derzeit mit einem Kostenvolumen von 24 Millionen Euro. Davon entfielen 18 Millionen Euro auf den Museumsneubau, weitere 6 Millionen Euro auf die Modernisierung der Räume im Sudetendeutschen Haus.

Das Grundstück für das geplante Museum gehört derzeit noch der Sudetendeutschen Stiftung. Für die Baumaßnahmen wird es die Stiftung dem Freistaat Bayern unentgeltlich übereignen. Nach der Vollendung wird das Museumsgebäude der Sudetendeutschen Stiftung wieder unentgeltlich für den Betrieb überlassen: „Das Museum soll ja kein staatliches Museum werden, sondern ein Museum, hinter dem die Sudetendeutschen selbst stehen und mit dem sich die Sudetendeutschen selbst identifizieren“, unterstrich Höhenberger. Aus diesem Grund werde auch die inhaltliche Konzeption federführend die Sudetendeutsche Stiftung selbst erarbeiten. Fachlich zur Seite stünde ein wissenschaftlicher Beirat, der mit Dr. Hans Martin Hinz, Präsident des ICOM (International Council of Museum), Prof Manfred Kittel, Direktor der „Stiftung Flucht Vertreibung Versöhnung“ in Berlin, sowie vier Experten aus Tschechien hochkarätig besetzt sei.

Noch 2014 soll für das geplante Museum ein Architektenwettbewerb ausgelobt werden. Der Baubeginn wird – wenn alles gut läuft – für 2016, die Fertigstellung für 2018 angestrebt, sagte Dr. Höhenberger.

Vertreter aller Fraktionen nahmen die vorgestellte Konzeption grundsätzlich zustimmend zur Kenntnis. Volkmar Halbleib, zugleich vertriebenenpolitischer Sprecher der Landtags-SPD, begrüßte die politische Zielsetzung des Museums, nicht nur die Heimatvertriebenen und deren Nachfahren anzusprechen, sondern alle Bürgerinnen und Bürger. Dies sei ein wichtiger Beitrag, um einerseits Geschichte, Kultur, Leistung und Schicksal der Deutschen in den böhmischen Ländern nachhaltig im gesellschaftlichen Bewusstsein zu verankern, andererseits aber auch einen breiten Dialog mit unseren tschechischen Nachbarn zu fördern.

„Haushaltärisches Bauchgrummen“

Dass das Schicksal der Sudetendeutschen im Bewusstsein der Öffentlichkeit erhalten bleibt, das war auch Wolfgang Fackler wichtig. Der CSU-Politiker sah dieses Thema als vornehmlich bayerische Aufgabe an, schließlich sei Bayern Schirmland der Sudetendeutschen. Sein Fraktionskollege Karl Freller zeigte sich von der Konzeption und dem Stand der Planungen ebenfalls angetan, mahnte zeitgleich aber, auch andere Landsmannschaften im Blick zu behalten.

Alexander Muthmann (FREIE WÄHLER) signalisierte ebenfalls die Unterstützung seiner Fraktion, bezeichnete den vorgesehenen Kostenrahmen allerdings als „großzügigst“. Er regte eine Kostenkontrolle an.

„Haushaltärisches Bauchgrummen“ verspürten insbesondere die Mitglieder der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen, denen das veranschlagte Projektbudget in Höhe von 24 Millionen Euro als zu hoch gegriffen erschien. Sie enthielten sich deshalb bei der Abstimmung.

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