Bayerischer Landtag

Hochschulausschuss: Abgeordnete beugen sich Fachvotum bei Dürer-Werk „Selbstbildnis im Pelzrock“

Mittwoch, 7. März 2012
– Von Jürgen Umlauft –

Im Mai beginnt in Nürnberg eine mit Spannung erwartete Ausstellung mit Werken eines der größten Söhne der Stadt: Albrecht Dürer. Gerne hätten die Organisatoren der Ausstellung im Germanischen Nationalmuseum dafür auch das berühmte „Selbstbildnis im Pelzrock" unter den Exponaten gehabt, doch daraus wird nun nichts. Obwohl sich alle Fraktionen in Dringlichkeitsanträgen für die Ausleihe des Werkes aus der Alten Pinakothek in München stark gemacht hatten, mussten sie sich am Ende der fachlichen Expertise beugen, wonach das aus dem Jahr 1500 stammende Werk nicht mehr transportfähig ist. Kunstminister Wolfgang Heubisch (FDP) hatte dies den Abgeordneten in einer von Emotionen geprägten Ausschusssitzung schon im Februar mitgeteilt, nun lieferten Fachleute aus München und Nürnberg die Details nach.

Bei einer gemeinsamen Untersuchung des kostbaren Bildes entdeckten die Experten nach den Worten der für die zuständige Staatsgemäldesammlung tätigen Restauratorin Eva Ortner bislang in diesem Ausmaß nicht dokumentierte Schäden. Zum einen sei die aus drei Brettern zusammengeleimte Holztafel, auf der sich Dürer verewigte, in einem äußerst fragilen Zustand; Zum anderen wiesen die Farbschichten verschiedene Risse auf, die Malschicht sei an einigen Stellen „feinteilig gebrochen“. Jede noch so leichte Erschütterung könne irreparable Schäden hervorrufen, so Ortner. Ihr Nürnberger Kollege Oliver Mack ergänzte, nach fachlicher Einschätzung sei es „definitiv nicht tragbar, das Bild zu transportieren“, wolle man es weiter für die Nachwelt erhalten. Diesem Fachvotum beugte sich der Ausschuss.

Die politische Debatte über die Ausleihe von Kunstschätzen innerhalb Bayerns war damit aber nicht beendet. Sie drehte sich vor allem darum, inwieweit Institutionen wie die Staatsgemäldesammlung in München frei darüber entscheiden können, welche Werke sie als Leihgaben in andere Landesteile versenden. So verfügt die Sammlung zum Beispiel über eine Sperrliste mit 113 Werken, die wegen ihres konservatorischen Zustands, aber auch wegen ihrer Bedeutung als „kostbarster Kernbestand“ der Pinakotheken nicht verliehen werden dürfen. Sepp Dürr (Bündnis 90/ Die Grünen) vertrat dazu die Auffassung, die Bilder gehörten dem bayerischen Volk, also müssten dessen Vertreter zumindest ein Mitspracherecht bekommen, wo diese am besten zur Geltung kämen. Ausschusschef Oliver Jörg (CSU) wollte so weit nicht gehen, forderte aber eine regelmäßige Unterrichtung des Landtags über den jeweils aktuellen Stand der Leihfähigkeit von Kunstwerken in den Beständen der Staatsgemäldesammlung.

Vier bayerische Vorschläge für UNESCO-Weltkulturerbeliste
Nach Auskunft des Kunstministeriums wird Bayern voraussichtlich mit vier Vorschlägen in das nächste Auswahlverfahren für UNESCO-Weltkulturerbeliste gehen: Den Königsschlössern Ludwigs II., dem Industrieensemble Augsburger Wasserwirtschaft, der Kulturlandschaft Werdenfelser Land und dem Schwurgerichtssaal 600 in Nürnberg. Dies sei eine „überzeugende Empfehlung für das weitere Verfahren", so ein Vertreter des Ministeriums im Ausschuss. Die vier Projekte hatte eine Fachjury aus 13 Bewerbungen ausgewählt. Nach der Beschlussfassung im Ministerrat wird die Kultusministerkonferenz eine bundesweite Vorschlagsliste an die UNESCO-Jury weiterleiten. Aus der vorherigen Runde ist aus Bayern noch das Markgräfliche Opernhaus in Bayreuth im Rennen. Eine Entscheidung über dessen Ernennung zum Weltkulturerbe soll voraussichtlich in diesem Sommer fallen.

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