Bayerischer Landtag

Hochschulausschuss: Diskussion über neue Profile in der Hochschullandschaft

Mittwoch, 17. April 2013
– Von Katja Helmö –

Ab Anfang Oktober, mit Beginn des Wintersemesters 2013/2014, dürfen in Bayern vier Hochschulen für angewandte Wissenschaften den Titel „Technische Hochschule“ führen. Dr. Adalbert Weiß, Amtschef des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst, legte am 17. April 2013 im Landtag den Mitgliedern des Hochschulausschusses die Details einer sich zunehmend ausdifferenzierenden Hochschullandschaft dar.

Die Hochschulen für angewandte Wissenschaften – so heißen die Fachhochschulen seit einigen Jahren offiziell – sollen sich in Zukunft stärker differenzieren und spezialisieren. Der Wissenschaftsrat hatte dies im Spätherbst 2010 für ganz Deutschland gefordert. Als Reaktion darauf ist in Bayern der Titel „Technische Hochschule“ neu geschaffen und ein Wettbewerb dazu gestartet worden.

Wie Dr. Adalbert Weiß aus dem Wissenschaftsministerium berichtete, hätten sich im Freistaat insgesamt sechs Hochschulen für angewandte Wissenschaften in einem Wettbewerb um den Titel beworben, vier seien in einem zweistufigen Verfahren von einer Expertenjury ausgewählt worden. Neben Nürnberg und Ingolstadt sind dies Deggendorf sowie mit einem gemeinsamen Konzept Regensburg und Amberg-Weiden.

Wichtige Auswahlkriterien waren das Fächerspektrum der Hochschulen, die Leistungsfähigkeit in den technischen Fächern, die internationale Bedeutung, die Zusammenarbeit mit Wirtschaft und Wissenschaft und das von der Hochschule vorgelegte Entwicklungskonzept. So will etwa die Hochschule Deggendorf ihre Forschung mit einem zentralen Promotionskolleg in Kooperation mit nationalen und internationalen Universitäten stärken. Vor allem will sie mit ihren Technologie-Transferzentren den Bayerischen Wald und die Region Weißenburg zu Technologie-Regionen weiterentwickeln.

„Mit der Auszeichnung sind ab dem kommenden Wintersemester zusätzliche finanzielle Mittel in Höhe von einer Million Euro verbunden“, stellte Dr. Adalbert Weiß in Aussicht und verwies in diesem Zusammenhang aber auch auf Verpflichtungen der neuen „Technischen Hochschulen“, etwa ihr wissenschaftliches Profil weiter zu schärfen und Kooperationen mit der heimischen Wirtschaft einzugehen.

Hochschulpolitiker der CSU, der FREIEN WÄHLER und der FDP würdigten den neuen, profilbildenden Titel und seine Bedeutung in den Regionen als wichtiger Standortfaktor: Aus der Region heraus würden die Profile für die einzelnen Hochschulen entwickelt. Hochschulen würden sich dadurch bewusst, wo ihre Zukunft liegt, lobte Ausschussvorsitzender Oliver Jörg (CSU), der weitere Ausdifferenzierungsmöglichkeiten für Hochschulen anregte. Prof. Dr. Michael Piazolo (FREIE WÄHLER) hob die Chance hervor, dass durch die Aufwertung der Hochschulstandorte strukturpolitische Lücken im ländlichen Raum geschlossen werden könnten.

Demgegenüber warnte Isabell Zacharias (SPD), stellvertretende Vorsitzende des Hochschulausschusses, vor einer „Zwei-Klassen-Hochschullandschaft“, bei der die einen Hochschulen mit zusätzlichem Geld ausgestattet würden, andere jedoch leer ausgingen. Auch Thomas Gehring (Bündnis 90/Die Grünen) zeigte sich eher skeptisch, was den wachsenden Profilierungs- und Wettbewerbsdruck der Wissenschaftsstandorte anbelangt. Die Gleichmäßigkeit der Hochschullandschaft dürfe dadurch nicht aufs Spiel gesetzt werden, appellierte er.

Wie Dr. Adalbert Weiß versicherte, würden die Entwicklungen an den Hochschulen nach vier, spätestens fünf Jahren in einer Evaluation begutachtet. Korrekturen und Anpassungen im Prozess seien dann möglich.

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