Bayerischer Landtag

Hochschulausschuss: In Bayern entstehen keine neuen Universitäten - Wissenschaftsminister setzt auf Weiterentwicklung

Mittwoch, 6. April 2011
– Von Heidi Wolf –
In Bayern werden keine neuen Universitäten gegründet. Das geht aus dem Bericht zur mittelfristigen Hochschulausbau- und Hochschulentwicklungsplanung hervor, den Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch am Mittwoch den Mitgliedern des Hochschulausschusses im Bayerischen Landtag vorlegte. „Ich sage Weiterentwicklung“, beschrieb Heubisch seine Strategie. Er setzt auf das Vernetzen von bestehenden Einrichtungen. Die vorhandenen Ressourcen sollten gestärkt werden, um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können.

Klare Absage an eine Technische Universität Nordbayern in Nürnberg: „Zu teuer“, lautete das Hauptargument von Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch. Mindestens eine Milliarde Euro müsste gleich zu Beginn investiert werden. Der Unterhalt koste jedes Jahr weitere hundert Millionen Euro. Außerdem dauere es mindestens ein Jahrzehnt, bis ein vollständiger akademischer Lehrkörper und die Infrastruktur für die Forschung aufgebaut seien. „Da aber ab 2020 die Studierendenzahlen sinken, brauchen wir kostengünstigere und schneller umsetzbare Lösungen“, betonte Wolfgang Heubisch.

Aus dem gleichen Grund wird es auch keine Technische Universität in Niederbayern geben. Trotzdem kann die Universität Passau hoffen: Hier sollen die Fachbereiche Mathematik und Informatik zu einer Technischen Fakultät ausgebaut werden – in enger Zusammenarbeit mit der Hochschule für angewandte Wissenschaft (HAW) in Deggendorf. Wolfgang Heubisch sprach von einem „kreativen Konzept.“ Darunter ordnete der Wissenschaftsminister auch den Energie Campus Nürnberg und das Zentrum für nachwachsende Rohstoffe in Straubing ein, das weiterentwickelt werden soll. Geplant ist auch ein technologieorientierter
Hochschulverbund Oberfranken: Die Universitäten Bayreuth und Bamberg kooperieren im Bereich der Verfahrens- und Elektrotechnik mit den Hochschulen in Coburg und Hof.

„Hochschulpolitik ist Standort- und Strukturpolitik“, begründete Bernd Sibler, der Vorsitzende des Hochschulausschusses, die regionalen Befindlichkeiten, die in der Diskussion immer wieder anklangen. Ulrike Gote, hochschulpolitische Sprecherin der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, wies auf ein Defizit im Bereich der erneuerbaren Energien hin. „Wir haben zu wenig Studienplätze und brauchen deshalb mehr Studiengänge“, verlangte Gote und fügte an: „Bayern liegt hier auf dem 14. Platz unter den 16 Bundesländern.“

Mitglieder der Oppositionsfraktionen kritisierten an dem Konzept des Wissenschaftsministers auch, dass darin die demografische Entwicklung zu wenig berücksichtigt sei, ebenso der doppelte Abiturientenjahrgang. „Es bleibt bei den 38 000 Studienplätzen, obwohl längst feststeht, dass die künftigen Studierendenzahlen die Prognosen weit übersteigen“, monierte Christoph Rabenstein von der SPD. Die im Koalitionsvertrag versprochenen zusätzlichen 10.000 Plätze seien für 2011 gestrichen worden. „Gratulation zu den 470 Millionen Euro Investitionen. Das sind genau die Studienbeiträge“, wandte sich Rabenstein an den Wissenschaftsminister. Die Antwort von Heubisch: „Wenn das wirklich so ist, ist es überraschend.“

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