Bayerischer Landtag

Hochschulausschuss: Sondersitzung in Geiselgasteig

Mittwoch, 18. Mai 2011
- Von Zoran Gojic -

Eine Ausschusssitzung kann auch mal in der Straßenbahn beginnen. Die Mitglieder des Hochschulausschusses machten sich mit der Linie 25 auf zum Münchner Geiselgasteig, um ihre Sitzung ausnahmsweise in der Bavaria Film abzuhalten. Eine Informationsreise zum Preis einer Straßenbahnkarte sozusagen. Die Sicherung des Medienstandortes Bayern ist eines der Dauerthemen im Hochschulausschuss und das Münchner Medienunternehmen ist ein gutes Anschauungsbeispiel für Stärken und Schwächen des Filmlandes Bayern.

Die Geschäftsführer Achim Rohnke und Dr. Mathias Esche erläuterten den Abgeordneten die Struktur des „Campus“, auf dem alle Bereiche von Entwicklung, Produktion, Nachbearbeitung und Vertrieb abgedeckt werden. Dies sei ein immenser Wettbewerbsvorteil für die Bavaria Film, die im Geschäftsjahr 2009 / 2010 rund 250 Millionen Euro Umsatz gemacht hatte.

Das Angebot, die gesamte Bandbreite des Know-how in Produktion, Post-Produktion und Verkauf an einem Ort zu bündeln, sei in dieser Form in Deutschland einmalig, betonte Rohnke. Allerdings stoße man an Grenzen – internationale Großproduktionen könne man nicht mehr unterbringen. Es fehle schlichtweg an Platz.

Die Produzenten des kürzlich in Deutschland gedrehten Historienfilms „Die drei Musketiere“ wollten ursprünglich in München drehen. „Wir mussten absagen“, so Rohnke. „So große Studiohallen wie ein derartiger Film benötigt, haben wir nicht. Nicht zu reden vom Parkplatz für fast 50 überdimensionierte Wohnwagen, in denen die Crew untergebracht werden sollte.“

Zwar investiert Bavaria bereits in einen Ausbau, aber alleine, machte Rohnke klar, könne man das nicht stemmen. Es war ein Appell an den Freistaat weiterhin in den Filmstandort München zu investieren. „Sonst verlieren wir den Anschluss“, so Rohnke. Schließlich buhlen auch Filmstudios im benachbarten europäischen Ausland um lukrative Projekte.

Deswegen, so erklärte man den Abgeordneten, setzt man bei der Bavaria neben Kinoproduktionen weiterhin auf profitable Fernsehproduktionen wie etwa „Sturm der Liebe“. Das ist der Titel von „Europas erfolgreichster täglicher Telenovela“, wie die Produzentin Bea Schmidt stolz berichtete. In 20 Länder sei die Serie mittlerweile verkauft und laufe beispielsweise in Italien sogar im Hauptabendprogramm.

Weshalb das Fernsehgeschäft so wichtig für die Bavaria ist, wurde deutlich, als Jan Kaiser, Geschäftsführer der Bavaria Pictures GmbH über Filmfinanzierung referierte und schnell klar wurde: mit Kinofilmen Geld zu verdienen ist ein mühsames Geschäft. Zumal es einen harten Konkurrenzkampf um Filmprojekte gibt – andere Länder locken ebenfalls mit Fördergeldern und Steuervorteilen. Dennoch: trotz aller Risiken wolle man weiterhin Kinoproduktionen in München halten.

Nach einem aufschlussreichen Blick hinter die Kulissen von Bild- und Tonbearbeitung ging es mit der Straßenbahn zurück aus der Traumfabrik in die Realität der politischen Arbeit in den Landtag.

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