Bayerischer Landtag

Kinderkommission: Expertengespräch zum Thema „Prävention von sexuellem Missbrauch von Kindern“

Donnerstag, 24. Januar 2013
– Von Anna Schmid –

Kinder toben mit ihren Freunden auf dem Spielplatz, brüten mit dem Nachhilfelehrer über den Hausaufgaben, trainieren auf dem Fußballplatz oder treffen ihre Freunde in der Kirche – der Spot der bundesweiten Kampagne „Kein Raum für Missbrauch“, der Mädchen und Jungen in alltäglichen Situationen zeigt, soll die Öffentlichkeit für das Thema „sexueller Missbrauch“ sensibilisieren.

Den Start der Kampagne am 10. Januar 2013 hat die Kinderkommission des Landtags zum Anlass genommen, Experten zu einem Fachgespräch zum Thema „Prävention von sexuellem Missbrauch von Kindern“ einzuladen.

Der Kampagnen-Spot zeige Räume, in denen Kinder erwachsen werden und mache klar, dass sie dort geschützt werden müssten, sagte Christine Rudolf-Jilg einleitend. „Kein Kind kann sich allein vor Missbrauch schützen.“ Die Sozialpädagogin arbeitet für den Verein AMYNA, der Erwachsene aus dem Umfeld der Kinder fortbildet. Mitarbeiter in Einrichtungen wie Freizeitstätten, Kitas oder Schulen sollen Grenzverletzungen frühzeitig erkennen und im Krisenfall wissen, wie sie reagieren müssen.

Viele Träger wollten den Schutz verbessern, wüssten aber nicht, wie, so Rudolf-Jilg. Zu den besonders gefährdeten Gruppen gehörten Behinderte, Heimkinder, Kinder patriarchalisch geprägter Familien aller Kulturkreise und emotional vernachlässigte Kinder. Unzureichend sei vor allem die Versorgung der unbegleiteten Minderjährigen Flüchtlinge, einer weiteren Risikogruppe. Zunehmend sehen sich die Einrichtungen auch mit Grenzverletzungen durch Kinder und Jugendliche konfrontiert. Rudolf-Jilg forderte, das Thema „sexueller Missbrauch“ zum festen Bestandteil der Ausbildung der Fachkräfte zu machen und die Träger gezielt zu fördern.

Jedes vierte bis fünfte Mädchen erlebe sexuelle Gewalt, sagte Sabine Wieninger von der Münchner Beratungsstelle IMMA. Die meisten Täter stammen aus der Familie oder dem persönlichen Umfeld, nur 25 Prozent von ihnen seien Unbekannte. Die Versorgungssituation hält sie nicht für zufriedenstellend: So arbeiten beispielsweise nur wenige Fachkräfte mit kleinen Kindern, an Migrantinnen sei schwer heranzukommen und strukturschwache Regionen seien oft unterversorgt. Hilfe müsste unkompliziert geleistet werden: Sie dürfe nichts kosten, die zuständigen Stellen müssten schnell erreichbar sein und vor allem bei älteren Kindern sei es wichtig, Beratung unabhängig von den Eltern anzubieten.

Der Runde Tisch zum Thema Missbrauch, den die Bundesregierung 2010 in Berlin ins Leben gerufen hatte, habe viel angestoßen – in der öffentlichen Diskussion untergegangen sei jedoch die Tatsache, dass die Mehrzahl der Opfer männlich waren, sagte Peter Mosser von kibs, einer der wenigen Beratungsstellen für Jungen. Er fordert eine zuverlässige Finanzierung der Fachberatungsstellen, eine wirksame Prävention in den Einrichtungen und die bessere Zusammenarbeit von Praxis und Forschung.

Die SPD-Abgeordnete Simone Strohmayr sieht ein Problem in der kommunalen Finanzierung der Einrichtungen. Im ländlichen Bereich sei es oft schwer, das Thema anzusprechen, Verständnis zu ernten und Gelder zu bekommen.

Eva Gottstein (FREIE WÄHLER) warnte davor, die Beratungsstellen an Behörden zu knüpfen. Gerade auf dem Land müssten sich Ratsuchende sicher sein können, dass keine Anzeige erfolgt und dass ihre Anonymität gewahrt bleibt.

Die Kinderkommission werde sich auf jeden Fall weiter mit dem Thema befassen, so die Ausschussvorsitzende Brigitte Meyer (FDP). Es sei wichtig, Zeichen zu setzen, damit es auch in den anderen Ausschüssen des Landtags Gehör finde.

Informationen zur Kampagne unter: http://www.kein-raum-fuer-missbrauch.de/

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