Bayerischer Landtag

Kunstausschuss: Abgeordnete debattieren über Konzertsaal und Haus der Kunst

Mittwoch, 4. Februar 2015
– Von Jan Dermietzel –

Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) und Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) haben gemeinsam beschlossen, in der Landeshauptstadt keinen neuen Konzertsaal zu bauen und stattdessen das Kulturzentrum Gasteig und den Herkulessaal in der Residenz zu sanieren. Über die Hintergründe dieser Entscheidung debattierte Bayerns Kunstminister Ludwig Spaenle (CSU) jetzt mit den Mitgliedern des Ausschusses für Wissenschaft und Kunst.

„Mir hat in dieser Debatte zuletzt die Stimme des zuständigen Ministers gefehlt“, sagte Ausschussvorsitzender Prof. Dr. Michael Piazolo (FREIE WÄHLER) gleich zu Beginn. Ihn „nerve enorm“, dass der Ministerpräsident „ständig Versprechen breche“. Unter einem „neuen Konzertsaal“, den Seehofer in Aussicht gestellt habe, sei ein „eigenes, neues Gebäude“ zu verstehen und nicht nur eine Renovierung. Spaenle, der seit der Landtagswahl 2013 neben dem Bildungsressort auch für Wissenschaft und Kunst in Bayern verantwortlich ist, wies die Vorwürfe zurück. Seine Expertengruppe habe mehr als 30 Standorte in München analysiert und im sogenannten Finanzgarten zwischen Von-der-Tann-Straße, Hofgarten und Prinz-Carl-Palais einen geeigneten Bauplatz für den neuen Konzertsaal identifiziert und zur Entscheidung vorbereitet. Im Finanzgarten zu bauen würde voraussichtlich einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag kosten. „Ob man baut oder nicht, ist allerdings eine politische Entscheidung“, so Spaenle.
Ministerpräsident und Oberbürgermeister hätten nun beschlossen, in dieser Frage so eng zusammenzuarbeiten „wie bislang noch nie“. Die „Zwillingslösung“ aus Gasteig und Herkulessaal verbessere die Bedingungen sowohl für die Münchner Philharmoniker wie für das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks (das seit Jahren einen eigenen Konzertsaal fordert). In der Residenz ständen mittlerweile 800 Quadratmeter an Aufenthalts-, Übungs- und Lagerräumen für die Musiker bereit, im Gasteig wolle man zusätzliche 1400 Quadratmeter schaffen. Die Stadt München wolle einen dreistelligen Millionenbetrag in den Gasteig-Umbau investieren; der Freistaat werde sich mit einem Zuschuss beteiligen. Während des Umbaus werde man Ausweichspielstätten für die Orchester finden, hierfür gebe es, so Spaenle, „erste belastbare Gedanken“.

Michael Piazolo entgegnete, diese Lösung habe „keinen städteplanerischen und architektonischen Mehrwert“ und werde teurer kommen als ein Neubau. Er prophezeite einen „Domino-Effekt“: „wenn jeder sich erst einmal ein neues Ausweichquartier suchen muss, spielen wir ,Reise nach Jerusalem‘. Am Ende trifft es den schwächsten. Kostenmäßig werden uns hier noch die Ohren schlackern.“ Dr. Sepp Dürr (Bündnis 90/Die Grünen) konstatierte, bei der von Spaenle vorgetragenen Lösung sei „der Entscheidungsprozess genauso mies wie das Ergebnis“. Die Frage sei nicht, ob München einen weiteren Konzertsaal brauche, sondern ob ein herausragendes Orchester wie die BR-Symphoniker ihr hohes Niveau ohne eigenen Konzertsaal halten könnten. Der Kunstausschuss des Landtags müsse den Symphonikern nun zur Seite stehen. Im Moment wollten Stadt und Freistaat „200 bis 300 Millionen Euro dafür ausgeben, auf der Stelle zu treten“.

Isabell Zacharias (SPD) warf ein, das Niveau der Symphoniker habe sich die vergangenen Jahrzehnte auch ohne eigenen Konzertsaal gehalten. Sie habe heute zwei gute Nachrichten vernommen: „Zum einen bekommt das BR-Orchester eine Heimat in der Residenz, zum anderen bleibt der Gasteig erhalten.“ Dass München, Bayern und der BR zu einer engen Zusammenarbeit bereit seien, sei eine weitere gute Nachricht. Zu lösen sei allerdings noch die Frage, wie man kleineren Veranstaltern, etwa von Jazz-Konzerten, künftig gerecht werde. Auch Oliver Jörg (CSU) begrüßte die von Spaenle vorgestellte Lösung, die „Synergieeffekte und einen effizienten Einsatz von Steuermitteln“ enthalte. Jörg appellierte an die Denkmalschützer, beim Herkulessaal zu Kompromissen bereit zu sein und zusätzliche 100 Sitzplätze zu ermöglichen.

Zum Tagesordnungspunkt „Haus der Kunst“ hatten die Abgeordneten ausführlich mit Direktor Okwui Enwezor und dem Kaufmännischen Leiter Marco Graf von Matuschka sprechen wollen. Am Ende reichte die Zeit nur für einen kurzen Austausch, der bei einer späteren Sitzung fortgesetzt werden soll. Das Haus der Kunst sei „ein Hotspot der zeitgenössischen Kunst in Deutschland“, so Spaenle. Der Freistaat nehme nun Geld in die Hand, um die nötigen Renovierungsarbeiten voranzutreiben. Enwezor erklärte, ihn freue besonders, dass der renommierte Architekt David Chipperfield für die Renovierung gewonnen worden sei. Das Haus der Kunst wolle stärker an das pulsierende Leben der Innenstadt heranrücken und für Besucher attraktiver werden. Da sich ein Umbau des äußeren Erscheinungsbilds aus Gründen des Denkmalschutzes verbiete, müsse man sich auf das Innere des Hauses konzentrieren. Dabei biete das Haus der Kunst nicht nur geeignete Räume für Ausstellungen, sondern auch etwa für Tanzdarbietungen, Kongresse und Lehrveranstaltungen. Er schaue sich derzeit weltweit um, wie andere Museen solche Ansätze erfolgreich umsetzen. „Eine Hülle ohne Inhalt“, mahnte Enwezor, „ist eben nur eine Hülle“.   

 

Seitenanfang