Bayerischer Landtag

Kunstausschuss: Dritter Aufnahmezyklus für das immaterielle Kulturerbe

Mittwoch, 28. Februar 2018
– Von David Lohmann –

Das UNESCO-Welterbe in Bayern ist weit über Deutschlands Grenzen hinaus bekannt – das immaterielle Kulturerbe kennen hingegen bisher deutlich weniger Menschen. Ein nationales Verzeichnis und ein eigenes bayerisches Landesverzeichnis sollen den Blick verstärkt auf die von Generation zu Generation weitergegebenen Traditionen, Riten und Techniken lenken. Am 20. März werden die diesjährigen Kandidaten gekürt (bayerische Nominierung für das Bundesverzeichnis).

Seit 2003 sammelt die UNESCO neben dem Welterbe auch das immaterielle Kulturerbe (IKE). Mittlerweile sind dem Übereinkommen 175 Staaten beigetreten, Deutschland 2013. Seitdem können Bewerber in jedem Bundesland alle zwei Jahre einen Aufnahmeantrag einreichen. „Jede Gruppe kann sich mit ihrer kulturellen Ausdrucksform bewerben“, erklärte der Regensburger Kulturwissenschaftler Prof. Dr. Daniel Drascek, der als Vorsitzender des achtköpfigen Expertengremiums die eingereichten Bewerbungen begutachtet.

Als IKE aufgenommen werden können mündlich überlieferte Traditionen und Ausdrucksformen, darstellende Künste, Bräuche, Rituale oder Feste, Wissen und Bräuche in Bezug auf die Natur und das Universum sowie traditionelle Handwerkstechniken. Zuletzt wurde das bayerische Feldgeschworenenwesen ins deutsche IKE-Verzeichnis aufgenommen. Darin befinden sich unter anderem auch die Lindenkirchweih Limmersdorf, die Oberammergauer Passionsspiele und das bayerische Reinheitsgebot beim Bier.

Staatssekretär Bernd Sibler (CSU) berichtete dem Ausschuss in nicht-öffentlicher Sitzung über die diesjährigen Kandidaten für das deutsche IKE-Verzeichnis. Die endgültige Entscheidung trifft der Ministerrat am 20. März. Vor zwei Jahren gab es 21 Anträge aus ganz Bayern – in allen anderen Bundesländern waren es weniger. „Wir haben einen anderen Heimatbegriff“, begründet Sibler die hohe Zahl. Jeweils vier Bewerber darf jedes Bundesland ins Rennen schicken. Da aber nicht alle die Anzahl voll ausschöpfen, konnte Bayern bisher immer mehr Kandidaten melden. Aufgrund der vielen Bewerbungen gibt es seit 2015 sogar ein eigenes bayerisches IKE-Landesverzeichnis.

Der Vorsitzende des Kunstausschusses, Prof. Dr. Michael Piazolo (FREIE WÄHLER), freute sich, dass „Bayerns Stämme“ so viele unterschiedliche Traditionen mitbringen. Er befürchtete allerdings durch die alle zwei Jahre stattfindende Ausschreibung eine „gewisse Inflationierung“ der IKE. Vizevorsitzender Oliver Jörg (CSU) sorgte sich, ob durch das staatliche Eingreifen Traditionen nicht künstlich stabilisiert werden. Dadurch drohten Kommerzialisierung und Folklorisierung.

Isabell Zacharias (SPD) lobte die vielen bayerischen Bewerbungen als „identitätsstiftend“. Sie wünschte sich aber wie bereits vor zwei Jahren, dass in Touristenbüros auch mit entsprechenden Prospekten für das IKE in Bayern geworben wird. Dr. Sepp Dürr (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) sah den ganzen Bewerbungsprozess skeptisch. Erstens müsse dieser für die Öffentlichkeit transparenter verlaufen. „Zweitens schaffen wir es in Bayern auch ohne staatliche Unterstützung Sitten und Gebräuche aufrechtzuerhalten.“

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