Bayerischer Landtag

Kunstausschuss: Kultusminister Spaenle informiert über Konzertsaal

Mittwoch, 27. April 2016
– Von Miriam Zerbel –

Dass der neue Konzertsaal München im Werkviertel am Ostbahnhof entstehen soll, ist seit Ende vergangenen Jahres bekannt. Wie der Sachstand jenseits der Standortfrage aussieht, erläuterte Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle den Mitgliedern des Kunstausschusses. Die Abgeordneten nutzten derweil die Chance, den Minister auf noch offene Erschließungs- und Finanzierungsfragen hinzuweisen.

Nach 15 Jahren Diskussion ist die Grundsatzentscheidung gefallen, nun galt es in den vergangenen Monaten Folgefragen zum neuen Konzertsaal in München zu klären und den weiteren Zeitplan abzustecken. Kunstminister Spaenle (CSU) informierte zunächst über die Konditionen zur Nutzung des Grundstücks. Dazu gab es Verhandlungen mit dem Eigentümer des Geländes am Ostbahnhof, die zu einer Erbpachtregelung führten. Die Erbpachtregelung räumt dem Freistaat ein besonderes Kündigungs- und Vorkaufsrecht ein und gilt auch für ein erweitertes Nutzungsrecht auf dem Grundstück. Die Zustimmung des Bauausschusses zum Erbpachtvertrag soll noch vor der Sommerpause eingeholt werden.

Eine weitere Leitentscheidung sei die Frage nach der Einbindung der Musikhochschule ins Werksviertel. Denn spätestens, wenn der Gasteig saniert wird, verliert die Hochschule ihre dortigen Räume. Die Baukosten zur Unterbringung der Hochschule im Gebäude am Ostbahnhof belaufen sich demnach auf rund 20 Millionen Euro. Eine Summe, die sich angesichts der ab 2031 zu zahlenden Miete spätestens nach zehn Jahren amortisiert habe.

Als Bauherr tritt der Freistaat Bayern auf. Eine verwaltungsinterne Lenkungsgruppe mit Beamten aus dem Finanz-, dem Innen- und dem Kultusministerium wird sich über die staatlichen Baumaßnahmen eng abstimmen. In einem künstlerischen Fachbeirat beschäftigen sich die Mitglieder mit technischen Details.

Ein erweiterter Fachbeirat mit Klassikexperten, Konzertorganisatoren und Musikern, wie dem Chefdirigent des BR-Symphonieorchesters Mariss Jansons oder der Geigerin Anne-Sophie Mutter, soll mit einbezogen werden. Dieser Fachbeirat konstituiert sich im Mai und berät zu architektonischer und akustischer Gestaltung sowie über Fragen des Raumprogramms. Daneben soll ein Akustikspezialist garantieren, dass eine Philharmonie mit hervorragender Akustik entsteht. Schon im Februar fand dazu ein Gespräch zwischen Jansons und dem Akustikexperten Yasuhisa Toyota statt.

Der weitere Zeitplan ist eng gestrickt. „Wir stehen unter hohem zeitlichen Druck, um das Projekt noch in dieser Legislaturperiode zu realisieren“, sagte Spaenle. So soll als nächstes die Ausschreibung für die Fachfirmen erfolgen. Kurz nach der Sommerpause ist der Billigungsbeschluss geplant, im „späten Sommer“ will Spaenle den EU-weiten Architekten-Wettbewerb ausloben.

Das Informationsangebot des Ministers traf bei den Abgeordneten fraktionsübergreifend auf Wohlwollen und wurde verbunden mit der Bitte, den Landtag auch weiterhin einzubinden. Mit Blick auf das Bauvorhaben am Gasteig bat zudem der Ausschussvorsitzende Professor Michael Piazolo (FREIE WÄHLER) um eine enge Abstimmung zwischen Stadt und Land. Die Frage, welche Rolle der Bayerische Rundfunk im Betreibermodell spielen wird, als Mieter oder Teilhaber, konnte Spaenle nicht abschließend beantworten. Zunächst müssten die Grundlagen geklärt werden, so der Minister. Kritik am fehlenden zweiten Durchstich am Ostbahnhof und die damit verbundene schlechte Anbindung des Werkviertels verwies Spaenle an die Bahn und als städtebauliche Aufgabe an die Stadt, mit denen man im Gespräch stehe. Zudem versicherte der Minister, die kulturpolitischen Aufgaben für ganz Bayern seien erfüllt und zählte verschiedene Projekte außerhalb Münchens auf. Damit reagierte er auf eine Mahnung aus den Fraktionen von SPD und Bündnis90/Die Grünen, der Konzertsaal dürfe nicht zulasten der Kultur im restlichen Land gehen.  

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