Bayerischer Landtag

Landwirtschaftsausschuss: Abgeordnete diskutieren Bericht zur Situation der Waldverjüngung 2012

Mittwoch, 7. November 2012
– Von Jürgen Umlauft –

Im Turnus von drei Jahren wird in Bayern das forstliche Gutachten zur Situation der Waldverjügung erstellt. Die neueste Erhebung legte Forstminister Helmut Brunner (CSU) dem Agrarausschuss vor. Demnach sind die durch Schalenwild an Jungbäumen verursachten Schäden im Vergleich zu 2009 spürbar zurückgegangen. Einzige Ausnahme ist der Bergwald in den Alpen. Nach den Worten Brunners ist im bayernweiten Durchschnitt der Anteil der forstlichen Hegegemeinschaften mit tragbarer oder günstiger Verbisssituation seit 2009 um die Hälfte auf 54 Prozent gestiegen, entsprechend rückläufig war der Anteil der Gemeinschaften mit zu hoher oder deutlich zu hoher Belastung. Als Folge können in gut zwei Dritteln der Hegegemeinschaften die Abschusszahlen konstant gehalten oder gar gesenkt werden.

„Wir sind in Bayern auf einem guten Weg, Wald und Wild in Einklang zu bringen", kommentierte Brunner die Zahlen. Es zeige sich, dass wald- und waidgerechtes Jagen keine Gegensätze sein müssten. Gleichzeitig appellierte er an die Jäger in den Regionen mit zu hohen Verbissschäden, „verantwortungsvolle Abschusspläne aufzustellen und diese dann tatkräftig umzusetzen“. Unverändert gelte der Grundsatz „Wald vor Wild“, die Bejagung müsse die natürliche Verjüngung des Baumbestandes im Wesentlichen ohne bauliche Schutzmaßnahmen ermöglichen. Ohne waldverträgliche Wildbestände könne der Umbau der bayerischen Forsten in stabile Mischwälder nicht gelingen, so Brunner.

Die SPD-Abgeordnete Maria Noichl zweifelte die Aussagekraft des neuen Gutachtens an. Wegen zahlreicher Veränderungen in der Erhebungssystematik sei es mit seinen Vorgängern nicht vergleichbar. Noichl warf Brunner vor, damit den „Weg der objektiven Bestandsaufnahme verlassen“ und sich vor allem den Lobbyinteressen der Jägerschaft ausgesetzt zu haben. Der Grüne Christian Magerl lobte den insgesamt positiven Trend, bezeichnete aber den erhöhten Verbiss bei Buchen und Tannen als nicht zufriedenstellend. „Hier wird der Baumnachwuchs vom Wild schlicht weggefressen“, so Magerl. Für die hohen Verbissschäden im Bergwald nahm Magerl den Minister in Mithaftung, da die Forsten dort größtenteils in Staatsbesitz seien. Leopold Herz (FREIE WÄHLER) nannte die Entwicklung „erfreulich“, warnte aber vor einem völligen Verzicht auf die Einzäunung von Jungbeständen. Ohne diese sei die Naturverjüngung der Wälder trotz großer Jagdanstrengungen nicht zu schaffen.

Mit Unverständnis reagierte Klaus Steiner (CSU) auf die Oppositionskritik. Brunner habe in seinem Bericht nichts beschönigt, bei der Erstellung des Gutachtens sei weder getäuscht noch getürkt worden. Deutlich werde ein positiver Trend, den es vor allem durch verstärkte Anstrengungen im Bergwald fortzusetzen gelte. Thomas Dechant (FDP) sprach von einer „funktionierenden Abschussplanung", die auf der verstärkten Eigenverantwortung vor Ort basiere. „So gute Zahlen wie dieses Mal hatten wir noch nie“, sagte Dechant über die seit 1991 erhobenen Verbissdaten.

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