Bayerischer Landtag

Landwirtschaftsausschuss: Abgeordnete diskutieren Waldflächenbilanz für Bayern

Mittwoch, 14. März 2012
– Von Jürgen Umlauft –

35 Prozent der Fläche Bayerns sind bewaldet – mit steigender Tendenz. Das geht aus der Waldflächenbilanz der Jahre 2000 bis 2010 hervor, die das Forstministerium dem Agrarausschuss vorlegte. Insgesamt steht auf knapp 2,5 Millionen Hektar des Landes Wald.

Nach der Liste des Forstministeriums gab es in jedem Jahr der vergangenen Dekade einen Zuwachs bei der Waldfläche. In der Summe stieg sie um 2682 Hektar. Dabei standen 5549 Hektar Erstaufforstungen 2867 Hektar Rodungen gegenüber. Diese wurden vorwiegend zur Nutzung als Verkehrs- oder Siedlungsfläche sowie zur Umwandlung in Ackerland vorgenommen. Tatsächlich dürfte der Waldflächenzuwachs noch größer sein, weil die Statistik natürliche Wiederbewaldungen nicht erfasst. Dies sei wegen der großen Flächenzahl nicht machbar, erklärte der zuständige Ministeriumsbeamte Dr. Stefan Nüßlein.

Nicht beziffern konnte Nüßlein auch die Auswirkungen durch die Änderungen im bayerischen Waldgesetz von 2010. Dieses definierte den Waldbegriff neu, um vor allem Abgrenzungsschwierigkeiten in der Almwirtschaft zu vermeiden. Die Neufassung habe nach den Erkenntnissen des Ministeriums aber kaum Auswirkungen gehabt, da die Rechtslage an die tatsächliche Situation angepasst worden sei. Einen Waldflächenverlust von 7000 Hektar, wie ihn die SPD-Abgeordnete Maria Noichl in Rede stellte, könne er „weder bestätigen noch dementieren“, so Nüßlein.

Noichl blieb bei ihrer Behauptung und bemängelte, dass das Ministerium nicht in der Lage sei, die konkrete Waldfläche Bayerns zu benennen. Für die Bearbeitung von Förderanträgen müsste diese eigentlich bekannt sein. „Wir können auf den Mond fliegen, wissen aber nicht, wieviel Wald wir in Bayern haben – das ist ein Armutszeugnis“, schimpfte Noichl. Die vorgelegte Bilanz bezeichnete sie deshalb als „geschönt und fiktiv“. Offenbar wolle sich Forstminister Helmut Brunner (CSU) seine positive Bilanz nicht verhageln lassen. Auch Adi Sprinkart (Bündnis 90/ Die Grünen) erklärte, er könne sich nicht vorstellen, „dass unsere Behörden eine solche Bilanz nicht auf die Beine bringen können – außer sie dürfen es nicht“.

Klaus Steiner (CSU) wies die Vertuschungsvorwürfe gegen das Forstministerium zurück. Dass traditionelle Nutzflächen der Almwirtschaft mit vereinzelten Bäumen aus der Waldfläche herausgenommen worden seien, sei notwendig gewesen, so Steiner. Thomas Dechant (FDP) sah keinen Grund, den vorgelegten Zahlen nicht zu trauen. „Die Zahlen liegen auf dem Tisch und sie weisen einen eindeutigen Zuwachs bei den Waldflächen aus“, so Dechant. Bayern verfüge über einen in jeder Hinsicht stabilen Wald. Leopold Herz (FREIE WÄHLER) warnte davor, dass zunehmend Waldflächen in Ackerland für den Maisanbau umgewandelt würden. Diese Entwicklung müsse trotz Waldzuwachs kritisch beobachtet werden.

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