Bayerischer Landtag

Landwirtschaftsausschuss: Abgeordnete werfen Blick auf Milchmarktentwicklung

Mittwoch, 26. November 2014
– Von Jürgen Umlauft –

Die bayerischen Milchbauern müssen sich weiter auf stark schwankende Erzeugerpreise einstellen. „Die Volatilität auf dem Milchmarkt wird in Zukunft eher zunehmen“, sagte die im Landwirtschaftsministerium zuständige Fachreferentin Elisabeth Viechtl im Agrarausschuss. Grund dafür seien vor allem die zum Teil extremen Preisausschläge auf dem Weltmarkt. Nachdem sich die bayerischen Milchbauern bis etwa Mitte des Jahres über Rekordpreise von über 40 Cent je Kilogramm Milch freuen konnten, befindet sich der Milchpreis gegenwärtig im Sturzflug. Gründe dafür sind weltweit steigende Milchproduktion und politische Einflüsse wie das Russland-Embargo oder die Krisen in traditionell starken Abnehmerregionen wie dem Nahen Osten oder Nordafrika. Erst ab Mitte 2015 ist nach Einschätzung Viechtls wieder mit einer Erholung des Milchpreises zu rechnen.

Um den bayerischen Milchbauern auch für die Zukunft ausreichend Einnahmen zu sichern, empfahl Viechtl eine stärkere Exportausrichtung der Milchwirtschaft. Zielmärkte könnten die Schwellenländer Asiens und Südamerikas sein, für die in den nächsten Jahrzehnten ein deutlicher Bevölkerungszuwachs vorhergesagt werde. „Die Zukunftsmärkte liegen eher nicht in Europa“, erklärte Viechtl. Gleichzeitig betonte sie, dass der Freistaat weiter auf eine bäuerliche Struktur bei der Milcherzeugung setze. Unabhängig von seiner Größe solle jeder Milchbetrieb in Bayern bestehen bleiben können, wenn der Eigentümer dies wolle. Dafür stehe eine ganze Reihe von Förderprogrammen zur Verfügung.

Die Opposition teilte die positive Einschätzung bezüglich einer Markterholung im kommenden Jahr nicht. Sie verwies auf den bevorstehenden Wegfall der EU-Milchquote, was wohl zu einer Ausweitung der Produktion und damit weiter sinkenden Preisen führen werde. Nötig sei eine stärkere Bündelung der Erzeugerinteressen gegenüber Molkereien und Einzelhandel sowie ein wirksames Krisenmanagement im Falle drastischer Preiseinbrüche, erklärte Horst Arnold (SPD). Ulrich Leiner (Bündnis90/Die Grünen) hinterfragte die Exportstrategie des Agrarministeriums, weil diese die bayerischen Bauern in die Abhängigkeit des instabilen Weltmarktes führe. Nach Ansicht von Leopold Herz (FREIE WÄHLER) sollte Bayern wirksame Instrumente gegen Milchmarktkrisen entwickeln. Ohne entsprechende Sicherungselemente sei der Erhalt bäuerlicher Strukturen im Freistaat nicht zu gewährleisten.

Die CSU lehnte staatliche Eingriffe in den Milchmarkt und in die Organisationsstrukturen der Milchwirtschaft ab. Diese seien weder zulässig noch sinnvoll, betonte Martin Schöffel. Mit bayerischen Maßnahmen allein sei der Milchpreis nicht zu stabilisieren. Nötig seien auf Bundes- und EU-Ebene zu verankernde „moderne Kriseninterventionsmechanismen“. Mit ihrer Mehrheit verabschiedete die CSU-Fraktion dazu einen eigenen Dringlichkeitsantrag. Weitergehende Vorstöße von SPD und FREIEN WÄHLERN lehnte sie ab.


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