Bayerischer Landtag

Landwirtschaftsausschuss: Agrarbericht 2012 vorgestellt

Mittwoch, 11. Juli 2012
– Von Eva Spessa –

In der Sitzung des Landwirtschaftsausschusses am 11. Juli stellte Martin Neumeyer, Amtschef im Landwirtschaftsministerium, den Bayerischen Agrarbericht 2012 vor. Während die Fraktionen den Bericht einhellig als wichtige Arbeitsgrundlage lobten, interpretierten und bewerteten sie die Zahlen teilweise recht unterschiedlich.

Die Landwirtschaft ist nach wie vor ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in Bayern: Zusammen mit vor- und nachgelagerten Bereichen erzielt die bayerische Land- und Forstwirtschaft rund 139 Milliarden Euro Umsatz pro Jahr und damit fast 15 Prozent aller in Bayern erwirtschafteten Umsätze. Die Zahl der Betriebe ab fünf Hektar Größe sei mit 97.000 im Jahr 2010 erstmals unter die 100.000er Marke gesunken, so Neumeyer. Zusätzlich gäbe es mehr als 15.000 kleinere Betriebe vorwiegend in Berg- oder Mittelgebirgsregionen: Diese Betriebe fördere man vor allem über die zweite Säule der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU. Bei der nach den Regeln des ökologischen Landbaus bewirtschafteten Fläche liegt Bayern mit 210.000 Hektar und einem Anteil von sechs Prozent an der gesamten landwirtschaftlich genutzten Fläche bundesweit an der Spitze. Die Zahlen zum Agrarexport bezeichnete Neumeyer als gut, aber nicht gut genug: Der Exportüberschuss sei schmal, und mit 83 Prozent bleibe der Löwenanteil der Exporte in der EU. Hier verwies er auf Potenziale vor allem in Asien und Südamerika.

Die Einkommenssituation der landwirtschaftlichen Betriebe hat sich für das Wirtschaftjahr 2010/2011 dank steigender Erzeugerpreise im Vergleich zu den vergangenen Jahren deutlich verbessert. Von Reichtum kann jedoch keine Rede sein: Das Durchschnittseinkommen in der Landwirtschaft liegt etwa 28 Prozent unter dem durchschnittlichen gewerblichen Einkommen und rund 43 Prozent des Gewinns der Haupterwerbsbetriebe stammen aus EU-Direktzahlungen. Neben Forstwirtschaft werden vor allem die erneuerbaren Energien und der Tourismus zunehmend als Einkommensalternative genutzt: Rund 70 Prozent der erneuerbaren Energien stammen aus der Landwirtschaft, und der „Urlaub auf dem Bauernhof“ verzeichnet etwa 12,6 Millionen Übernachtungen pro Jahr in Bayern. Dass trotz des demografischen Wandels so viele junge Menschen eine Ausbildung zum Landwirt absolvieren wie seit zehn Jahren nicht mehr, wertete Neumeyer als gutes Zeichen: „Sie sehen eine Zukunft in der Landwirtschaft.“ Mit Investitionen von jeweils fast 190 Millionen Euro in Dorferneuerung und Flurneuordnung in den vergangenen beiden Jahren bemühe man sich, den ländlichen Raum als Lebens-, Wohn- und Arbeitsstandort zu stärken: Ziel sei es, die Wertschöpfung im ländlichen Raum zu halten. Darüber hinaus will das Ministerium die Heimatverbundenheit der Verbraucher fördern, wenn es um landwirtschaftliche Produkte geht – zu diesem Zweck will man bis Ende des Jahres ein Regionalsiegel entwickeln. Der Ernährungsbildung im Allgemeinen wiederum dient das 2011 gegründete Kompetenzzentrum Ernährung, und seit Ende 2011 bieten alle 47 Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Bayern entsprechende Bildungsmaßnahmen für Familien an.

Die Maßnahmen zur Ernährungsbildung gingen Maria Noichl (SPD) nicht weit genug: Das Kompetenzzentrum könne nicht aufwiegen, was in der Fläche fehle – eine Ansicht, die die meisten Fraktionen teilten. Auch die Exportbemühungen sah sie kritisch, vor allem da es an der Versorgung des eigenen Marktes mit regionalen Gütern fehle. Annemarie Biechl (CSU) sah vor allem die regenerativen Energien als Chance für die Landwirtschaft, stellte die Forderung des Berichts nach der Erschließung neuer Geschäftsfelder im sozialen und haushaltsnahen Bereich jedoch in Frage: Viele Höfe seien bereits Altenheim und Kita für die Bauernfamilien und sparten dem Staat damit viel Geld. Die Landwirtschaft in Bayern sei grundsätzlich gut aufgestellt, betonte Ulrike Müller (FREIE WÄHLER). Im Bericht allerdings fehle im Grunde der komplette Energiebereich, und die Schlussfolgerungen aus Daten und Fakten sollten zukunftsorientierter sein. Adi Sprinkart (Bündnis 90/Die Grünen) wies darauf hin, dass sich die Absicht des Ministers, den ökologischen Landbau bis 2020 zu verdoppeln, nicht mit einem Rückgang der entsprechenden Förderungen vertrage: Dabei ginge es nicht nur um Geld, sondern auch um ein klares Signal. Gegen einen Anschub sei nichts einzuwenden, doch grundsätzliche sei die Vermarktung ihrer Produkte Aufgabe der Landwirtschaft und nicht des Staates, meinte Thomas Dechant (FDP). Darüber hinaus sei die Landwirtschaft durchaus auch ein Wirtschaftszweig und sollte sich als solcher dahingehend entwickeln, nicht im dem Maße wie heute auf Transferzahlungen angewiesen zu sein.

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