Bayerischer Landtag

Landwirtschaftsausschuss: Aussprache über den Waldbericht 2015

Mischwald in Bayern | © Bildarchiv Bayerischer Landtag

Mittwoch, 27. Januar 2016
– Von David Lohmann –

Der Klimawandel machte dem Wald in Bayern letztes Jahr schwer zu schaffen: Zuerst der Orkan Niklas, der im März mit Sturmböen von über 100 Stundenkilometern Bäume wie Streichhölzer niederholzte. Dann der Rekordsommer, der den Boden vielerorts austrocknen ließ. Nachdem selbst im Dezember 30 Prozent weniger Niederschlag als in normalen Wintern fiel, stehen Waldbesitzer 2016 vor großen Herausforderungen – das machte Landwirtschaftsminister Helmut Brunner (CSU) bei seinem Bericht im Landwirtschafsausschuss deutlich.

„Erste Auswertungen deuten auf Zuwachs-Einbußen von durchschnittlich etwa 30 Prozent über alle Baumarten hin“, erklärte der Minister. Das bedeute einen Zuwachs-Wert-Verlust für Bayern von rund 500 Millionen Euro. Ein weiteres Problem seien die vielen Borkenkäfer, die höchstens noch durch ein feuchtes Frühjahr etwas in Schach gehalten werden könnten. „Zudem“, betonte Brunner, „waren in vielen Regionen aufgrund der Bodentrockenheit im Herbst keine Pflanzungen möglich, die jetzt nachgeholt werden müssen.“

Insgesamt sei der Wald im Freistaat allerdings in einem guten Zustand: „Die Auswertungen der Bundeswaldinventur zeigen, dass Bayerns Wälder im bundesdeutschen Vergleich auf einem hervorragenden Weg sind“, unterstrich der Minister. Zwar sei der jährliche Nadel- beziehungsweise Blattverlust um 0,7 Prozent auf 20,7 Prozent gestiegen. „Die für die Stabilität der Wälder so wichtige Tanne wies dafür die geringste jemals erhobene Schädigung auf.“ Zukünftig sollen für die Überwachung auch moderne Methoden wie die satellitengestützte Fernerkundung erprobt werden.

Neben der ökologischen unterstrich Brunner auch die wirtschaftliche Bedeutung des Waldes: „Das Cluster Forst und Holz ist mit einem Jahresumsatz von 39 Milliarden Euro, rund 190.000 Beschäftigten und fast 700.000 Waldbesitzern ein Schlüsselressort“, verdeutlichte er. Aktuell werde sogar jedes fünfte Wohnhaus-Bauvorhaben in Bayern mit Holz realisiert. „Ökologie und Ökonomie im Wald sind kein Widerspruch“, versicherte der Minister. Er werde sich aus diesem Grund auch beim Doppelhaushalt 2017/2018 wieder dafür stark machen, Programme mit ausreichend Mitteln auszustatten.

Horst Arnold (SPD) begrüßte die Ankündigung, forderte bei den nächsten Haushaltsverhandlungen dennoch ein „Umdenken“: Die Forstwirtschaft habe 65 Millionen Euro an den Staatshaushalt abgetreten. „Das ist Geld, das die Forstwirtschaft selbst gut gebrauchen kann“, mahnte er. „Zum Beispiel, um die Zinsbelastung zu begleichen.“ Leopold Herz (FREIE WÄHLER) lobte die Initiative zur Bergwaldsanierung. Der Tannenanteil von aktuell acht Prozent sei jedoch für einen stabilen Mischwald noch viel zu niedrig. Er appellierte daher an Brunner, die bisherigen Projekte fortzuführen und auszubauen. Markus Ganserer (Bündnis 90/Die Grünen) forderte, den Waldumbau nicht zu unterschätzen und die vom Minister anvisierten 100.000 Hektar nur als erstes Zwischenziel zu sehen. „Dafür“, erläuterte er, „sind mehr als nur wie aktuell befristete Projektstellen nötig.“

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