Bayerischer Landtag

Landwirtschaftsausschuss: Bericht zum massivem Schädlingsbefall bayerischer Wälder

13. Juli 2016

- Von Ina Friedl -

München. Der Trockensommer 2015 macht Bayerns Wäldern zu schaffen. Die äußerst warmen und trockenen Verhältnisse bremsten nicht nur das Wachstum der Bäume, sondern machten die geschwächte Vegetation auch anfälliger für Schädlingsbefall. Der Borkenkäfer konnte drei Generationen ausbilden und fällt seit diesem Frühjahr über Bayerns Bäume her. Doch auch andere Schädlinge konnten sich ausbreiten. Und die Fichte ist längst nicht mehr alleine betroffen. Über den Ernst der Lage berichtet der Ministeriumsvertreter und Forstexperte Georg Windisch dem Landwirtschaftsausschuss des Landtags. Dabei geht es auch um Bekämpfungsstrategien und eine bessere Aufklärung der Waldbesitzer.

Den Wäldern in Bayern geht es schlecht: Zuerst der Orkan Niklas im Frühjahr 2015, dann der Hitzesommer 2015 und nun massiver Schädlingsbefall. Borkenkäfer, Kiefernprachtkäfer , Eichenprozessionsspinner oder Gebirgsfichtenblattwespen heißen die Insekten, die in ihrer Übermacht Waldbesitzer und Forstverwaltung herausfordern. „Die Fangzahlen sind besorgniserregend hoch“, sagt Georg Windisch vom Ministerium für Landwirtschaft und Forsten. Der Trockensommer 2015 ist schuld an dem massenhaften Auftreten der Schädlinge. Die Bäume gerieten in einen sogenannten Trockenstress und waren in ihrem geschwächten Zustand leichte Beute für allerlei Schädlinge. Diese bildeten soeben ihre dritte Generation aus und gedeihen prächtig. Forstverwaltung und Waldbesitzer sind höchst alarmiert und bekämpfen die Schädlinge mit hohem finanziellem und personellem Einsatz.

Der Fokus liegt auf der Beratung

Die Forstverwaltung stützt sich hierbei im Moment schwerpunktmäßig  auf eine Beratung der privaten Waldbesitzer. Der Großteil der Forstwirte sei zwar sehr verantwortungsbewusst im Umgang mit seinem Wald, aber es gäbe auch immer ein paar schwarze Schafe, die entweder aus mangelndem Interesse oder aus Unwissen, ihre Waldbestände nicht ausreichend kontrollieren und so zu einer Ausbreitung des Schädlingsbefalls beitragen, sagt Windisch. Sorge bereite ihm dabei die Zunahme an so genannten urbanen Waldbesitzer, die durch Erbteilung an ein Stück Wald geraten und denen das nötige Fachwissen oftmals fehle. „Wie kommt man denn an diese Waldbesitzer dran?“, fragt Gisela Sengl (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN). „Wir wollen keine Forstpolizei sein, sondern ein Partner für die Waldbesitzer“, antwortet Windisch. Die Aktionen des Ministeriums konzentrieren sich deshalb auf eine Beratung, die zum Beispiel über Infomaterial oder Abendkurse angeboten wird. „Außerdem legen wir den privaten Waldbesitzern nahe, in einen forstlichen Zusammenschluss einzutreten“, so Windisch weiter.

Wichtig ist es, den Befall möglichst früh zu entdecken

Klaus Steiner (CSU) lobt die gute Beratung durch die Forstverwaltung, weiß aber auch, dass sie nicht alle Waldbesitzer erreicht. Er erkundigt sich deshalb bei Windisch nach etwaigen Sanktionsmöglichkeiten gegen uneinsichtige oder untätige Waldbesitzer. Bei Gefahr im Vollzug bestünde die Möglichkeit einer Ersatzvornahme, deren Kosten plus zusätzliche Zwangsgelder der Besitzer zu tragen hätte, erklärt der Experte. Generell gilt: Für eine möglichst effektive Bekämpfung und Verhinderung der Ausbreitung muss der Schädlingsbefall so schnell wie möglich entdeckt und so schnell wie möglich bekämpft (gefällt) werden. Für die Kontrolle auf Befall stehen verschiedene Mittel zur Verfügung. Die gängigste: Eine Beschau zu Fuß durch Experten. Weitere Kontrollmittel wie Spurhunde  und Drohnen bringen Markus Ganserer (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) und Johann Häusler (FREIE WÄHLER) ins Gespräch. Dr. Ralf Petercord, Abteilungsleiter Waldschutz bei der Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft, bestätigt den Einsatz sowohl von Spürhunden als auch Drohnen, zeigt aber zugleich auf, dass der Einsatz Probleme birgt. Die Ausbildung der Spürhunde ist langwierig. Die Hunde müssen ständig im Training bleiben, um ihr Können nicht zu verlernen und nach 15  min Einsatz will ein solcher Spürhund erstmal wieder spielen und pausieren. Eine Hundestaffel bei der Forstverwaltung – undenkbar und auch nicht in der Zuständigkeit der Behörden, so Petercord. Auch Drohnen sind nicht flächenhaft einsetzbar: Für jeden Flug sind eigens Genehmigungen einzuholen, die die genaue überflogene Fläche und die genaue Flugzeit beinhalten müssen. Der Einsatz ist deshalb aufwendig und teuer und die Qualität der Aufnahmen ohnehin nicht gut genug aufgelöst.

Langfristig hilft nur der Umbau zu einem Mischwald

Langfristig und nachhaltig wirkt nur ein Mittel gegen invasiven Schädlingsbefall. Das ist der Umbau unserer Wälder zu einem klimatoleranten Mischwald. Das ist gleichermaßen die anerkannte wissenschaftliche Meinung und die Meinung des Ausschusses. In die Diskussion um klimatolerante Baumarten, die mit dem Klimawandel klar kommen, bringt Horst Arnold (SPD) die Douglasie, die Birke und die Weißtanne ein. Vor allem die Birke hält er für eine „salonfähige Baumart“, da sie auch ökonomische Vorzüge biete. Georg Windisch hält Birke und Weißtanne auch für geeignete Baumarten für den Waldumbau. Das Ministerium sucht aber im Moment verstärkt nach weiteren geeigneten Baumarten. So gibt es beispielsweise ein Projekt mit Rumänien, bei dem mit Baumarten aus dem sudosteuropäischen  Raum experimentiert werde. Ein verstärktes Bemühen um einen Ersatz für die hier so verbreitete Fichte ist schon deshalb geboten, weil sich der Schädlingsbefall in Bayern nicht mehr nur auf die Fichte beschränkt. Im Norden Bayerns gerät auch die Kiefer in Bedrängnis durch den Kieferprachtkäfer  und die Esche – einst ein Hoffnungsträger in Sachen Waldumbau – leidet massiv unter Eschentriebsterben.
Mit Aufklärung und finanzieller Unterstützung durch den Staat soll der Waldumbau hin zum klimatoleranten Mischwald gelingen. Schon im eigenen Interesse der Waldbesitzer: Neben dem ökologische Schaden bringt der Schädlingsbefall einen nicht unerheblichen ökonomischen Schaden mit sich.

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