Bayerischer Landtag

Landwirtschaftsausschuss: Expertenrunde zum Schutz der Bergwälder

Mittwoch, 4. Februar 2015
– Von Christina Metallinos –

Tourismus, Witterung, Wildtiere: Die Wälder in den bayerischen Alpen sind gleich mehreren Bedrohungen ausgesetzt – und erfüllen selbst etliche Schutzfunktionen. Bei einer Anhörung im Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten diskutierten deshalb Experten, Betroffene und Abgeordnete, wie man die Bergwälder auch in Zukunft besser schützen kann.


Für die Gemeinde Burgberg im Allgäu ist der Bergwald essentiell: Murenabgang und Hochwasser haben den Ort in den letzten zwei Jahrhunderten immer wieder aktiv bedroht. Burgbergs Bürgermeister Dieter Fischer sagt deshalb: „Es geht nur mit einem intakten Bergwald.“ Doch der Wald, der Menschen und Ortschaften wie Burgberg vor Naturgewalten schützen soll, muss selbst geschützt werden.

Vor mehr als 30 Jahren hat der Landtag mit einem Bergwaldbeschluss einen ersten Schritt dafür getan. In der Zwischenzeit sind die Bedrohungen für den Bergwald vielfältiger geworden – etwa durch Tourismus oder den fortschreitenden Klimawandel. „Der Klimawandel trifft den Bergwald doppelt“, sagt Georg Kasberger vom Forstamt Rosenheim, insbesondere mehr Starkregen und die Ausbreitung des Borkenkäfers seien die Folgen.

Wild führt zu Problemen im Wald

Fast alle Experten beziehen in einer Sache klar Stellung: Die Wildbestände sind ein Hauptproblem für die Waldbestände. „Ob Naturschutz oder Schutzwaldsanierung – wenn wir nicht eine verantwortungsvolle Jagd haben, nützt das alles nichts“, sagt Axel Doering, Vizepräsident der Alpenschutzkommission CIPRA in Deutschland.

Ähnlich sieht das Manfred Schölch von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf. Er nennt die Anpassung der Wildbestände, also die Jagd, eine Grundvoraussetzung für alle Umbaumaßnahmen in Sachen Bergwald: „Der Wildeinfluss besteht darin, dass Vegetation aufgefressen wird – damit fehlen Pflanzen, die Nährstoffe enthalten.“ Langfristig verschwinden so nicht nur junge Bäume, sondern auch Nährstoffe, die der Waldboden in Form von Humus bräuchte.

Christian Wanger, Leiter des Referats für Wasserwirtschaft im ländlichen Raum, Gewässerökologie, Wildbäche im Umweltministerium, denkt, dass durch eine ausreichende Bejagung die Pflanzen in den Wäldern genügend geschützt werden können, um so selbst als Schutz zu dienen. „Dann haben wir gute Chancen, dass der Lawinenschutz auch künftig ausreicht. Das steht und fällt mit der Bejagung“, so Wanger. Doch gerade an der gesellschaftlichen Akzeptanz für die Arbeit der Jäger im Gebirge mangele es oft, kritisieren mehrere Experten. Denn: „Jagd ist eine Dienstleistung am Ökosystem Wald“, so Axel Doering.

Warum der Wald so wichtig ist

Auch der Wirtschaftsfaktor Wald dürfe in Bayern nicht vernachlässigt werden. „Dieser Bergwald hat nach wie vor im Hinblick auf die Rohstoffversorgung eine relativ große Rolle inne“, sagt Michael Suda, Professor für Wald- und Umweltpolitik an der der TU München. Aber ist eine Bewirtschaftung immer notwendig? Nein, sagt Axel Doering, wo die Natur selbst leistungsfähig genug ist, sei das nicht sinnvoll. Ja, sagen dagegen die Professoren Manfred Schölch und Reinhard Mosandl – weil Naturwald alleine nicht ausreichend vor Lawinen schützt und nicht bewirtschaftete Flächen auch keine allzu gute Struktur zeigen würden.  

Aus Sicht von Hans Kornprobst vom Bund Naturschutz bringen die Bergwälder beste Leistungen für die Gesellschaft – stabile Wälder seien auch wirtschaftliche Werte. Defizite sehen er und mehrere Experten bei der Verjüngung und Regeneration der Wälder. Gerade die Tannenbestände im Gebirge sinken. Auch Reinhardt Neft von den bayerischen Staatsforsten sagt: „Hier müssen wir dran bleiben, insbesondere vor dem Hintergrund, dass die Verjüngung 30 bis 50 Jahre dauert.“

30 bis 50 Jahre für die Tanne, 100 bis 200 Jahre, bis ein Baum überhaupt erst richtig alt ist, so Michael Suda. Einig sind sich die Experten, dass der Schutz der Bergwälder nicht aufhören darf. Georg Kasberger vom Forstamt Rosenheim fordert, nicht zu warten, bis der Wald saniert werden muss. Vorbeugen statt Nachbessern, so die einstimmige Haltung der Expertenrunde – mit allen beteiligten Akteuren.

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