Bayerischer Landtag

Mehr Öko-Schweine für Bayern

Mittwoch, 07. Dezember 2016
– Von Ina Friedl –

Halbzeit für das Ziel des Ministers: Landwirtschaftsminister Helmut Brunner formulierte im Jahr 2012 den Plan, die Produktion von Bio-Lebensmitteln in Bayern bis 2020 zu verdoppeln. Vier Jahre sind seit her vergangen und es wurde viel in Bildung, finanzielle Förderung und Vermarktung investiert. Öko-Modell-Regionen sind entstanden und der Bio-Pakt Bayern ist geschmiedet worden. Ende 2015 ist das Bio-Siegel ins Leben gerufen worden. Vier Jahre sind es noch bis 2020. Ist das Ziel zu erreichen? Wolfgang Winzer aus dem Staatsministerium für Ernährung und Landwirtschaft gibt im Landwirtschaftsausschuss einen Zwischenbericht ab.

Lange Zeit galt die Meinung, ein Mastschwein könne nicht ökologisch aufgezogen werden. Käme es nach draußen an die frische Luft, würde es sich erkälten und sterben. Diese Ansicht ist inzwischen überholt. Trotzdem gibt es in Bayern nur sehr wenig Öko-Schweine. Der Grund: Die vorhandenen Schweineställe lassen eine ökologische Aufzucht nicht zu, ein Neubau ist teuer. Außerdem sind die Transportwege eines Öko-Schweins bis zum nächsten Schlachter oftmals sehr weit – und damit unrentabel für den Landwirt. Deshalb sind Öko-Mastschweine meist nur bei Bio-Direktvermarktern zu finden. Gleiches lässt sich auch bei der Geflügelhaltung beobachten. Johann Häusler (FREIE WÄHLER) fordert deshalb von der Staatsregierung eine Verbesserung der strukturellen Voraussetzungen.

Ganz anders in der Milchwirtschaft: Bayern ist das Bio-Milch-Land Nummer eins. Zunehmend stellen außerdem Ackerbau-Betriebe ihre Produktion auf Bio um. „Der Öko-Markt ist stetig wachsend“, sagt Wolfgang Winzer vom Landwirtschaftsministerium. Die Idee hinter dem Plan seines Ministers zur Verdoppelung der Bio-Produktion im Land, sei es, die Nachfrage im Inland zu decken. „Wir brauchen keine Frühkartoffeln aus Ägypten – sie wachsen auch in Bayern“. Dabei wähnt der Experte die Bayerische Staatsregierung auf einem guten Weg: Aktuell gibt es in Bayern etwa 8.000 Öko-Betriebe, die 260.000 ha Fläche nach ökologischen Richtlinien bewirtschaften. Als Referenz für den Verdopplungs-Plan gelten Zahlen aus dem Jahr 2010. Damals gab es 5.400 Betriebe und eine Öko-Fläche von gut 185.000 ha. Es sollen aber weder Betriebe noch Fläche verdoppelt werden – Betriebe sind unterschiedlich groß und eine Fläche bringt unterschiedliche Erträge hervor – sondern die Wertschöpfung.

Bis 2020 sei noch einiges zu tun, sagen Dr. Leopold Herz (FREIE WÄHLER) und Gisela Sengl (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) und Ruth Müller (SPD) findet: „Eine Verdopplung auf niedrigen Niveau ist kein besonders toller Erfolg“. Der Anteil an Bio-Betrieben in Bayern mache relativ gesehen nur acht Prozent aus. Generell aber begrüßen alle Parteien den Vorstoß des Ministers zu mehr Bio in Bayern und auch die neuen Programme des Ministeriums ernten Lob. Zum Beispiel die 12 Öko-Modellregionen, in denen mehrere Gemeinden zusammen eine Strategie zur Absatzsteigerung für regionale Bio-Lebensmittel erarbeiten und die durch einen staatlich-engagierten Projektmanager unterstützt werden. Oder der Öko-Pakt Bayern, in dem sich über 20 Organisationen zusammengeschlossen haben und sich damit verpflichtet haben, das Ziel des Ministers – Verdoppelung bis 2020 – zu unterstützen. Einziger Kritikpunkt aus dem Ausschuss: Gisela Sengl möchte, dass das Projekt Öko-Modellregionen besser finanziell ausgestattet werde, damit die staatlichen Projektmanager einen unbefristeten Arbeitsvertrag erhielten.

Die Zielsetzung bis zum Jahr 2020 vor Augen, hat das Bayerische Landwirtschaftsministerium den ökologischen Landbau auch an anderen Stellen gefördert: In der landwirtschaftlichen Ausbildung entstand eine zweite Fachschule mit ökologischer Schwerpunktsetzung und in den Lehrplänen der allgemeinen Berufsausbildung ist der ökologische Landbau nun fest verankert, was Gisela Sengl zwar begrüßt, was ihrer Meinung nach an Quantität noch ausbaufähig ist. Der neue Doppelhaushalt sieht mehr Mittel zur Förderung von Bio-Betrieben im Rahmen des Kulturlandschaftsprogramms (KULAP) vor und die Vermarktung der Bio-Produkte möchte man mit dem bayerischen Bio-Siegel ankurbeln. Das Siegel ist im Jahr 2015 modifiziert worden und um seine Bekanntheit zu steigern führt das Landwirtschaftsministerium regelmäßige Marketing-Aktionen durch. Diese seien auch nötig sind, findet Florian von Brunn (SPD) und unterstellt dem Bio-Siegel einen geringen Bekanntheitsgrad in der Bevölkerung. Das Bio-Siegel steht dabei nicht nur für biologisch erzeugt Lebensmittel, sondern auch für regional erzeugt Lebensmittel. Zwei Aspekte, die für Martin Schöffel (CSU) unbedingt zusammengehören: „Wer Bio kauft, muss auch auf Regio achten“, sagt er im Ausschuss und Johann Häusler (FREIE WÄHLER) findet: „Regionalität ist mindestens so wichtig, wie Bio“.

Bei der ganzen Diskussion um Bio-Lebensmittel dürfe man aber nicht den Eindruck erwecken, dass die Bio-Landwirtschaft die zukunftsfähigere Produktionsform sei, sagt Martin Schöffel. „Auch der konventionelle Landbau ist nachhaltig und wird ebenso gebraucht“.

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