Bayerischer Landtag

Landwirtschaftsausschuss: Mitglieder diskutieren Waldbericht 2010

Mittwoch, 7. Dezember 2011
– Von Jürgen Umlauft –

Nach den früheren Waldschadens- und Waldzustandsberichten präsentierte das Forstministerium dem Agrarausschuss heuer erstmals den nun nur noch alle drei Jahre erscheinenden Waldbericht. Dieser gibt nicht nur über den Zustand der Wälder in Bayern Auskunft, sondern beleuchtet auch den Wirtschaftsfaktor Wald, dessen gesellschaftliche Aufgaben und das Problemfeld Klimawandel. Nach den aktuellen Erhebungen hat sich der Waldzustand weiter leicht verbessert. Die Quote der Bäume ohne erkennbare Schäden lag mit 37,9 Prozent so hoch wie zuletzt vor dem Dürresommer 2003 (Vorjahr 33,9%). Der Anteil leicht geschädigter Bäume ging geringfügig auf 35,1 Prozent zurück, der der Bäume mit deutlichen Schäden auf 27 Prozent. Nach Einschätzung von Forstminister Helmut Brunner (CSU) setzt sich damit der „Erholungstrend" in den Wäldern Bayerns fort. Eine Ursache dafür sei der fortschreitende Waldumbau in klimatolerantere und stabilere Mischwälder.

Unter den Baumarten bereitet vor allem die Eiche Sorgen. 55,5 Prozent der Eichen in Bayern sind deutlich geschädigt, nur 21,1 Prozent gelten als gesund. Neu ins Blickfeld ist die Esche geraten, die unter einem bislang nicht bekämpfbaren Pilzbefall leidet. Mehr als 60 Prozent der bayerischen Eschen sind inzwischen infiziert. Überdurchschnittliche Schadanteile weisen noch immer Buche (45,5%) und Tanne (42,1%) auf, während die Fichte inzwischen die gesündeste bayerische Baumart ist. Fast die Hälfte der Fichten weisen derzeit keine Schadmerkmale auf. Als problematisch weist der Waldbericht die regional deutlich zu hohen Stickstoffeinträge in die Waldböden aus, was zu deren zunehmender Versauerung mit schwerwiegenden Folgen für die Vegetation und das Grundwasser führt. Bemängelt wird zudem der in zahlreichen Hegegemeinschaften zu hohe Rotwildbestand. Durch Verbissschäden werde hier die Naturverjüngung der Wälder erschwert.

Die SPD-Abgeordnete Maria Noichl begrüßte die Verbesserungen in den Forsten, betonte aber zugleich, dass noch immer knapp zwei Drittel der Bäume Schadmerkmale aufwiesen. Sie kritisierte, dass die Staatsregierung auch nach Jahren noch keine Strategie gegen die vorwiegend aus dem Straßenverkehr stammenden Stickstoffeinträge entwickelt habe und beim Waldumbau zu wenig Mittel einsetze, um die selbstgesteckten Ziele zu erreichen. Um ein klareres Bild vom Waldzustand zu erhalten, regte Noichl die Zusammenführung von Waldbericht und Verbissgutachten an. Außerdem forderte sie die jährliche Vorlage eines Waldberichts. Der neue Drei-Jahres-Turnus sei zu groß, um auf aktuelle Entwicklungen reagieren zu können.

Christian Magerl (Bündnis 90/Die Grünen) sprach beim Waldzustand von einer „Stagnation auf hohem Niveau". Die Lage könne insgesamt nicht befriedigen. Auch er forderte mehr Engagement beim Waldumbau, da mit dem Klimawandel „eine Zeitbombe für unsere Wälder tickt". Mehr in den Fokus der Forstpolitik müsse zudem rücken, dass inzwischen rund die Hälfte der Privatwaldbesitzer keine Landwirte mehr seien. Hier müsse die Beratungstätigkeit verstärkt werden, um die Forstbestände vital zu halten und vor Schäden zu schützen, mahnte Magerl. Leopold Herz (FREIE WÄHLER) sprach sich für eine Verstärkung der Forschungsaktivitäten zur Bekämpfung des Eschentriebsterbens aus.

Auf gutem Weg sah Klaus Steiner (CSU) den Wald in Bayern. Die vorhandenen Problemfelder würden von der Staatsregierung angepackt. Den neuen Waldbericht lobte Steiner als „ökonomischen, ökologischen und sozialen Wegweiser für die Waldentwicklung". Wegen der sich im Wald nur langsam vollziehenden Änderungen sei der nun gefundene Drei-Jahres-Rhythmus zur Vorlage des Berichts ausreichend. Thomas Dechant (FDP) sprach von einer „positiven Entwicklung im Wald". Durch die günstige Zuwachssituation gebe es in den Wäldern noch hohe Reserven für die Holznutzung, die unter anderem zur Bewältigung der Energiewende erschlossen werden könnten.

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