Bayerischer Landtag

Landwirtschaftsausschuss: Rezepte gegen die „Vermaisung der Landschaft“

Mittwoch, 15. Februar 2012
– Von Anna Schmid –

„Ein Blick in die Landschaft zeigt die Notwendigkeit des Handelns“ schrieb die SPD im vergangenen September auf ihren Antrag. Mit diesen knappen Worten begründete sie, warum sie von der Staatsregierung einen Bericht zum Thema „der Vermaisung der Landschaft entgegenwirken“ wollte. Die jedoch machte nun klar: Es ist wichtig, genau hinzuschauen. Denn ohne Mais wird es nicht gehen.

Die Pflanze ist gefragt, weil sie der Herstellung von Biogas dient: Das Gesetz über den Ausbau der Erneuerbaren Energien (EEG) von 2009 habe für eine Erhöhung des Maisanbaus für Biogasanlagen gesorgt, erklärte Dr. Werner Ortinger, Regierungsdirektor im Referat für Nachwachsende Rohstoffe im Landwirtschaftsministerium. Er betonte die Vorteile der Pflanze. Die Kosten für den Anbau seien gering, der Ertrag hoch und der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln kaum notwendig. Doch die Novelle des EEG in 2012, mit der der Einsatz von Mais in Biogasanlagen eingeschränkt wird, werde den Anbau verlangsamen.

Durch den zunehmenden Anbau einzelner Energiepflanzen entstehe ein eintöniges Landschaftsbild, die Lebensräume von Pflanzen und Tieren würden knapper und Bienen fänden weniger Blüten, erklärte Anton Magerl von der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG). Um dem entgegenzuwirken, entwickelt er mit seinen Mitarbeitern Saatmischungen aus vielen verschiedenen Wildpflanzen als Ergänzung. Sie können 60 bis 70 Prozent des Ertrages von Silomais bringen.

Eine Ergänzung zum Maisanbau könnte auch die Sorghum-Hirse sein. Ihren Anbau erprobt das Bayerische Technologie und Förderzentrum für Nachwachsende Rohstoffe. Die haushoch wachsende Pflanze ist ertragreich, kann zur Herstellung von Biogas verwendet werden ebenso wie als Futtermittel, Nahrung oder Rohstoff für die Ethanolproduktion. Sie kommt mit Trockenheit gut zurecht und ist so für den Klimawandel gewappnet. „Maisanbau muss keine Monokultur sein. Energiepflanzenanbau kann auch Vielfalt bedeuten“, sagt Leiter Dr. Bernhard Widmann.

Die Volksvertreter aller Fraktionen machten in der Aussprache deutlich, dass viele Bürger das Gefühl hätten, dass der Maisanbau in Bayern überhand nimmt. Die Abgeordneten überlegten außerdem, wie man den Landwirten den Anbau anderer Energiepflanzen schmackhaft machen könne.

„Ökonomie und Ökologie müssen stimmig sein. Daran zweifelt keiner“, sagte Gudrun Brendel-Fischer (CSU). Viele Bürger hätten lediglich eine laienhafte Vorstellung von dem, was in der Landwirtschaft passiert, sagte ihr Parteikollege Klaus Steiner. Umso wichtiger sei es, sie genau zu informieren. Der Generalverdacht gegen die Landwirte sei „verheerend“ und der Begriff „Vermaisung“ eine „Katastrophe“.

Der gleichen Meinung ist der Ausschussvorsitzende Albert Füracker, selbst Landwirt. Er betonte, dass es in der Sitzung um Maisanbau gehe, nicht um Biogas. Der Anbau von Silomais, aus dem der Rohstoff hergestellt wird, sei seit 1988 lediglich um sechs Prozent gestiegen.

Wir haben die Energiewende beschlossen und müssen diesen Bereich weiter ausbauen, sagte Thomas Dechant (FDP). Wo Deckungsbeträge und Attraktivität der Alternativen fehlten, müsse man das ausgleichen, sagte er.

Maria Noichl (SPD) kritisierte, dass der Regierungsbericht sich vor allem mit Alternativen zum Maisanbau beschäftigte. Sie sagte, sie hätte sich einen zweiten Teil gewünscht, der sich mit der gegenwärtigen Situation und den Veränderungen durch den Maisanbau beschäftigt.

„Die Landwirte bauen den Mais an, weil sie so mehr Geld verdienen. Jeder Betrieb muss betriebswirtschaftlich arbeiten“, sagte Ulrike Mülle (FREIE WÄHLER). Es sei wichtig, weiterzuforschen und Alternativen zu schaffen, die für die Landwirte attraktiv sind.

Adi Sprinkart (Bündnis 90/Die Grünen) brachte eine vorgegebene Fruchtfolge oder die Förderung alternativer Pflanzen ins Spiel. Denn anders lasse sich nur ein kleiner Kreis von Landwirten von Alternativen überzeugen.

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