Bayerischer Landtag

Sozialausschuss: Atypische Beschäftigungsverhältnisse erschweren immer häufiger Start in das Berufsleben

Donnerstag, 14. April 2011
– Von Jürgen Umlauft

Die Jugendarbeitslosigkeit in Bayern nähert sich mit aktuell 3,4 Prozent neuen Tiefstständen an. Trotzdem ist der Zugang zum Arbeitsmarkt für junge Menschen auch im Freistaat nicht ohne Probleme. Das wurde in einem Bericht des Arbeitsministeriums im Sozialausschuss deutlich. Vor allem steigt die Zahl der sogenannten „atypischen Beschäftigungsverhältnisse". Nach offizieller Statistik sind bereits 22 Prozent der unter 25-Jährigen in Bayern im Anschluss an ihre berufliche oder akademische Ausbildung dazu gezwungen, schlecht bezahlte Praktikums- oder Zeitvertragsstellen anzunehmen. Die Opposition forderte die Staatsregierung auf, dieser Entwicklung entgegenzuwirken.

Wie das Arbeitsministerium im Ausschuss mitteilte, sind die Beschäftigungschancen für Jugendliche in keinem anderen Bundesland so gut wie in Bayern. Dennoch gebe es noch Ansatzpunkte für Verbesserungen. So sei ein Drittel der jugendlichen Arbeitslosen mangels vorheriger Versicherungspflicht auf Hartz-IV-Leistungen angewiesen. Mehr als 40 Prozent der betroffenen Jugendlichen hätten keine abgeschlossene Berufsausbildung, der Ausländeranteil liege mit 15 Prozent über der Ausländerquote an der Wohnbevölkerung. Zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit gehe die Staatsregierung in zwei Stufen vor. So werde die Übergangsphase von der Schule zur Lehre durch Berufsvorbereitung und Betriebspraktika flankiert, der Wechsel von der Ausbildung die Regelbeschäftigung unter anderem durch das Programm „Fit for Work". Gegen die steigende Zahl an „atypischen Beschäftigungsverhältnissen" habe die Staatsregierung keine direkte Handhabe, solange bei den Arbeitsverträgen der Rechtsrahmen eingehalten werde.

Die SPD-Sozialpolitikerin Angelika Weikert zweifelte die Ministeriumszahlen bei den „atypischen Beschäftigungsverhältnissen" als zu niedrig an. Gewerkschafter und Arbeitsvermittler sprächen von einer Quote zwischen 40 bis 50 Prozent. „Die jungen Leute bekommen damit gerade in der Familiengründungsphase keinen Boden unter die Füße", beklagte Weikert. Auch vom Erwerb der eigenen vier Wände könnten sie nur träumen. Weikert mahnte die Staatsregierung, wenigstens im öffentlichen Dienst mit gutem Beispiel voranzugehen, anstatt die Eingangsgehälter für Berufsanfänger weiter zu kürzen. Zudem forderte sie individuell abgestimmte Förderangebote für Jugendliche beim Übergang von der Schule ins Berufsleben. „Wenn 40 Prozent der jugendlichen Arbeitslosen ohne Ausbildung sind, zeigt das, dass an dieser Nahtstelle weiter Handlungsbedarf besteht", so Weikert. Nötig sei unter anderem ein flächendeckendes Angebot an Berufsfachschulen und Berufsvorbereitungskursen. Maria Scharfenberg (Bündnis 90/Grüne) mahnte mehr Anstrengungen bei der Weiterqualifizierung von Jugendlichen an. Dies sei eine Chance, den Fachkräftemangel einzudämmen.

Gudrun Brendel-Fischer (CSU) erklärte dagegen, „die Zahlen des Sozialministeriums sprechen für die Initiativen des Freistaats und der Wirtschaft". Die Gesamtentwicklung sei „vorsichtig positiv". Der sich abzeichnende Fachkräftemangel werde aus ihrer Sicht zur einer Reduzierung der „atypischen Beschäftigungsverhältnisse" führen. Im Wettbewerb um die besten Köpfe würden es sich die Unternehmen nicht mehr erlauben können, Berufseinsteiger gering zu bezahlen. Bei der weiteren Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit müsse die Arbeit mit den Eltern verstärkt werden, um vor allem Problemfamilien davon zu überzeugen, dass eine gute Ausbildung der Grundstein für ein selbstbestimmtes Leben sei. Schwerpunkte sah Brendel-Fischer zudem darin, vermehrt Jugendliche mit Migrationshintergrund für die duale Ausbildung zu motivieren und über die Berufsberatung eine Lenkung hin zu Mangelberufen zu erreichen.

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