Bayerischer Landtag

Sozialausschuss: Fachgespräch über „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“

Donnerstag, 28. September 2017
– Von Jan Dermietzel –

„Was geleistet wird, ist von unschätzbarem Wert.“ Mit diesen Worten eröffnete Ausschussvorsitzender Joachim Unterländer (CSU) das Fachgespräch des Ausschusses für Arbeit und Soziales, Jugend, Familie und Integration zum Thema „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“. Denn Familienleben ist kein reines Privatleben, sondern von einem breiten Aufgabenspektrum geprägt. Von der Erziehung kleiner Kinder über Hausarbeit bis zur Pflege kranker oder betagter Angehöriger. „Wie sich Familie und Beruf besser vereinbaren lassen, darüber müssen wir künftig genau so intensiv diskutieren wie zum Beispiel über den Umweltschutz“, forderte Unterländer.

„Was geleistet wird, ist von unschätzbarem Wert.“ Mit diesen Worten eröffnete Ausschussvorsitzender Joachim Unterländer (CSU) das Fachgespräch des Ausschusses für Arbeit und Soziales, Jugend, Familie und Integration zum Thema „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“. Denn Familienleben ist kein reines Privatleben, sondern von einem breiten Aufgabenspektrum geprägt. Von der Erziehung kleiner Kinder über Hausarbeit bis zur Pflege kranker oder betagter Angehöriger. „Wie sich Familie und Beruf besser vereinbaren lassen, darüber müssen wir künftig genauso intensiv diskutieren wie zum Beispiel über den Umweltschutz“, forderte Unterländer.

Dr. Elfriede Schießleder vom bayerischen Landesverband des Katholischen Deutschen Frauenbunds erklärte gleich zu Beginn, die Vereinbarkeitsdebatte drehe sich immer noch zu stark allein um Frauen und Mütter, bei denen immer noch „die Hauptlast unbezahlter Sorgearbeit“ liege. Diese traditionelle Rollenverteilung will der Frauenbund aufbrechen und fordert „mehr Partnerschaftlichkeit“ zwischen Mann und Frau. Dazu gehöre unter anderem ein Rechtsanspruch auf Rückkehr von der Teilzeit in die Vollzeit. Zudem seien Pflegeberufe unterbezahlt. „Da kann mir kein Wirtschaftler erzählen, dass das gerecht ist“, so Schießleder.

Elfriede Kerschl von der IHK München und Oberbayern entgegnete, der Rechtsanspruch auf Rückkehr in die Vollzeit „mag in großen Konzernen bewältigbar sein, aber ein Unternehmen mit 40 Mitarbeitern stellt so etwas vor große Probleme“. Schließlich hätten nicht alle 40 Mitarbeiter ähnliche Aufgaben, sondern allenfalls jeweils zwei bis drei. Grundsätzlich sei es auch aus rein wirtschaftlicher Sicht gut, angesichts des Fachkräftemangels möglichst viele Menschen ins Arbeitsleben zu integrieren. „Das ist kein reines Frauenthema“, so auch Kerschl, die vor allem Bildungseinrichtungen in die Pflicht nahm: „Wir brauchen mehr Ganztags- und mehr Ferienbetreuung für Kinder.“

Den Deutschen Gewerkschaftsbund, Bezirk Bayern, vertrat Martha Büllesbach. Sie kritisierte, dass im Freistaat immer noch das „Ernährermodell“ vorherrsche mit einem Familienvater als Alleinverdiener und einer Ehefrau und Mutter, die sich zuhause um die Kinder kümmere. Weiterhelfen könne aber nur „mehr Gleichberechtigung“. Dies griff Doris Reinecke vom Sozialreferat der Stadt Nürnberg auf: „Wer Frauen stärken will, muss Männer ermutigen.“ Zu viele hielten sich am Arbeitsplatz für unverzichtbar. Die Politik müsse Antworten finden für die sogenannte Sandwich-Generation, die sich sowohl um die kleine Kinder als auch oft um bereits gebrechliche Eltern kümmern müsse.

Bernadette Dick vom Würzburger „Projekt Junge Eltern und Beruf“ des Sozialdienstes katholischer Frauen forderte mehr Möglichkeiten und auch Förderung für junge Frauen und Mütter, sich in Teilzeit aus- und weiterbilden zu lassen. Und dahingehende Projekte dürften nicht enden, sobald der Ausbildungsplatz sicher sei. „Es hat durchaus Sinn, junge Frauen bis hin zum ersten Arbeitsplatz zu begleiten.“

Für die Regionaldirektion Bayern der Bundesagentur für Arbeit erklärte Angelika Gössl, zum Beispiel der öffentliche Dienst könnte mit gutem Beispiel vorangehen und mehr Teilzeitausbildungen anbieten. Außerdem regte sie an, die Hausarbeit stärker zu thematisieren. Haushaltsnahe Dienstleistungen seien ein großer Arbeitsmarkt, „in dem leider viel zu viel schwarz gearbeitet wird“.

Helga Jäger vom Verband alleinerziehender Mütter und Väter (VaMV) forderte vor allem mehr Kinderbetreuung zu sogenannten Randzeiten, damit Eltern auch mal eine Überstunde machen können und nicht von der Arbeit zur Kita hetzen müssen. Es gebe in einigen Bundesländern bereits lobenswerte Pilotprojekte, in denen Kinder nicht in einer Einrichtung, sondern zuhause betreut werden könnten. Aber auch bei Erziehern, warf Elfriede Kerschl von der IHK ein, herrsche „leider immer noch Fachkräftemangel“.

Es bleibt noch viel zu tun. Darin waren sich die Abgeordneten mit den anwesenden Expertinnen einig. Die großen Stellschrauben für solche Themen, darauf verwies am Ende Angelika Weikert (SPD), „liegen aber eher auf Bundes- als auf Landesebene“.

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