Bayerischer Landtag

Sozialausschuss: Qualifizierungsoffensive für Erzieherinnen- und Erzieherberufe

Donnerstag, 5. Dezember 2013
- Von Anna Schmid -

Erzieherinnen und Erzieher sind begehrt. Um den Fachkräftemangel in Bayern zu beheben und 1000 zusätzliche Erzieher zu gewinnen, hat das Sozialministerium eine Qualifizierungsoffensive ins Leben gerufen, mit der sich Angehörige von Erziehungsberufen zu pädagogischen Fachkräften ausbilden lassen können.

Im Sozialausschuss gab Ministerialrat Johann Eirich den Abgeordneten dazu einen Bericht. Für das Programm „Ergänzungskräfte zu Fachkräften“, das sich an Kinderpfleger, Heilerziehungspfleger oder Grundschullehrer richtet, standen 29 Millionen Euro in den Jahren 2012/2013 zur Verfügung, 1200 Personen seien gefördert worden.

Die zukünftigen Fachkräfte können ihre Weiterbildung in unterschiedlichen Modellen mit einem Zertifikat oder einer externen Prüfung an den Fachakademien für Sozialpädagogik abschließen, erläuterte Eirich weiter. Für alle gelte eine neun Monate lange theoretische Ausbildung. Quereinsteiger absolvierten eine um sechs Monate verlängerte Praxisphase von einem Jahr.

In jedem Regierungsbezirk habe man mindestens zwei Kurse für je 25 Personen angeboten, die meisten davon in Oberbayern. Die Stellen, die frei wurden, weil sich Kinderpfleger weiterbilden ließen, seien wieder besetzt.

Die Maßnahme sei ein Erfolgsmodell. Aufgrund der großen Nachfrage solle es in den kommenden zwei Jahren 20 weitere Kurse geben. Im Nachtragshaushalt 2014 habe man dafür bereits 1,33 Millionen Euro an Mitteln angemeldet.

Auch der Ausschussvorsitzende Joachim Unterländer (CSU) sprach von einem Erfolgsmodell. Ziel sei es, den Fachkräftemangel zu beseitigen und Kinderpflegern mehr Perspektiven zu bieten. Er begrüßte die weiteren 20 Kurse ausdrücklich – diese seien jedoch lediglich ein einzelner Baustein und allein nicht ausreichend. Zusätzlich müssten die Rahmenbedingungen für Erzieher verbessert werden, zum Beispiel im Hinblick auf Bezahlung und Aufstiegschancen.

„Wir akzeptieren das nur als kleines Teil vom großen Ganzen“, sagte die SPD-Abgeordnete Doris Rauscher. Sie begrüßte die Initiative, weil sie Ergänzungskräften Aufstiegschancen bietet, sprach jedoch auch von einer „Mogelpackung“ und einem „Verschiebebahnhof“, denn es handle sich lediglich um eine Qualitätslagerung, durch die nicht unbedingt mehr Personal geschaffen würde.

Gabi Schmidt (FREIE WÄHLER) fragte, ob die Kurse denn ausgebucht gewesen seien, wie viele Teilnehmer sie beendet hätten und wie viele Absolventen dann tatsächlich in den Beruf gehen. Um den Beruf des Erziehers attraktiver zu gestalten schlug sie vor, das Personal im Verwaltungsbereich zu entlasten.

Auch Christine Kamm (Bündnis 90/Die Grünen) begrüßte die Weiterbildungsmöglichkeiten, auch weil die Zahl integrativer Tagestätten wächst. Sie nannte das Stichwort „Schleckerfrauen“ und fragte, was aus der angedachten Kurzausbildung für gänzlich fachfremde Personen geworden sei. Ihre Parteikollegin Kerstin Celina fand den Bericht „zu kurz“. Sie wollte wissen, wie viele qualifizierte Kräfte in den nächsten Jahren benötigt würden.

Das Sozialministerium gehe davon aus, dass bis Ende des kommenden Jahres 3000 zusätzliche Fachkräfte benötigt werden, so Eirich. Ein Drittel des Bedarfs könne durch die Qualifizierungsmaßnahmen gedeckt werden. Um an diesen teilzunehmen, antwortete er auf die Frage der Grünen-Abgeordneten, müsse man im Sinne der Qualität gewisse Voraussetzungen mitbringen, etwa eine zwei Jahre lange pädagogiknahe Berufsausbildung.

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