Bayerischer Landtag

Staatsminister Thomas Kreuzer berichtet über Filmförderung in Bayern

Dienstag, 6. Dezember 2011
Staatsminister Thomas Kreuzer und FilmFernsehFonds-Geschäftsführer Klaus Schäfer nehmen Stellung zur Kritik des Obersten Rechnungshofes

- Von Zoran Gojic -

Es wäre vielleicht ratsam, bei der nächsten Beratung des Haushaltsausschusses zum Thema „Filmförderung“ Michael „Bully“ Herbig als Experten einzuladen. Bei der Sitzung am 6. Dezember 2011 jedenfalls wurde kein Name öfter genannt, als es um das Phänomen des „Erfolgdarlehens“ ging. Gemeint ist eine Besonderheit bei der Filmförderung. Filmförder-Darlehen werden üblicherweise nach Prüfung durch einen unabhängigen Vergabeausschuss des FilmFernsehFonds (FFF) Bayern vergeben. Erfolgsdarlehen gehen hingegen ohne Zustimmung dieses Gremiums an Filmemacher, deren vorhergehendes Projekt bereits gefördert worden war und sich als erfolgreich erwiesen hat. Der Oberste Rechnungshof (ORH) hatte diesen Automatismus moniert.

Staatsminister Thomas Kreuzer (CSU), als Leiter der Staatskanzlei zuständig für Medien, rechtfertigte vor dem Haushaltsausschuss diese Praxis. Gerade erfolgreiche Produzenten sollten ja durch die Förderung am Filmstandort Bayern gehalten werden. „Die Konkurrenz ist groß. Nordrhein-Westfalen und Berlin haben ihre Etats aufgestockt“, sagte Kreuzer. Zudem sei der wirtschaftliche Nutzen der Filmförderung schon am Produktionsvolumen von 295 Millionen Euro abzulesen, das die Filmwirtschaft 2010 in Bayern hatte. Die ausgeschütteten Fördermittel lagen bei rund 28 Millionen Euro. „Filmförderung schafft Arbeitsplätze und stärkt die kulturpolitische Rolle Bayerns“, bekräftigte Kreuzer. Das Erfolgsdarlehen biete zudem die Möglichkeit, unbürokratisch und flexibel Finanzierungslücken zu schließen. „Film ist ein Hochrisikogeschäft. Wenn wir nicht fördern, werden keine Filme mehr gedreht. Das gilt selbst für Erfolgsfilmer wie Bully Herbig, betonte Kreuzer.
Auch die Kritik des ORH an der Finanzierung des Friedenspreises des Deutschen Films im Rahmen des Filmfests München, wies Kreuzer zurück. Dies sei einer der Höhepunkte des Festivals und eine Auszeichnung mit „Strahlkraft weit über Deutschland hinaus“. „Entweder man schafft den Preis ab oder gibt ausreichend Geld, um ihn vernünftig auszurichten. Langsam aushungern lasse ich ihn nicht – und wir wollen diesen Preis“, erklärte Kreuzer. Die Anregung des ORH, die Fördermittel für den Filmnachwuchs nachhaltig zu erhöhen habe der FFF bereits umgesetzt und 30 Prozent aufgeschlagen.
Den Einwand von Volkmar Halbleib (SPD), angesichts der Gesamtsumme der Fördermittel seien die Mittel für die Nachwuchsförderung dennoch ziemlich gering, wies FFF-Geschäftsführer Klaus Schäfer zurück. „Studentenfilme haben viel niedrigere Budgets als Spielfilme. Und das ist auch vernünftig so.“, sagte Schäfer.

Mannfred Pointner (FREIE WÄHLER) meldete grundsätzliche Zweifel am System an, Kinoproduzenten am Vergabeausschuss vorbei Mittel zu gewähren, weil deren vorheriger Film erfolgreich war. In dieselbe Kerbe schlug Eike Hallitzky (Bündnis 80/Die Grünen), der noch weiter ging und forderte, bei der Filmförderung nicht ausschließlich ökonomische Interessen in den Vordergrund zu stellen. „Wenn es reine Wirtschaftsförderung sein soll, muss man es auch so nennen. Filmförderung soll auch Kulturpolitik sein und dafür sorgen, dass möglichst viele Filme gefördert werden, die einen bestimmten Qualitätsstandard versprechen. Der neue Herbig-Film zum Beispiel darf einem anderen Projekt nicht die Mittel abnehmen. Herbig hat ja bereits Erfolg, dank der Förderung“, kritisierte Hallitzky. Zudem verstehe er aus haushälterischer Sicht die rasanten Budgetbewegungen für den Friedenspreis des Deutschen Films von 25 000 Euro auf 167 00 Euro und dann zurück auf 84 000 Euro binnen vier Jahren nicht. Am Ende wurde Kenntnisnahme des Berichts beschlossen. Ohne Einladung an Herbig.

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