Bayerischer Landtag

Umweltausschuss beschäftigt sich mit den Auswirkungen nichtionisierender elektromagnetischer Strahlung

Donnerstag, 5. Juli 2012
– Von Anna Schmid –

Telefonisch sind wir immer und überall auf dem Handy erreichbar und mit dem Smartphone kaufen wir Fahrkarten, lesen Nachrichten oder lassen uns zum nächsten Restaurant lotsen. 20 Jahre, nachdem der digitale Mobilfunk in Deutschland an den Start ging, möchten die meisten Menschen nicht mehr auf ihren mobilen Begleiter verzichten. Umstritten ist aber, wie schädlich die elektromagnetische Strahlung von Mobilfunkmasten, Wlan oder Bluetooth ist.

Um Klarheit zu über die Auswirkung zu gewinnen, die die nichtionisierende elektromagnetische Strahlung unterhalb der geltenden Grenzwerte auf Lebewesen hat, hatte der Umweltausschuss zu einer Expertenanhörung in den Senatssaal geladen.

Unterhalb der Grenzwerte hätten Experten bisher keine schädlichen Auswirkungen auf die Gesundheit nachgewiesen, hieß es aus dem Bayerischen Umweltministerium. Dessen Vertreterin, Dr. Evi Vogel, sprach sich deshalb gegen eine Absenkung der Grenzwerte aus.

Auch laut Bundesamt für Strahlenschutz gibt es keine Anhaltspunkte, die bestehenden Werte anzuzweifeln, so Dr. Gunde Ziegelberger. Weder niedrigfrequente Strahlung, wie sie zum Beispiel von elektrischen Leitungen ausgeht, noch die hochfrequente von Mobilfunkantennen hätten dem aktuellen Forschungsstand zufolge unterhalb des Grenzwertes Einfluss auf die Gesundheit der Menschen. So konnten die Wissenschaftler des Deutschen Mobilfunk Forschungsprogramms (DMF) nicht belegen, dass Handymasten den Schlaf stören, Tinnitus verursachen oder die Hirnleistung beeinträchtigen.

Ob eine intensive Handynutzung wirklich das Risiko erhöht, an einem Hirntumor zu erkranken, könne man bisher noch nicht absehen, erklärte Ziegelberger. Denn es dauert Jahrzehnte, bis ein Hirntumor ausbricht und die Zahl derer, die seit über zehn Jahren mit dem Handy telefonieren, sei noch zu gering. Genauso wisse man derzeit noch nicht, ob Kinder auf hochfrequente Strahlung empfindlicher reagieren als Erwachsene. In Anbetracht der herrschenden Unsicherheiten sei Vorsorge geboten, zum Beispiel indem die Bevölkerung einer möglichst geringen Strahlenbelastung ausgesetzt wird.

Arbeiten, die von der Industrie finanziert werden, finden mit hoher Wahrscheinlichkeit keine Effekte, zitierte der Arzt Dr. Joachim Mutter entsprechende Untersuchungen. Zu fast jeder Studie, die positive Effekte gefunden habe, gebe es eine Studie, die nichts entdeckt habe. Die Forschungslage sei unklar, aber es gebe viele Hinweise. Er glaubt, dass das Risiko unterschätzt wird, wenn man diese nicht berücksichtigt. Ob Asbest, Nikotin oder Dieselabgase – über die Schädlichkeit vieler Stoffe habe man viele Jahre diskutiert, bevor am Ende doch die Kritiker recht bekommen hätten, sagte er.

Dr. Ulrich Warnke, bis zu seiner Pensionierung naturwissenschaftlicher Dozent an der Universität des Saarlandes, betonte, dass Zivilisationskrankheiten wie das Chronische Erschöpfungssyndrom oder Multiple Chemische Sensibilität zunehmen – mit Schuld daran ist seiner Auffassung nach auch der Mobilfunk.

Über mögliche Schäden der Strahlung werde weltweit diskutiert, sagte Josef Opitz von der Bundesnetzagentur. Es gebe Hinweise darauf und denen werde auch nachgegangen. Er äußerte Verständnis für die Sorgen der Bürger, aber solange es keine einheitlichen, wissenschaftlichen Nachweise gebe, müsse man auch nicht über ein Absenken der Grenzwerte diskutieren.

135 Wortmeldungen stellte der Ausschussvorsitzende Dr. Christian Magerl (Bündnis 90/Die Grünen) am Ende des Vormittags fest – ungewöhnlich viele. Das Thema und seine vielen verschiedenen Aspekte werden den Ausschuss sicher noch lange beschäftigen, stellte er fest.

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