Bayerischer Landtag

Umweltausschuss: Besichtigung einer Erfolgsgeschichte - Renaturierung des Labertals

Freitag, 27. Mai 2011
- Von Zoran Gojic -

Über das Phänomen des „Wutbürgers“, der scheinbar gegen jedes Großprojekt auf die Straße geht, kann man im beschaulichen Labertal in Niederbayern nur milde lächeln. Hier wird schon seit 20 Jahren das ehrgeizige Ziel betrieben, eine ganze Region grundlegend umzuwandeln - und zwar mit Hilfe der Menschen, die dort leben. Dies erfuhren die Mitglieder des Umweltausschusses auf ihrer Informationsreise in die Landkreise Kelheim und Landshut.

Ortstermin 26. Mai 2011 in Oberleierndorf, Niederleierndorf, Niedereulenbach:

Die 53. Sitzung des Umweltausschusses wird in Turnschuhen und Wanderkleidung bestritten. Vor Ort will man sehen, wie sich die Renaturierung der Laber auf die Landschaft auswirkt. Die umfassende Flurbereinigung und Umgestaltung des Tals dient gleich mehreren Zielen. Zum einen nähert sich das Erscheinungsbild des Labertals wieder dem ursprünglichen Zustand an und ermöglicht so vielen Pflanzen- und Tierarten das Überleben. Zum anderen wirken insbesondere die Auwiesen und Wälder als natürlicher Hochwasserschutz. Und nicht zuletzt sichert die Maßnahme den Bauern das Überleben, die das Gelände nach ökologischen Maßgaben bewirtschaften.

Das Projekt ist deshalb erfolgreich, weil sich die Bauern beteiligen. Helmut Blaschek, Bürgermeister der Gemeinde Langquaid im Labertal, erklärt den Abgeordneten, weshalb die Landwirte mitziehen: „Die intensive Nutzung von großen Flächen in der herkömmlichen Weise rechnet sich für die Landwirte nicht mehr. Der Verkauf von Grundstücken mit der Möglichkeit der extensiven Nutzung etwa durch Tierhaltung, ist eine vernünftige Lösung“. Für Blaschek steht fest – die Renaturierung ist keine Bedrohung für die Landwirtschaft, sondern eine Chance. So sieht das auch Blascheks Amtskollege Alfred Holzner aus Rottenburg an der Laaber. „Wir sagen den Bauern ganz klar: das ist eine Riesengelegenheit. Verkauft, solange es Fördermittel gibt. Manche Grundstücke liegen ohnehin brach.“

Die Bauern haben die Gelegenheit wahrgenommen. Für Thomas Vaas von der Regierung von Niederbayern ein Segen. Verwaltungsmaßnahmen einfach über die Köpfe der Betroffenen zu vollziehen, war nie das Ziel, wie Vaas betont. „Freiwilligkeit ist das oberste Prinzip. Ein derartiges Projekt gegen den Willen der Menschen durchzusetzen geht nicht, egal wie sinnvoll es ist. Nur auf diese Weise konnten wir den alten Gegensatz Naturschutz gegen Landwirtschaft überwinden.“

Einer von denen, die überzeugt wurden, ist Bauer Robert Christl. Leicht sei es ihm nicht gefallen, räumt Christl in einer mitreißenden Stegreifrede auf einem Stück renaturierter Erde ein. Die Entscheidung, einen Teil seiner Ackerfläche aufzugeben und nun behutsam als Viehweide zu nutzen, hat existenzielle Folgen. „Wenn das Projekt Labertal nicht mehr gefördert wird, muss ich meinen Hof schließen. Das wars dann mit der Landwirtschaft in der Gegend. Gebts obacht, was für Entscheidungen Ihr da treffts!“. Danach präsentiert Christl stolz seine Kuhherde, die – ökologisch vorbildlich – auf einer riesigen Naturwiese lebt und sich von Gräsern und Kräutern ernährt.

Beispiele wie diese sind es, die Hubert Schacht vom Wasserwirtschaftsamt Landshut dazu bringen von einer vorbildlichen „ökologischen Flurbereinigung“ im Labertal zu sprechen. Angestoßen und bis heute voran getrieben werden konnte das nur, weil man sachorientiert zusammen arbeitet. Landschaftspflegeverband, das Amt für Ländliche Entwicklung, Wasserwirtschaftsamt und Bauernverband sprechen ihr Vorgehen immer ab und ermöglichen so den optimalen Fluss der dringend notwendigen Fördermittel. Immerhin drei Millionen Euro bisher.

Die Erfolge dieses Modells sind mit bloßem Auge erkennbar. Der Ausschussvorsitzende Christian Magerl erspäht beim Rundgang beispielsweise den seltenen Baumfalken. Auch ein Storch fliegt wie auf Bestellung an den Ausschlussmitgliedern vorbei. Tiere, die lange nicht mehr gesichtet wurden, sind im Labertal wieder heimisch. Feuchtwiesen und Auenwald bieten den notwendigen Lebensraum. Die Bauern können im Gegenzug landwirtschaftlich unattraktives Gelände zu üblichen Marktpreisen zu verkaufen. Immerhin 288 Hektar Land sind seit 1990 für das Projekt erworben worden, die den Fluss an 33 Kilometer Länge säumen. Alte Mühlkanäle sind durch neu geschaffene Läufe wieder mit der alten Laber verbunden. Viele verschwundene Fischarten sind wieder aufgetaucht.
Etwa ein Drittel der Durchflussmenge aus den Mühlenkanälen wird mittlerweile abgezweigt und das zusätzliche Wasser macht aus der alten Laber einen lebendigen Fluss.
Zufrieden sind alle Beteiligten auch deshalb, weil man im Labertal frühzeitig einen sogenannten Umsetzungsberater installiert hat. Felix Schmitt hat die nicht immer einfache Aufgabe, Naturschützer, Wasserwirtschaftler und Bauern zusammen zu bringen. Es ist ihm gelungen, weil er alle Beteiligten von Kompromissen überzeugen kann. „Mancher musste da so manche Kröte schlucken, aber letztlich hat es sich für alle ausgezahlt.“

Am Ende ist der Ausschuss erkennbar beeindruckt von so viel Pragmatismus. Christian Magerls Fazit: „Das Labertal ist ein schönes Beispiel eines gelungenen Projektes, bei dem alle Beteiligten gut zusammen arbeiten. Eine angenehme Abwechslung zum politischen Alltag, der oft vom Gegeneinander geprägt wird.“

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