Bayerischer Landtag

Umweltausschuss: Umweltbildung als Zukunftsthema

Donnerstag, 19. Mai 2011
– Von Anna Schmid –
Ein chinesischer Arbeiter schleppt einen prall gefüllten Sack auf dem Rücken. Er geht gebückt, den Blick nach unten gerichtet. Sein Gesicht und sein Körper sind mit hellbraunem Eisenerzschlamm verschmiert: Er baut Seltene Erden ab, Metalle, die für die Herstellung moderner Hightechprodukte benötigt werden.

Der Referent klickt weiter: Das zweite Foto zeigt einen Haufen alter Handys, von denen die meisten in der Abfalltonne landen werden. „Wenn man das sieht, beginnt man, sich Gedanken zu machen über den Produktkreislauf und darüber, unter welchen Bedingungen Konsumgüter hergestellt werden“, sagt er.

Mit Bildern versucht Dr. Rudolf Kibler, der Vorsitzende des Arbeitskreises „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ und Ministerialrat am bayerischen Umweltministerium, den Abgeordneten im Umweltausschuss klar zu machen, was der Begriff „Umweltbildung“ eigentlich bedeutet: „Es geht um die Zukunft. Es geht darum, welche Auswirkungen unsere Kaufentscheidungen haben.“ Menschen sollten in die Lage versetzt werden, diese bewusst zu treffen.

Die UNESCO hat die Jahre 2005 bis 2014 als internationale Dekade der „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ ausgerufen. Die Vermittlung entsprechender Kenntnisse soll weltweit in allen Bildungssystemen verankert werden. Die Gründung des bayerischen Arbeitskreises geht auf einen Maßnahmenkatalog zurück, mit dem die Ziele der UN-Dekade vom Freistaat aus umgesetzt werden sollen, und zwar sowohl im eigenen Land als auch international. Ihm gehören Mitglieder der bayerischen Ministerien ebenso an wie Vertreter von Bildungseinrichtungen, Naturschutzverbänden oder den Kirchen.

Kibler berichtete von drei bayerischen Erfolgsbeispielen: Weil schon kleine Kinder lernen sollen, ein Bewusstsein für ökologische Zusammenhänge zu entwickeln, habe man diesen Gedanken im Bayerischen Kinderbildungs- und -betreuungsgesetz (BayKiBIG) verankert. Einmalig in Bayern sei das Qualitätssiegel Umweltbildung.Bayern, das Einrichtungen und Netzwerke erhalten, die Veranstaltungen zum Thema anbieten. Und das Modellprojekt „Globales fairstehen - Lokales fairändern“ der weltweit arbeitenden Beruflichen Fortbildungszentren der Bayerischen Wirtschaft (bfz) bietet Weiterbildungsangebote für Mitarbeiter an.

Alle Abgeordneten waren überzeugt von der Bedeutung des Themas und beeindruckt von Kiblers enthusiastisch gehaltenem Vortrag. Otto Hünnerkopf (CSU) dankte Kibler für dessen „hervorragende Arbeit“ und die Präsentation des Berichts im Maximilianeum. Damit habe er den Abgeordneten die Bedeutung seiner Arbeit noch einmal direkt ganz bewusst gemacht. Mit Blick auf die Kosten sagte er: „Es ist kein Luxus, wenn wir in diesen Bereich weiter investieren.“ Tobias Thalhammer (FDP) freute sich, dass das Wort „Bildung“ in der UN-Dekade solch große Bedeutung habe. Denn nur durch sie gelinge es, auf Missstände, wie sie das eingangs gezeigte Bild demonstriert habe, aufmerksam zu machen. Man müsse über den eigenen Tellerrand hinausschauen und gleichzeitig auf lokaler Ebene handeln, sagte Hans Jürgen Fahn (FREIE WÄHLER), nicht ohne vorsichtig auf Personalmangel in bayerischen Umweltstationen und Institutionen zur Umweltbildung hinzuweisen. Oft hätten Kinder mehr Einfluss auf ihre Eltern als umgekehrt, bemerkte Ludwig Wörner (SPD). Schon bei den Kleinen anzusetzen, sei deswegen genau der richtige Weg: „Je früher wir anfangen, desto besser“, betonte er. Theresa Schopper (Bündnis 90/Die Grünen) merkte an, dass die Finanzierung der Umsetzung über einzelne Projekte und immer neue Anträge möglicherweise einen hohen bürokratischen Aufwand bedeute und erkundigte sich nach Alternativen.

Das Prinzip der Projektförderung, bei der jeder Antrag neu geprüft würde, garantiere eine gleich bleibend hohe Qualität der Arbeit, so die Antwort Kiblers. „Ich sehe, da hängt viel Herzblut dran“, sagte der Ausschussvorsitzende Christian Magerl (Bündnis 90/Die Grünen) nach Kiblers Vortrag. Er dankte dem Referenten und den Mitgliedern des Arbeitskreises für die Arbeit, die sie geleistet haben und in Zukunft leisten werden. Der Ausschuss werde das Thema auch weiterhin aufmerksam begleiten.

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