Bayerischer Landtag

Wirtschafts-/Kommunalausschuss: Zeitgemäße Radverkehrsführung auf der Agenda

Donnerstag, 16. Oktober 2014
– Von Anna Schmid –

Fahrradfahren hält fit, ist umweltfreundlich und wird immer beliebter. In einer gemeinsamen Sitzung des Wirtschafts- und des Kommunalausschusses haben sich die Abgeordneten mit dem Radverkehr im Bayern beschäftigt. Ziel sei es, herauszufinden, welche Konsequenzen die Politik aus der Renaissance des Fahrrades ziehen muss, sagte der Vorsitzende des Wirtschaftsausschusses Erwin Huber (CSU).

Jährlich werden in Deutschland 3,4 Millionen Fahrräder gekauft, sagte Georg Honkomp, Vorstandsvorsitzender der ZEG Zweirad-Einkaufs-Genossenschaft. Sogenannte E-Bikes oder Pedelecs, aber auch breite Lastenfahrräder, erfreuten sich zunehmender Beliebtheit. Das müsse beim Ausbau von Radwegen berücksichtig werden.

„Platz her, Geld her, politischer Wille“, forderte Armin Falkenhein, Landesvorsitzender des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC). Wie die anderen Experten auch, betonte er die Bedeutung der Intermodalität. Das bedeutet, dass Verkehrsteilnehmer verschiedene Transportmittel nutzen, um an ihr Ziel zu kommen. Sie fahren zum Beispiel von zu Hause mit dem Fahrrad zum Bahnhof und dann weiter mit dem Zug in die Arbeit. Falkenstein forderte bessere Mitnahmemöglichkeiten in Zügen sowie mehr Absperrmöglichkeiten und mehr Radstationen an Bahnhöfen.

Den Gemeinden werde oft vorgeworfen, nicht genügend Abstellflächen im Bereich der Bahnhöfe zur Verfügung zu stellen, sagte Cornelia Hesse, Direktorin des Bayerischen Gemeindetages. Das Problem sei aber, dass der Grund oft der Bahn gehöre. Hesse bat die Regierung um Unterstützung beim Erwerb der Flächen.

Die Bahn müsse den Interessen von Pendlern, Touristen und Reisenden gerecht werden, sagte Johann Niggl, Geschäftsführer der Bayerischen Eisenbahngesellschaft. Im Berufsverkehr gebe es häufig Konflikte zwischen sitzplatzsuchenden Pendlern und Radlern. Man überlege deshalb, die Klappsitze in einigen Wägen abzumontieren, um solche Situationen zu entschärfen.

„Radfahren ist Ausdruck des urbanen Lebensgefühls“

„Radfahren ist Ausdruck des urbanen Lebensgefühls“, sagte Bernd Buckenhofer, Vorstand des Bayerischen Städtetages. Auf dem Land dagegen könne der Radverkehr einen Beitrag zum Tourismus leisten. Der Ausbau von Radwegen sei ein kontroverses Thema. Es sei unter Umständen sicherer, Radfahrer nicht auf spezielle Radwege zu verdrängen, sondern in den Verkehr auf der Straße zu integrieren, wo sie besser von Autos gesehen werden.

Beim Ausbau des Radverkehrs sei die Quartiersentwicklung von Bedeutung, sagte Professor Gebhard Wulfhorst von der TU München. Supermärkte, Schulen und Arbeitsplätze müssten auf kurzen Wegen erreichbar sein. Allerdings gebe es auch viel Radverkehr, der über die Quartiersgrenzen hinaus geht. Deswegen stelle sich auch die Frage nach dem Ausbau von Radwegen an Staats- oder Bundesstraßen.
Martin Spantig, Geschäftsführer von Bayerntourismus Marketing, betonte die große Bedeutung, die der Radsport für den Tourismus habe. Radltourismus sei ein Trend, der durch neue Produkte wie Pedelecs weiter zunehmen werde. Die Fahrradtouristen legten jedoch keinen Wert auf möglichst zeitsparende Verbindungen, wie sie Radschnellwege bieten würden. Sie wollten schöne Strecken, die an Sehenswürdigkeiten vorbei führen.

Die Bahn sei gefordert, sagte der Abgeordnete Eberhard Rotter (CSU). Sie habe viel rückgebaut, auf ehemaligen Ladegleisen etwa könne man doch vielleicht Abstellplätze schaffen.

Bernhard Roos (SPD) schlug einen Verhaltenskodes für Radfahrer vor und eine Wettbewerbs-Checkliste, mit der jeder prüfen könne, wie viel er mit dem Rad fahre.

„Wenn man die Parkmöglichkeiten vor dem Arbeitsplatz einschränkt, stiegen mehr Leute aufs Rad um“, sagte Martin Stümpfig (Bündnis 90/Die Grünen).

Jutta Widmann (FREIE WÄHLER) lobte die knappe, informative Veranstaltung. Die Attraktivität des Radfahrens steige mit dem der Verbesserung der Rahmenbedingungen, sagte sie.

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