Bayerischer Landtag

Wirtschaftsausschuss: Bayerische Oberlandbahn (BOB) auf dem Prüfstand

Donnerstag, 2. Oktober 2014
– Von David Lohmann –

Die Bayerische Oberlandbahn (BOB) kommt nicht aus den Schlagzeilen. Diese Woche vergaß ein Lokführer an der Station München-Solln anzuhalten, was für Passagiere einen Umweg von über einer Stunde bedeutete. Im Frühjahr blieb sogar ein Zug zwischen Kufstein und München liegen, der für die Weiterfahrt erst von den Fahrgästen wieder angeschoben werden musste. „Das ist kein Weltuntergang“, versicherte zwar der Vorsitzende des Ausschusses für Wirtschaft und Medien, Infrastruktur, Bau und Verkehr, Energie und Technologie, Erwin Huber (CSU). Ungefährlich sei das dennoch nicht gewesen. Der Ausschussvorsitzende lud daher auf Antrag der SPD-Fraktion den BOB-Geschäftsführer Kai Müller-Eberstein zur Aufklärung der Vorfälle in den Landtag.

Ursächlich für die vielen Probleme sind laut Müller-Eberstein die im Dezember 2013 geänderten Abfahrtszeiten, neue Mitarbeiter, die um sechs Prozent gestiegene Fahrtenzahl sowie technische Schwierigkeiten. „Vor allem wegen der Kupplungen bei den Talent-Triebzügen kam es zu Ausfällen“, erklärte er. Dies sei natürlich „unschön“ für die Kunden, allerdings hätten sich die Ausfallkilometer durch eine Überarbeitung dieser Kupplungen in den letzten Monaten von 650 auf 250 Kilometer reduziert. Außerdem würden die in die Jahre gekommenen Integral-Fahrzeuge jetzt häufiger gewartet. Der Geschäftsführer verwies darüber hinaus auf so genannte externe Einflüsse in Bezug auf die Pünktlichkeit: „Normalerweise haben wir ein bis zwei Suizidversuche pro Jahr“, erläuterte er. „Doch allein dieses Jahr musste deswegen die Strecke sechsmal  gesperrt werden.“

Die Bayerische Eisenbahngesellschaft als Aufgabenträger für den Schienenpersonennahverkehr in Bayern ist ebenfalls „alles andere als zufrieden“ mit der Situation: „Die Qualität entspricht nicht dem, was wir und die Fahrgäste erwarten“, versicherte Geschäftsführer Dr. Johann Niggl. Er will die BOB jetzt in „Manndeckung“ nehmen. Dazu gehören tägliche Analysen, eine Modifikation der Fahrpläne um Wendezeiten zu reduzieren, die Nutzung des vertraglichen Sanktionspotenzials um finanziellen Druck auszuüben und die Beseitigung infrastruktureller Mängel. So sorgt beispielsweise ein neues Wartehäuschen dafür, dass Züge an dieser Stelle nur 20 Stundenkilometer fahren dürfen. Nachdem die Pünktlichkeit der Züge im letzten Halbjahr unter dem bayerischen Durchschnitt lagen, erkennt Niggl jetzt allerdings wie Müller-Eberstein einen Trend nach oben: „Die Maßnahmen fangen an zu greifen“, zeigte er sich überzeugt.

Bernhard Roos (SPD) gab sich ebenfalls zuversichtlich. „Der Bericht zeigt aber, dass unser Antrag ‚BOB – der Pannenmeister‘ durchaus seine Berechtigung hatte“, betonte er. Er begrüßte den Plan von Verkehrsminister Joachim Herrmann (CSU), zukünftig moderne Elektrokupplungen zu testen – solange der Einsatz nicht zu teuer wird. Eberhard Rotter (CSU) konnte über die aktuellen Kupplungen ebenfalls nur den Kopf schütteln. Schließlich gebe es bei einer anderen Reihe von Fahrzeugen keinerlei Probleme. Der Abgeordnete mahnte daher nicht nur die BOB, sondern auch die Industrie, „das Problem jetzt endlich in den Griff zu bekommen“.

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