Bayerischer Landtag

Wirtschaftsausschuss: Debatte mit Vertretern der Messen München, Nürnberg und Augsburg

Donnerstag, 5. März 2015
– Von Jan Dermietzel –

Welche Bedeutung haben die Messe München, die Messe Nürnberg und die Messe Augsburg für den Wirtschaftsstandort Bayern? Oder um es wie Erwin Huber (CSU), Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses, etwas zugespitzter zu formulieren: „Brauchen wir in Zeiten des Internets solche Messen überhaupt noch?“ Es sei Aufgabe des Landtags, regelmäßig zu überprüfen, ob das vom Freistaat in die drei Messen investierte Geld auch richtig angelegt ist.

Hier bestehe kein Grund zur Sorge, antwortete Münchens Messe-Geschäftsführer Klaus Dittrich. Jeder Euro Umsatz, den die Messe München GmbH mache, sorge für zehn Euro Umsatz bei Unternehmen aus dem Umland. Dies habe das renommierte ifo-Institut in einem Gutachten 2013 bestätigt. Die Messe München wachse überdurchschnittlich, vor allem dank ihrer internationalen Beteiligungen. Zwei weitere Messehallen mit insgesamt 20.000 zusätzlichen Quadratmetern seien auf dem Messegelände in Riem in Planung. Die Messe München werde diese Bauten „komplett selbst finanzieren“ können. Nötig sei allerdings eine stärkere Verkehrsanbindung, vor allem bei der S-Bahn und beim Ausbau des Münchner Flughafens.

Dr. Roland Fleck von der Messe Nürnberg GmbH bezeichnete seine Heimatstadt als „nördlichen Gravitationsschwerpunkt der bayerischen Wirtschaftsellipse“ zwischen München und Nürnberg. Zwar erreiche die Frankenmetropole nicht die Superlative der Schwestermesse in München, habe sich aber immerhin weltweit auf Platz 15 und innerhalb Europas auf Platz 10 etabliert. Besonders stolz zeigte sich Fleck über die neue Messehalle 3 A, die die weltweit renommierte Architektin Zaha Hadid entworfen hat. Die 230 Millionen Euro, die die Messe Nürnberg durchschnittlich im Jahr erwirtschafte, sorgten in der Region für rund eine Milliarde Euro Umsatz. „Auch im digitalen Zeitalter wollen sich die Menschen weiter persönlich treffen“, so Fleck.

Die Bedeutung der Messe Augsburg für den Freistaat erläuterte Landrat Martin Sailer (CSU), der für den erkrankten Messegeschäftsführer Gerhard Reiter eingesprungen war. In Augsburg sind die Dimensionen etwas kleiner, und im Gegensatz zu Nürnberg und München ist der Freistaat hier auch kein Gesellschafter. Dennoch verzeichne auch Augsburg zwei Leitmessen, nämlich die „interlift“, den weltweiten Treff der Aufzugsbranche, und die „GrindTec“, den globalen Hotspot für die Schleiftechnikindustrie.  

„Sportlich-freundlicher“ Wettbewerb der bayerischen Messestandorte

Die Abgeordneten zeigten sich beindruckt von der Leistungsfähigkeit der drei bayerischen Messestandorte und ihrer Bedeutung für die Infrastruktur in Bayern. Markus Blume (CSU) fragte allerdings, warum München noch so weit hinter der Messe in Frankfurt am Main zurückliege. Frankfurt habe, entgegnete Dittrich, bereits vor 40 Jahren in das internationale Geschäft investiert – Jahrzehnte vor München und Nürnberg. Auf Blumes Frage, wie sich bayerischen Messen auf den Digitalisierungstrend einstellten, anwortete Dittrich, zum einen verändere er das Geschäftsmodell. Nicht mehr das Treffen einmal im Jahr stehe allein im Vordergrund. Es werde heutzutage zunehmend flankiert von ganzjährigen Online-Plattformen, zum Beispiel bei der Sportleitmesse ISPO. Daneben wirke sich die Digitalisierung auf das Anmeldewesen aus; die Messe München investiere gerade in neue interne Prozesse und einen Webshop. Schließlich stehe bei Messen in der IT-Branche kaum noch die Hardware im Fokus, sondern immer häufiger die mit Händen nicht greifbare IT-Lösung.

Annette Karl und Bernhard Roos (beide SPD) warfen die Frage auf, ob sich die bayerischen Messen bei der Akquise untereinander abstimmten: „Treten Sie gemeinsam nach außen auf oder kannibalisieren Sie sich gegenseitig?“, fragte Roos. Außerdem wollte er wissen, wie sich der Russland/Ukraine-Konflikt auf das Geschäft auswirke. Roland Fleck erläuterte, dass sich das Klima gerade zwischen München und Nürnberg stark verbessert habe im Vergleich zu früheren Zeiten. Nürnberg vertrete heute München zum Beispiel in Brasilien. „Und an Augsburg haben wir neulich zwei kleinere Messen verkauft, die für uns nicht rentabel zu betreiben waren“, ergänzte Dittrich. Der Wettbewerb untereinander bestehe natürlich, so Fleck, „aber er ist sportlich-freundlich“. Den Konflikt zwischen Russland und der Ukraine spüre man an den sinkenden Besucherzahlen aus Russland, sagte Dittrich. Allerdings betreibe die Messe München auch Messen in China, wo die Zahl der russischen Teilnehmer stark angestiegen sei: „Wir sind so aufgestellt, dass sich das ausgleicht.“

Johann Häusler (FREIE WÄHLER) warb für den Messestandort Augsburg, der viel günstigere Preise anbieten könne als seine beiden großen Konkurrenten. Allerdings fehle ihm eine Flughafenanbindung. Häusler forderte die Staatsregierung auf, den nahen Flughafen Memmingen stärker zu fördern. Überhaupt zeige die Situation der Messen, dass sie stark auf die nötige Infrastruktur angewiesen seien, erklärte Walter Nussel (CSU): „Darüber sollten diejenigen nachdenken, die immer zu den Ausbaugegnern gehören.“ Vize-Ausschussvorsitzender Martin Stümpfig (Bündnis 90/Die Grünen) entgegnete, nicht der Ausbau an sich sei strittig, sondern an welchen Stellen er geboten sei. „Da haben wir bei der dritten Startbahn am Flughafen München unterschiedliche Ansichten.“ Stümpfig forderte die Messebetreiber auf, ihr hochentwickeltes Know-how stärker in weniger entwickelte Staaten in Afrika und Asien zu tragen, „gerade bei den Themen Effizienz, Klima und Energie“.


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