Bayerischer Landtag

Wirtschaftsausschuss: Informationsgespräch zum Thema Qualität im Regional- und Nahverkehr in Bayern

Donnerstag, 10. November 2011
– Von Katja Helmö –

Es war eine Premiere im Wirtschaftsausschuss: Vertreter der wichtigsten Eisenbahnverkehrsunternehmen in Bayern – Bayerische Eisenbahngesellschaft, Deutsche Bahn, Agilis Eisenbahngesellschaft, Bayerische Oberlandbahn, Regentalbahn und Vogtlandbahn – diskutierten mit den Abgeordneten über die Qualität im Regional- und Nahverkehr. Einig waren sich alle Teilnehmer des Informationsgesprächs, dass der Wettbewerb unter den Anbietern inzwischen zu messbaren Qualitätsverbesserungen, also mehr Pünktlichkeit, mehr Sauberkeit, mehr Information, mehr Service etc. geführt hat. Übereinstimmend verzeichnen die Anbieter in Bayern außerdem einen Anstieg bei den Fahrgastzahlen.

„Eisenbahnfahren ist wieder ,in`“, kommentierte Ausschussvorsitzender Erwin Huber (CSU) diesen Trend und verwies auf die 1,2 Millionen Menschen, die in Bayern täglich auf den Schienen unterwegs sind. Nach Auskunft von Klaus-Dieter Josel, Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn in Bayern, ist das Fahrgastaufkommen im Zeitraum 2003 bis 2010 in Bayern um 13 Prozent gestiegen. Bei der Bayerischen Oberlandbahn (BOB) hat sich die Zahl der Fahrgäste in den letzten zehn Jahren sogar verdreifacht. Gerhard Knöbel von der Regentalbahn und Vogtlandbahn sieht auch weiterhin ein großes Wachstumspotential: „Es geht darum, eine ganze Generation, die auf das Auto umgestiegen ist, als Fahrgäste zurückzugewinnen.“

Qualitätssünder zahlen Pönale
Qualität ist dabei das Schlüsselthema. Die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) vereinbart dazu mit allen in Bayern tätigen Eisenbahnverkehrsunternehmen Mindeststandards, die kontinuierlich gemessen werden, berichtete BEG-Geschäftsführer Fritz Czeschka. „Werden vorgegebene Kriterien nicht eingehalten, verhängen wir Strafzahlungen.“ Beim Ranking in diesem Qualitätsmesssystem würden, so der BEG-Geschäftsführer, die Erfurter Bahn, die Berchtesgadener Land Bahn, agilis Süd und Bayerische Regiobahn besonders gut abschneiden. Schlusslichter im Qualitätsranking bildeten hingegen der Donau-Isar-Express (München – Passau) und alex-Nord (München – Hof).

„Der Wettbewerb hat viel bewirkt. Ohne Wettbewerb wären wir nicht dort, wo wir heute sind“, konstatierte Klaus-Dieter Josel von der Deutschen Bahn in Bayern. Er verwies auf Investitionen in Höhe von einer Milliarde Euro pro Jahr in die Bahnhöfe und 1,8 Milliarden Euro für neue Fahrzeuge in den letzten acht Jahren. Technische Mängel und Probleme bei den Fahrzeugen führten allerdings dazu, dass bei der Deutschen Bahn in Bayern derzeit rund 160 Ersatzfahrzeuge im Einsatz sind. Josel begründete dies mit den teilweise nicht ausgereiften Entwicklungen der Hersteller: „Wir werden künftig Fahrzeuge erst dann abnehmen, wenn sie einwandfrei funktionieren“, sagte der DB-Konzernbevollmächtigte und kündigte diesbezüglich neue Vertragsgestaltungen an.

„Viele Fahrgäste, aber zu wenige Fahrzeuge“ diagnostizierte auch Heiner Seeger von der Bayerischen Oberlandbahn: „Wir brauchen mehr Transportgefäße und mehr Angebot, um mehr leisten zu können.“ Das südlich von München gelegene Alpenvorland sei eine Wachstumsregion.

Bei der Agilis führt der Mangel an Lokführern zu Qualitätsproblemen. Die im Donautal sowie in Oberfanken aktive Eisenbahngesellschaft bildet derzeit 150 Lokführer in Eigenregie aus. „Das dauert, aber Ende des Jahres haben wir alle Lokführer an Bord“, sagte Dietmar Knerr. Aus Sicht von Gerhard Knöbel (Regentalbahn, Vogtlandbahn) haben viele Qualitätsprobleme mit Mängel in der Infrastruktur zu tun. Er sprach sich für eine klare strukturelle Trennung von Netzbetreiber und Eisenbahnverkehrsunternehmen aus.

In der anschließenden Diskussion betonten die Abgeordneten, dass beim Fahrgast nicht die statistisch gemessene Qualität, sondern die gefühlte Qualität eine Rolle spielt. Hier gibt es aus Sicht aller Fraktionen weiterhin Verbesserungsbedarf.

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