Bayerischer Landtag

Wirtschaftsausschuss: Mehrheit unterstützt Schneekanonen für Skigebiet am Sudelfeld

Donnerstag, 19. April 2012
– Von Anna Schmid –

Die Winter werden wärmer, und lange Jahre ist in Bayern zu wenig in den Tourismus investiert worden. Das bekommt auch das Skigebiet am Sudelfeld zu spüren. Deshalb soll es nun modernisiert werden: Neue Lifte sollen entstehen und Bayerns größte Beschneiungsanlage soll das Skigebiet mit Kunstschnee aus einem 15.000 Quadratmeter großen Speichersee versorgen. Jedenfalls, wenn es nach den Liftbetreibern geht. Sie hoffen auf Zuschüsse aus dem Wirtschaftsministerium. Naturschützer, darunter der Bund Naturschutz und der DAV, sind dagegen und haben eine Eingabe beim Landtag gemacht. Auch SPD und Bündnis 90/Die Grünen sehen die Ausbaupläne kritisch. Sie wollten mit zwei Dringlichkeitsanträgen verhindern, dass staatliche Fördergelder in das Projekt fließen.

Nach einem Fachgespräch im Wirtschaftsausschuss lehnten die Regierungsparteien und die FREIEN WÄHLER beide Anträge ab. Die Petition der Naturschützer wird allerdings als Material an die Staatsregierung gehen, damit die Argumente in das laufende Verfahren einfließen können.

Die Schneeanlage verbrauche nicht mehr Energie als ein Hotel mit achtzig Zimmern, so Egid Stadler, Geschäftsführer der vereinigten Liftbetriebe Sudelfeld. Ganz besonders die Saison um Weihnachten müsse schneesicher sein, stellte er klar.

Stadlers Interessen seien legitim, doch sei es fraglich, ob sie aus Steuergeldern subventioniert werden müssten, so Richard Mergner vom Bund Naturschutz. Er sprach von Energieverschwendung und kritisierte die geplanten Veränderungen in der Landschaft. Besser wäre es, das Gebiet auch außerhalb der Saison für Touristen attraktiv zu machen.

Gleicher Meinung war Ludwig Wucherpfennig, Vizepräsident des Bayerischen Alpenvereins. Die Liftanlagen störten die Wanderer, fügte er hinzu. Doch das Mangfallgebirge sei wichtig für den Sanften Tourismus und ein Kapital, das man nicht verspielen dürfe.

Das Sudelfeld müsse modernisiert werden, sagte Harald Gmeiner, Tourismusleiter der Gemeinde Bayrischzell. Die Zahl der Übernachtungen habe sich in den vergangenen Jahren halbiert, die veralteten Infrastrukturen schreckten Investoren ab. Auf Wintersportgäste könne man nicht verzichten: „Ein vergleichbares Konzept gibt es in der kalten Jahreszeit nicht.“

„Allein durch die Beschneiung kommt der Tourismus nicht voran“, sagte Thomas Bausch, Professor für Touristik an der FH München. Das Gesamtpaket müsse stimmen. Nur so sei ein Skiort wettbewerbsfähig. Ein vergleichsweise kleines Gebiet wie das Sudelfeld sei für Übernachtungsgäste nicht attraktiv genug und müsse sich auf Nischen spezialisieren, zum Beispiel auf Familien mit Kindern.

Die Modernisierung sei notwendig, um konkurrenzfähig zu bleiben, sagte Gabriele Weishäupl, Vorstandsmitglied im Tourismusverband München-Oberbayern. „Wir verkaufen gerne Produkte, die gut sind. Und alle, was zur Verbesserung beiträgt, begrüßen wir.“

Die Anlage sei auf ihre Umweltfreundlichkeit geprüft worden, das sei eine Voraussetzung für die Förderung, so Eberhard Rotter (CSU). Dass es sich angesichts der Klimaerwärmung nicht um eine Investition für die nächsten 100 Jahre handle, sei klar, doch sie werde sich in den kommenden zehn bis 15 Jahren bewähren , antwortete er auf die Kritik der Grünen. Die Beschneiungsanlagen seien eine Chance für den Ort, den Ausfall der Übernachtungen zu kompensieren, sagte Dietrich Freiherr von Gumppenberg (FDP). In Gegenden, die davon leben, sei Tourismusförderung auch Wirtschaftsförderung, sagte der stellvertretende Vorsitzende Alexander Muthmann (FREIE WÄHLER). Thomas Beyer (SPD) warnte, mit dem Ausbau der Skigebiete in Zeiten des Klimawandels auf das falsche wirtschaftliche Konzept zu setzen. Die Regierung solle sich lieber überlegen, wie sie die Gemeinden bei der Entwicklung von zukunftsfähigen Tourismus-Konzepten unterstützen könne, sagte Ludwig Hartman (Bündnis 90/Die Grünen).

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